Ev.-ref. Kirche, Vorderer Kirchweg 10

Die Kirche von Wintersingen erhebt sich auf einer Anhöhe der linken Bachseite vor dem Dorfeingang auf einem ummauerten Friedhof. Die ursprünglich aus Langhaus und rechteckigem Chor mit Dachreiter bestehende Kirche wird erstmals 1196 erwähnt. Ihr Patronatsrecht blieb bis 1821 in den Händen des Deutschordenhauses von Beuggen.

Die alte Kirche erhielt in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts eine Westempore, einen Abendmahlstisch und einen Taufstein. Im Jahre 1676 errichtete man unter der Leitung von Jakob Meyer nach Plänen von Daniel Bartmann aus Basel an der Stelle des Chores einen Südflügel in der Form eines Winkelanbaus, wodurch der heute bestehende sogenannte Winkelhakengrundriss ähnlich wie in der St. Margarethenkirche in Binningen entstand.

Der Winkelbau mit gleich grossen Armen zeigt rechteckige Fenster. Nahe dem Westgiebel sitzt ein vierseitiger Dachreiter auf dem Satteldach. Ueber dem Nordportal befindet sich die auf den Umbau von 1676 hinweisende Deputatentafel. Im Innern sind in beiden Flügeln Kopfemporen zu erkennen. Die breiten Fenster enden im Stichbogen und sind mit dekorativer Malerei aus dem 17. Jahrhundert umrahmt. An alter Ausstattung haben sich die Kanzel aus dem 17. Jahrhundert, der Tischaltar von 1642 und die Häupterstühle von 1676 erhalten. Im Boden vor der Kanzel liegen zwei Grabplatten. An den Wänden hängen zahlreiche Epitaphien aus dem 17., 18. und 19. Jahrhundert. Eine Kabinettscheibe und zwei kleinere Scheiben ergänzen die Ausstattung.

Der Winkelhakengrundriss ist eine typische reformierte Raumschöpfung des 17. Jahrhunderts und kommt in der Schweiz nur im Kanton Baselland vor. Sein Vorbild ist die Stadtkirche von Freudenstadt im Schwarzwald.

Die Kirche von Wintersingen ist eine der wenigen des Kantons, die ihre alte Ausstattung aus dem 17. und 18. Jahrhundert beinahe vollständig erhalten hat. Das Innere ist deshalb abgesehen vom eigenartigen und ausserordentlich seltenen Grundriss auch wegen seiner Ausstattung von unschätzbarem Wert.

Gesamthaft betrachtet bietet die Kirche von Wintersingen sowohl in ihrer äußeren Gestalt als Winkelhakenkirche ein Unikum und ein für den reformierten Kirchenbau der Schweiz einzigartiges Beispiel für den Predigtraum als auch durch ihre alte Ausstattung des Innern ein hervorragendes Beispiel für den Zustand der Kirchen in der Landschaft Basel im 17. Jahrhundert.