Oberbiel 15

Das bekannte ehemalige Posamenterhaus liegt im südlichen Teil des historischen Ortskerns von Reigoldswil als südlicher Eckbau einer Häuserzeile, die zwischen Strasse und Bach errichtet worden ist.

Gemäss der Jahreszahl auf einem Balken unter dem Vordach des Wohnhauses ist das Haus 1762 erbaut worden. Es besteht aus einem hohen markanten dreigeschossigen Wohnteil unter steilem Satteldach und einer etwas niedrigeren Oekonomie. Der dreigeschossige Wohnteil besitzt auf der Traufseite drei Fensterachsen und im Erdgeschoss den hochrechteckigen Eingang. Auf der westlichen Hälfte der Giebelfassade finden sich in allen drei Geschossen je zwei grosse Fenster und in der östlichen Giebelhälfte nur schmale Fensterschlitzen, da sich hier die Keller befinden. Auf der Rückseite gegen den Bach ist eine Holzlaube angefügt. Im Giebeldreieck befinden sich drei kleine Fenster. Die Oekonomie besitzt ein rundbogiges Scheunentor und einen Stall.

Das stattliche Bauern- und Posamenterhaus zeigt den Einfluss der Posamenterei auf die Architektur des Bauernhauses. In jedem Geschoss befindet sich im westlichen Teil eine helle, geräumige Stube mit je vier Fenstern, denn hier liefen zur Blütezeit der Posamenterei nicht weniger als sechs Webstühle. Das Haus bot auf diese Art ursprünglich drei Familien Wohnraum. Es besitzt deshalb im ersten und zweiten Geschoss einen gewölbten Keller und darüber zwei Dachgeschosse.

Im Grundriss wird die Dreiteilung Wohnteil, Scheune und Stall erkennbar, wobei später noch als vierter Teil ein Schopf angebaut worden ist. Doch auch der Wohnteil besteht aus drei Teilen, der Stube, der Küche und dem Keller. Der gewölbte Keller im Erdgeschoss liegt um zwei Stufen niedriger als die Küche. Eigenartig ist, dass auch die höher gelegenen Wohnungen gewölbte Keller besassen, die alle nicht unter der Erde liegen. Im Innern läuft ein Quergang durch das ganze Haus.

Typisch für das Posamenterhaus sind die grossen Fenster und die grosse Zahl der Wohnungen in einem Gebäude. Man könnte hier von einem frühen Mehrfamilienhaus sprechen. Einzigartig aber sind auch die gewölbten Keller, die nicht nur über der Erde, sondern sogar noch im 1. Obergeschoss liegen. Interessanterweise weist das im 18. Jahrhundert erbaute Haus weder am Wohn- noch am Oekonomieteii besondere Stilmerkmale des Barocks auf. Es scheint, dass man sich hier beim Bau dieses Hauses ziemlich streng auf die Funktion des Gebäudes als Posamenter- und Mehrfamilienhaus ausgerichtet hat. Davon zeugt auch die Gestaltung der Giebelfassade. Welche der drei Familien, die ursprünglich das Haus bewohnten, den Oekonomiebetrieb besass, ist nicht bekannt, doch war dieser wohl gemeinsam. Heute ist das Haus im Besitz einer Familie, die das ganze Haus bewohnt und es innen und aussen restauriert hat, ohne an der Bausubstanz etwas zu ändern. Im Innern finden sich noch Kachelöfen aus dem 19. Jahrhundert. Im übrigen ist aber die Ausstattung eher einfach und entspricht damit der Grundhaltung dieses Hauses.