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Hof Mayenfels 15

Den barocken Landsitz, der auf einer aussichtsreichen Anhöhe des Dorfes Pratteln liegt, erbaute in den Jahren 1726/27 Johann Rudolf Faesch. Der Architekt oder Baumeister ist nicht bekannt. Faesch war zuerst Oberst in französischen Diensten und später Ratsherr, Oberzunftmeister und Bürgermeister der Stadt Basel. Bereits gegen Ende des Jahres 1726 begann Faesch mit dem Kauf von Grundstücken auf dem sogenannten Maienbühl, so dass daraus vermutet werden kann, dass er im folgenden Jahre mit der Erbauung des Landsitzes begann. Der Zeichner Emanuel Büchel hielt den damals noch bescheidenen Landsitz im Jahre 1735 in einer Zeichnung fest. Das Herrschaftshaus war ursprünglich nur ein dreiachsiges, zweigeschossiges Gebäude unter einem giebelbündigen Mansarddach mit einem Balkon über dem Eingang auf der Talfront. Er glich somit als früher Landsitz im französischen Stil auffallend dem etwa gleichzeitig in Pratteln im Dorf erbauten Lilienhof. Talseits lag eine künstlich aufgeschüttete Aussichtsterrasse, und östlich des Hauptbaus erhoben sich zwei quergestellte, eingeschossige Nebenbauten, ebenfalls unter Mansarddächern und mit Mauern miteinander verbunden. Es handelte sich dabei um die Oekonomie und das Lehenhaus des Pächters. Hinter dem Herrschaftshaus erstreckte sich hangaufwärts von einer hohen Mauer umgeben ein französischer Lustgarten mit einem erhöht liegenden Parterre, das eine halb-kreisförmige Hecke hinter einem Springbrunnen abschloss. Oestlich davon lag der Gemüsegarten und dahinter auf der Anhöhe der Baumgarten. Auf der Südostseite lagen das Rebgelände und auf der Nordwestseite eine Quellfassung mit Mauern und Hecken, eine Baumreihe als Zufahrt und ein Weiher sowie ein Fischteich. Wenig später ist das Herrschaftshaus auf der Westseite erweitert worden.

Nach Faeschs Tode übernahm im Jahre 1762 sein Schwiegersohn, Stadtschreiber Friedrich Forcart-Faesch, das Landgut und vergrösserte es durch zahlreiche Landkäufe. Ausserdem erwarb er nach langen Auseinandersetzungen mit der Gemeinde das Recht, eine eigene Weide zu halten. Der bekannte Isaak Iselin, Forcarts Schwiegersohn, hielt sich oftmals im Sommer zur Erholung auf dem Meienfels auf und beschrieb seinem Freunde, Stadtschreiber Salomon Hirzel in Zürich, die aussichtsreiche Lage seines Aufenthaltsortes. Peter Burckhardt-Forcart, dessen Mutter Marie Burckhardt 1774 der Gemeinde das Schloss Pratteln verkauft hatte, übernahm im Jahre 1775 den Maienfels und vergrösserte ihn bis 1797 durch zahlreiche Landkäufe. Im selben Jahr 1775 liess er das Herrschaftshaus erweitern, indem es beidseits mit zwei Achsen verlängert wurde. Auf das Dach setzte man damals einen Dachreiter mit einer Windfahne und einer Glocke. Terrassen und Garten liess er durch steinerne Balustraden, kunstvoll geschmiedete Gittertore, einen Hofbrunnen und einen Eckpavillon bereichern. Kurz vor 1793 liess er im Löwengrund. ein zweites Lehenhaus mit Oekonomie errichten. Im Jahre 1817 verkauften es die Erben an Ursula Berri, deren Sohn Isaak Berri den Landsitz bereits 1827 an Lukas Burckhardt-Lang veräusserte. Dieser veränderte die talseitige Fassade des Herrschaftshauses im klassizistischen Stil. Nach mehrfachem Besitzerwechsel ging der Landsitz 1911 an Theodor Tanner, der darin ein Knabeninstitut einrichtete und zu diesem Zwecke mehrfach Umbauten vornahm, so dass schliesslich nurmehr der Hauptbau in seinem ursprünglichen Zustand erhalten blieb.

Westlich des Dorfes auf dem steilen Nordhang gelegen, fällt der Landsitz vor allem durch das langgestreckte zweigeschossige Hauptgebäude mit dem giebelbündigen Mansarddach auf. Die talseitige Fassade gliedert sich in einen Rhythmus von zwei-drei-zwei Fensterachsen, so dass die beidseitigen Erweiterungen von 1775 gut erkennbar sind. Die geschosstrennende Gurte wurde bereits 1957 entfernt. Der Zahnschnittfries unter der Dachtraufe, die Fenstersprossung und die Balkone entstanden während einer Renovation von 1828 unter Lukas Burckhardt, weshalb das Wappen der Familie Burckhardt auf dem Geländer zu erkennen ist. Im Dachreiter mit der Jahreszahl 1775 auf der Windfahne hängt eine von Johann Friedrich Weitnauer aus Basel 1775 gegossene Glocke. Die Restseite der Balustrade der Terrasse schliesst ein kunstvoll geschmiedetes Gittertor mit den 1828 hinzugefügten Initialen LB, also Lukas Burckhardt, ab. Ein ähnliches Gittertor befindet sich bei der Einfahrt in den hinteren Hof, in welchem unter der Baumgruppe ein Brunnen mit Obeliskenstock ebenfalls von 1775 steht. Die Hoffassade ist hier, noch im Zustande von 1775 erhalten. Im Innern ist die Treppe in einen separaten Raum eingebaut und bildet daher ein Treppenhaus. Das kunstvolle, schmiedeeiserne Treppengeländer umfasst mit seinem verschlungenen Volutendekor die Initialen des Erbauers JRF und ist ein kunstvolles Werk der Régence um 1726.

Von der Gartenanlage haben sich nurmehr die Umfassungsmauer, einzelne Bäume und ein 1775 errichteter Eckpavillon erhalten. Seit einiger Zeit gehört der Maienfels der Rudolf Steiner-Schule Basel-Landschaft, die hier die Nebengebäude und vor kurzem auch das Hauptgebäude zu Schulzwecken eingerichtet hat. Beim Umbau des Hauptgebäudes, das unter den Denkmalschutz gestellt wird, wurde auch die kunstvolle Treppe restauriert. Es ist vorgesehen, dass die Nebenbauten in einer späteren Etappe entfernt werden, damit das Schloss bzw. der Landsitz wieder besser zur Geltung kommt. Für die Schule soll im Rahmen eines Teilzonenplanes ein neuer Bau entstehen, der auf das Schloss Rücksicht nimmt.

Der Maienfels gehört zu den frühen barocken Landsitzen ausserhalb der Stadt und war deshalb in Bezug auf seine Ausstattung äusserst einfach. Wie bei allen Basler Landsitzen so gehörte auch hier ein Hofgut dazu, das die Herrschaft während ihres Sommeraufenthaltes versorgte. Leider ist vom grossen französischen Garten nichts mehr erhalten geblieben, doch zeugen die Gittertore und der Brunnen von der Grosszügigkeit der Anlage. Ein besonderes Prunkstück ist das Treppengeländer im Innern, da es das einzige in unserer Region aus dieser Zeit ist. Gesamthaft betrachtet ist der Maienfels auch heute noch, trotz der späteren Anbauten und Veränderungen, dank seiner Aussichtslage und seiner schlichtvornehmen Architektur ein wichtiger Blickpunkt in der Umgebung von Pratteln geblieben.

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