Hauptstrasse 16

Das grosse Bauernhaus liegt im Unterdorf von Rünenberg an der hier steil ansteigenden Gasse. Das auffallend hohe Gebäude wurde anscheinend im Jahre 1747 vom Posamenter Heinrich Grieder erbaut, der in einem Gewerbestreit mit Herrn De Bary aus Basel im gleichen Jahr unterlegen sein soll. Das dreigeschossige Wohnhaus fusst auf einem hohen Kellersockel, weshalb im Untergeschoss links die gerade schliessende Kellertüre und ein quadratisches Kellerfenster sichtbar sind. Daneben befindet sich die zum Eingang führende Freitreppe. Das gefaste Gewände des Eingangs schliesst in einem Schulterbogen mit der Jahreszahl 1747 im Sturz und einem vergitterten Oblicht darüber. Neben der Türe befinden sich ein breites und ein schmales Fenster, beide ursprünglich mit Holzgewänden. In den beiden oberen Geschossen hingegen finden sich je drei rechteckige Fenster. Auf der Rückseite ist eine Holzlaube angehängt. Im Gegensatz zum hohen Wohnteil mit seinem steilen Satteldach ist das Oekonomiegebäude relativ niedrig. Das steinerne, rundbogige Scheunentor besitzt einen markanten Schluss-Stein mit der Jahreszahl 1774 und den Initialen MB/HS. Vor dem Stallteil mit zwei Stalltüren und einem Stallfenster befindet sich eine Holzschopflaube.

Das im Dorfbild markant hervortretende Haus, vom Nebengebäude nur durch ein schmales Gässlein getrennt, dominiert mit seiner stattlichen Höhe das Unterdorf, gibt ihm einen besonderen Akzent und gliedert sich vollständig ein. Die hölzernen Bauelemente zeigen, dass der Stein damals noch recht kostbar war, dass aber hier in Rünenberg bereits in der Mitte des 18. Jahrhunderts die traditionelle Steinmetzenkunst ihre erste Blüte erreichte. Ausserdem zeigen die Unterschiede zwischen dem grossen Wohnhaus und der kleinen Oekonomie die wirtschaftlichen Verhältnisse jener Zeit und die Funktion der Häuser auf. Vorrangig war in jener Zeit anscheinend nicht die Landwirtschaft, sondern die Posamenterei, die sich in diesen grossen Häusern dokumentierte. Die Landwirtschaft spielte eine sekundäre Rolle, weshalb für sie nur ein kleines Gebäude benötigt wurde. Im ehemaligen Posamenterdorf Rünenberg dürfte somit die Heimindustrie massgebend auf die Bausubstanz des Dorfes und deren Besonderheit eingewirkt haben.