Dorfplatz, Dorfbrunnen

Nach den Federskizzen des Geometers Georg Friedrich Meyer aus der Zeit um 1670 besass Rickenbach bereits damals zwei Brunnen, wovon der eine noch wie heute auf dem Dorfplatz, der andere aber unterhalb der Verzweigung Erliackerweg/Farnsburg stand. Nach Daniel Bruckner besass Rickenbach im 18. Jahrhundert nurmehr einen laufenden Brunnen, womit mit ziemlicher Sicherheit der Brunnen auf dem Dorfplatz gemeint war. Die beiden unter Schutz gestellten Dorfbrunnen wurden im Jahre 1844 angeschafft. Rickenbach folgte damit der allgemeinen Entwicklung in der Erneuerung der Dorfbrunnen und der Verbesserung der Wasserversorgung in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Nicht in den Gemeindeprotokollen, sondern in der Rechnung von 1844 werden die beiden Brunnen erwähnt. Beide Brunnentröge wurden durch den Gemeindepräsidenten und ein weiteres Mitglied des Gemeinderates in Laufen in Auftrag gegeben, und später dort in Augenschein genommen. Die Kosten für die beiden Tröge und Stöcke betrugen beim Steinhauer Fr. 270.--. Den Transport von Laufen nach Rickenbach besorgten Einwohner auf einem in Liestal für Fr. 10.50 gemieteten Wagen. Die Maurerarbeiten an Ort und Stelle, d.h. in Rickenbach führte Mathias Valaster aus. Er stammte aus Bartholomäberg im Voralbergischen und gehörte zu den damals zahlreichen Fremdarbeiter im Baugewerbe. Die Kosten für die drei messingenen Brunnenrohre betrugen Fr. 10.50. Die Ablaufstutzen erstellte der Schreiner Johannes Handschin, der Bruder des bekannten Wohltäters Heinrich Handschin. Beim Transport der Brunnen wurden 12 Pfund Brot verzehrt und Fr. 9.45 für Wein ausgegeben. Unterkunft und Verpflegung für die Steinhauer im damaligen "Rössli" kosteten Fr. 14.75. Für die Pferde wurden drei Säcke Hafer verbraucht.

Der Brunnen im Hinterdorf, bei dessen Aufstellung ein Waschhaus entfernt werden musste, besteht aus einem achteckigen Trog, wobei die parallelen Seiten länger sind als die übrigen. Ausserdem trägt er das Datum 1844. Seinen Sock mit zwei Röhren schliesst eine Eichel ab.

Der Brunnen auf dem Dorfplatz hingegen besitzt einen längs-rechteckigen Trog, der beim Auslauf beidseits gleichmässig eingezogen ist. Sein Stock, der nur eine Röhre besitzt, war bis vor rund 35 Jahren mit einer Kugel bekrönt. Da diese von den "Nachtbuben" immer wieder abgehoben wurde, ersetzte man sie durch eine Pyramide. Während der Brunnen im Hinterdorf noch immer eine eigene Quelle besitzt, wurde der Dorfplatzbrunnen an die 1884 erstellte Wasserversorgung angeschlossen. Beide Brunnen stehen nicht mehr an ihrem ursprünglichen Standort. Der Brunnen auf dem Dorfplatz stand ursprünglich östlich der Strasse und wurde beim Ausbau der Kantonsstrasse auf die Westseite versetzt. Um mehr Platz für die Autohaltstelle zu gewinnen, wurde der Brunnen im Hinterdorf etwas von der Strasse weggerückt.

Die geschilderte Geschichte der beiden Dorfbrunnen von Rickenbach, zusammengestellt vom Kantonsarchivar und Gemeindepräsidenten von Rickenbach, Dr. H. Sutter, zeigt auffäIlig, welche Bedeutung diesen Brunnen in der kulturellen und baulichen Geschichte und Entwicklung des Dorfes zukommt. Ein Stück Heimatkunde, ein Blick in das Dorfleben, zugleich aber eine Bereicherung des Dorfbildes. Beide Brunnen stehen an wichtigen Stellen innerhalb des Dorfes und zeugen von der reichen Dorfkultur vergangener Zeiten.