Vorderi Blüemlisalp 30

Am südlichen Dorfausgang rechter Hand dehnt sich das grosse Weidgebiet "Blümlisalp" aus. Bereits Bruckner, ein Chronist aus dem 18. Jahrhundert, beschreibt in seinen "historischen und natürlichen Merkwürdigkeiten der Landschaft Basel" die Flur oberhalb der ehemaligen Papiermühle, "Blümlins Alp" genannt. Aktenkundig ist ein Kaufbrief aus dem Jahre 1663, der den Flurnamen "Blümlinsalp" erstmals schriftlich belegt.
Der Flurname ist also alt und das ausgedehnte Gebiet war bis ins 19. Jahrhundert als Weide bewirtschaftet worden. Die "Blümlisalp" umfasste einst das Land der heutigen "Vorderen" und "Hintern Blümlisalp" und einen Teil des in der Höhe anstossenden Waldes. Im Laufe des 19. Jahrhunderts hörte der ausgedehnte Weidebetrieb auf. Aussiedler erbauten Wohnhäuser; die Bauernhöfe "Hintere Blümlisalp" und "Vordere Blümlisalp" sind seit dem 19. Jahrhundert belegt.

Die Feldscheune dient zur Lagerung des Heus oder je nach Bedarf zur Unterbringung des Viehs im Vorfrühling. Die Futterscheune kann als Weiterentwicklung der bekannten Feldscheunen oder Heuschober verstanden werden. Um den Transport von Milch vom Feld ins Dorf zu vermeiden, waren in den Futterscheunen Rinder und Jungtiere untergebracht.

Die Futterscheune "Vordere Blümlisalp" erhebt sich an prominenter, von weitem sichtbarer Lage zwischen hochstämmigen Obstbäumen. Das Sockelgeschoss ist aus sorgfältig behauenen Kalk- und Tuffsteinen gefügt und mit Kalkmörtel verputzt. Die rundbogige Stalltüre mit gefastem Türgewände und die beiden kleinen Stallfensterchen weisen in ihrer Machart auf das 18. Jahrhundert zurück. Das Obergeschoss, von der Bergseite eben zugänglich, ist in Holz aufgeführt. Es dient der Lagerung von Heu. Auf der Talseite ermöglicht ein mächtiges Tor den Zugang zum Heuraum auch mit Wagen. Der Dachstuhl ist liegend. Schwellen und Mittelpfetten haben einen dreieckigen Querschnitt. Das steile Satteldach erhält einen besonderen Schmuck: die einfache Dachdeckung ist mit historischen Biberschwanzziegeln ausgeführt, welche in der ehemaligen Ziegelbrennerei im Kloster Schöntal bei Langenbruck hergestellt wurden. Nur noch bei wenigen Gebäuden in der Region Waldenburg haben sich bis zum heutigen Tag die originalen "Schöntalziegel" erhalten. Die Feldscheune ist vergleichbar mit denjenigen auf "Unter Wil", welche durch Jahreszahlen auf die Jahre 1740 und 1800 datiert sind.
Die Futterscheune "Vordere Blümlisalp" wird bis heute vom Eigentümer benutzt. In Zusammenarbeit mit der Kantonalen Denkmalpflege und Pro Patria ist die Feldscheune renoviert und subventioniert worden. Mit der abgeschlossenen Renovation konnte für den landwirtschafltichen Betrieb ein nützliches Gebäude und für die ehemalige Weidlandschaft "Blümlisalp" ein landschaftliches Kleinod erhalten werden.

Die Futterscheune "Vordere Blümlisalp" ist als typischer Zeuge der bäuerlichen Wirtschafts- und Bauweise und als eine der wenigen noch erhaltenen Futterscheunen ein Kulturdenkmal von regionaler Bedeutung.