Bretzwilerstrasse 1 / 3

Das Bauernhaus Bretzwilerstrasse 1 / 3 liegt am Dorfausgang Richtung Bretzwil in der Nähe des Dorfplatzes in jenem Dorfteil, der einst Mittelbiel genannt war.

Das traufständige Bauernhaus gliedert sich in einen erhöhten, zweigeschossigen Wohnteil unter steilem Satteldach, und einen niederen Oekonomieteil, dessen Scheune und Stall erneuert sind. nach der Inschrift am Türsturz wurde das Haus im Jahre 1707 neu erbaut. Die Inschrift lautet: HB Anno Domini 1707 DB."MEIN IN UND AUSGANG WERDE GELEIT VON HEREN GOT IN EWIGKEIT", Der über dem Keller erhöhte Hauseingang besteht aus einem Holzgewände, über dem ein kleines Oblicht eingelassen ist. Ebenfalls aus Holz sind die Fenstergewände im Untergeschoss, dessen Fenster wahrscheinlich später vergrössert wurden. Im Obergeschoss der Traufseite findet sich neben dem einfachen Fenster über der Türe ein zweiteiliges Fenster in kleineren Dimensionen als jene des Erdgeschosses. Ein Gleiches gilt für die Fenster am Giebel, der hier freisteht. Auf der Rückseite ist dem Haus eine Holzlaube unter Schleppdach angehängt.

Da das Bauernhaus erst 1707 erbaut worden ist, findet es sich auf der Federskizze des Geometers G.Fr. Meyer von 1680 noch nicht. Es gehört somit zu einem Dorfteil der erst im Laufe des 18. Jahrhunderts entstand. Obschon es sich durchaus als ein frühbarockes Bauernhaus zu erkennen gibt, wirken noch gotische Elemente vor allem in den Proportionen und der Fassadengliederung nach. Bereits vom Barock beeinflusst ist die Grösse der Fenster im Erdgeschoss und der Eingang mit dem Oblicht. Der in den hölzernen Sturz eingeritzte Spruch zählt zu den wenigen Haussprüchen, die sich im Baselbiet finden. Das einerseits die gotische Tradition übernehmende und andererseits die barocken Einflüsse verratende Haus weist ausserdem auf die langsame Entwicklung der Bauernhausarchitektur in unserem Kanton, besonders aber in abgelegenen Gebieten hin. Die Verwendung von Holz für Tür- und Fenstergewände wirkt ebenso retardierend, obschon das Oblicht die Aufnahme und Verarbeitung von neuen Elementen beweist. Tatsächlich handelt es sich hier keineswegs um ein Grossbauernhaus barocken Gepräges, sondern um ein Kleinbauernhaus, wie es für das Dorf Reigoldswil typisch war, bevor der durch die Posamenterei erzielte Wohlstand einbrach. Es entstand somit noch vor der Blütezeit der Posamenterie, obgleich die grossen Fenster im Erdgeschoss diese Funktion auch für dieses Haus zum Ausdruck kommen lassen. Das Bauernhaus an der Bretzwilerstrasse ist bereits im Denkmalverzeichnis von Reigoldswil aus dem Jahre 1942 erwähnt und abgebildet. Ausserdem ist es im Inventar der schützenswerten Einzelobjekte des Kantons aus dem Jahre 1950 erwähnt.