Schlossgut 140 - 142 / 146

Das Schlossgut Pfeffingen liegt östlich der Burgruine am Rande des hier steil abfallenden Felsens.

Ursprung des Gutes ist die ehemalige Sennerei der Burg, die in einer Höhle des Südabhangs unterhalb der Burg lag. Noch im 19. Jahrhundert standen dort Gebäude, von denen sich noch spärliche Mauerreste erhalten haben. Vermutlich bereits im 16. Jahrhundert entstand östlich davon der sogenannte Obere Lehenhof, auf dem Plan des Geometers J. Meyer von 1665 im Osten der Burg eingetragen, von Emanuel Büchel 1754 als Lehenhof eingezeichnet. Das Hofgut, von dem noch heute das Herrschaftshaus steht, erfuhr 1792 unter dem Handelsherrn Zimmerlin aus Zofingen einen grosszügigen Ausbau zu einem Landgut, das aus einem neuen Herrschaftsgebäude und den alten Ökonomiegebäuden bestand. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts liess Zimmerlin nach einem Plan von P. Cagnard Richtung Osten eine grossartige englische Gartenanlage, eine der ersten ausserhalb der Stadt Basel, errichten. Nach mehrfachem Besitzerwechsel kaufte 1892 der Bandfabrikant Rudolf Vischer-Burckhardt das Landgut, brach die Wirtschaftsgebäude ab und liess an ihrer Stelle ein neubarockes Herrschaftshaus errichten. Das alte Herrschaftshaus diente als Nordflügel des hufeisenförmigen Ehrenhofes und erhielt einen neuen Treppenturm. Gegenüber entstand als südlicher Abschluss ein Dienstenhaus. Weitere Wirtschaftsgebäude folgten auf der Ostseite des Herrschaftshauses gegen den Hang. lm Jahre 1941 ging das Hofgut an die Stadt Basel, die darin eine Waldschule einrichtete.

Den im Osten durch ein Gitter mit Toreingang abgeschlossenen Ehrenhof flankiert auf der Nordseite das ehemalige Herrschaftshaus aus dem 18. Jahrhundert. Das zweigeschossige Gebäude deckt ein Krüppelwalmdach mit schmalen Dachlukarnen. Den Baukörper fassen gequaderte Ecklisenen ein. Im Westen fügt sich der Treppenturm von 1899 an. Er zeigt ein Steinrelief mit dem Wappen der Wider von Pfeffingen und der Thiersteiner aus dem 19. Jahrhundert. Im Turmeingang befindet sich eine Gussreliefplatte eines Kamins aus der Burg von 1717 mit dem Wappen des Bischofs Johann Konrad von Reinach-Hirzbach. Die Südseite flankiert das Diensten- oder Gärtnerhaus, ein langgestreckter, zweigeschossiger Baukörper unter Krüppelwalmdach. Die Fassadenmitte durchbricht ein flacher Risalit. Die gequaderten Ecklisenen wiederholen das Element des Mittelrisalits und betonen die Ecken des Gebäude.

Das Hauptgebäude erhebt sich als zweigeschossiger Bau über einem erhöhten Kellergeschoss und schliesst in einem gewalmten Dach mit Lukarnen und drei Kaminen ab. Eine zweiläufige Treppe führt zum erhöhten Eingang mit den Wappen Vischer-Burckhardt und der Jahreszahl 1899 im Scheitel. Die sieben Achsen der Hoffront gliedert ein dreiachsiger, vorspringender Mittelrisalit, dessen Achsen durch gequaderte Lisenen getrennt werden. Den krönenden Abschluss bildet ein flacher, ins Dach springender Dreieckgiebel, dessen Mitte ein ovales Fenster mit Rokokostuckornamenten ziert. Die geschosstrennende Quergurte und die Ecklisenen verbinden den Mittelrisalit mit den Seitenachsen. Mit Ausnahme der Kellerfenster sind die Fenster hochrechteckig und schliessen in Stichbögen mit gestelzten Keilsteinen. Auf der Südseite erhebt sich ein Treppenturm, der aber an der Hoffront nicht in Erscheinung tritt. Das herrschaftliche Gepräge des Ehrenhofs und dessen glanzvolle Stimmung erhöht der laufende Brunnen unterhalb der zweiläufigen Treppe.

Die Gartenfront des Herrschaftshauses behält im Wesentlichen die Elemente der Hoffront bei. Einzig der Mittelrisalit verzichtet auf die Achsenteilung durch gequaderte Lisenen. Die zweiläufige Treppe schwingt hier über dem Kellereingang beidseits in den Garten hinein. Der Nordteil des Gartens ist als Parterre terrassenartig abgestuft und durch Treppen verbunden sowie gegen die Mitte durch ein Gittertor mit hohen steinernen Pfosten abgeschlossen. Auf der Südseite steht ein kleines Gebäude unter Krüppelwalmdach mit offener Halle gegen Westen. Es stammt wie das Herrschaftshaus und das Gärtnerhaus aus dem Jahre 1899 und zeigt ebenfalls gequaderte Ecklisenen und einen das Dach durchbrechenden Dreieckgiebel. Von der englischen Gartenanlage haben sich einzelne Baumgruppen und Terrassierungen sowie geschwungene Wege und kleine Plätze erhalten. Gegen den Felsabhang im Osten erhielt sich ferner der Aussichtspavillon.

Die hufeisenförmige Anlage der Gebäude, um einen Ehrenhof gruppiert, entspricht den Anlagen der französischen Herrschaftssitze des 18. Jahrhunderts. Sie wurde in Basel im 18. Jahrhundert in der Sandgrube, im Blauen und Weissen Haus am Rheinsprung und an anderen Orten ebenfalls angewandt, erlebt aber hier am Ende des 19. Jahrhunderts jene Pracht und Ausformung, die im 18. Jahrhundert in den engen Verhältnissen der Stadt nicht möglich war. Eine neue Gesinnung, jene des Grossbürgertums des 19. Jahrhunderts, kommt hier zum Ausdruck. Die Vornehmheit und die schlichte Gestaltung entsprechen altbaslerischer Tradition. Bauherr und Architekt bürgten für eine wohl stattliche, aber nicht protzende Anlage. Jahrhundertealte Tradition bewährte sich hier besonders im Blick auf französische Vorbilder. Der Architekt Fritz Stehlin strebte bei der Lösung neuer Bauten eine Idealisierung und Typisierung der Architekturelemente des französischen Barocks an. In Basel gelang ihm dies beim Bau der Musikschule, dem De-Wette-Schulhaus, beim Lichtenfelserhof und bei der Villa Vischer. Seine Anlehnung an den französischen Barock entsprang nicht nur einer tief verwurzelten Tradition, sie war auch den Basler Bauherren durchaus konform. Ausserdem entsprach sie der Entwicklung des Spätklassizismus, der in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts und vorweg gegen das Ende des 19. Jahrhunderts für Bauten dieser Art den Neubarock einbezog und auf diese Weise im barocken Gewande die Jahrhundertwende überlebte. Klassizistische Elemente und Tendenzen sind daher auch im Detail durchaus selbstverständlich, doch nicht mehr im Stile des Biedermeiers, sondern in jenem des französischen Barock-Klassizismus. Aus diesem Grunde bildet auch das in die Anlage einbezogene Herrschaftshaus aus dem 18. Jahrhundert keineswegs ein Fremdkörper, sondern versinnbildlicht augenfällig das für die übrigen Bauten massgebende Vorbild. Alle diese Elemente, die vortreffliche Gestaltung der Anlage, ihre Einbettung in die parkähnliche Landschaft und der gute Erhaltungszustand machen das Schlossgut Pfeffingen zu einer der besten Leistungen der Architektur des Neubarocks am Ende des 19. Jahrhunderts in der Umgebung Basels.