Drei Dorfbrunnen

Drei Dorfbrunnen

Für das Plateaudorf Rünenberg war die Wasserversorgung während Jahrhunderten ein wichtiges Lebensproblem. Daniel Bruckner erwähnt im 18. Jahrhundert nicht weniger als fünf Dorfbrunnen, wozu vermutlich noch einige Sodbrunnen traten. Im Laufe der Dreissigerjahre wurden die aus Holztrögen bestehenden Brunnen mit Steintrögen und -stöcken versehen und dabei auf drei reduziert, den Unterdorf- oder Botenbrunnen, den Schul- oder Luxenbrunnen und den Leierbrunnen.

1. Der Unterdorfbrunnen liegt am Nordausgang des Dorfes in der Abzweigung des Schürmattweges von der Hauptstrasse. Er entstand 1832 nach der Jahreszahl auf dem Brunnenstock. Als grösster Brunnen des Dorfes besitzt er einen breiten, achteckigen Trog mit kantigem Randwulst, wobei vier Seiten des Achtecks länger sind und so den Trog als Längsrechteck mit abgeschrägten Ecken erscheinen lassen. Auf der Nordseite steht der wuchtige Stock, bestehend aus einer breiten, bis zum Rand des Brunnentroges reichenden Basis, einem etwas eingezogenen Schaft, den ein profiliertes Gesims abschliesst, und einem pyramidenartigen Abschluss mit Kugel. Der stattliche Brunnen ist städtebaulich durch die Abzweigung einer Gasse ausgezeichnet und ist daher an dieser Stelle ein wichtiger Bestandteil des Ortsbildes.

2. Der Schul- oder Luxenbrunnen steht im Oberdorf vor dem Haus Nr. 6 und gegenüber dem 1829 erbauten Schulhaus, von dem er seinen Namen erhielt. Er entstand im Jahre 1831 vermutlich im Zusammenhang mit dem Schulhausbau und kostete Fr. 346.-- . Bezeichnenderweise steht auch dieser Brunnen nicht nur an einer durch das Schulhaus hervorgehobenen Stelle des Ortsbildes, sondern zugleich bei der Einmündung von zwei Wegen in die Hauptstrasse. Der Brunnen besitzt einen längsrechteckigen Trog, dessen Südende abgerundet ist. An seinem Nordende erhebt sich der Stock als kantiger Schaft mit einer Deckplatte, die sich nach oben verjüngt und mit einer Kugel schliesst.

3. Der Leierbrunnen liegt am Eselweg beim südwestlichen Dorfausgang, somit etwas ausserhalb des geschlossenen Dorfkerns. Er entstand 1833, erhielt seinen Namen vom Flurnamen Leier und spendet seit jeher das beste Wasser. Im Gegensatz zum Schulbrunnen steht sein längsrechteckiger Trog nicht parallel, sondern quer zur Strasse. Ausserdem ist das Südende des Troges nur leicht abgerundet und nicht in einem Guss wie beim Schulbrunnen. Sein kantiger Stock besitzt eine ähnliche Deckplatte und den gleichen Abschluss wie der Schulbrunnen.

Mit Ausnahme des Leierbrunnens bilden die genannten Brunnen wichtige Akzente des Dorfbildes von Rünenberg. Die Variationen der Trogformen entsprechen teilweise der Funktion und dem Verwendungszweck, teilweise aber auch der Bedeutung, die man den einzelnen Brunnen und den betreffenden Dorfteilen beimass. Die Quellfassungen aller drei Brunnen liegen auf der Westseite des Dorfes im Hasel, im oberen Rosenfeld und im Pfandacher. Nach der Heimatkunde von Fritz Grieder, der die Wasserversorgung Rünenbergs untersuchte, waren die Vorgänger dieser Brunnen Privatbesitz. Mit der Erstellung dieser drei Brunnen durch die Gemeinde in den Dreissigerjahren erlebt das Dorf anscheinend so etwas wie eine Verstaatlichung der Wasserversorgung, die durch das erste Wasserversorgungsnetz von 1894 vollendet wurde. Die von der Gemeinde erstellten Brunnen waren deshalb nicht nur vom Material her, sondern auch durch ihre Entstehung eine Erneuerung, die sicher damals vielversprechend war. Ursprünglich dienten die Brunnen nicht nur für die Wasserversorgung, sondern auch bei Brandausbrüchen. In unserer Zeit haben sie nahezu alle ursprünglichen Funktionen verloren, ihre bedeutende und eigenartigerweise selbstverständliche Funktion im Ortsbild ist ihnen jedoch geblieben.