Herrengasse 37, Kachelofen

In der Wohnstube im 1. Obergeschoss steht der Kachelofen mit zweifacher Ofenbank. Auf dem hölzernen Ofenfuss erhebt sich der Kastenofen. Die Ofenwände sind mit grünglasierten Füllkacheln verkleidet, der untere wie der obere Abschluss mit Zierkacheln geschmückt. Diese Kacheln sind in der Technik der Fayencemalerei bemalt und zeigen stilisierte Blumengirlanden, die von Amphore zu Amphore reichen. Die Amphoren, gefüllt mit verschiedenen Früchten, stehen wiederum auf kleinen Sockel, welche Sinnsprüche zieren. Stellvertretend seien hier einige zitiert:

Liebe und Frieden vor allem aus / sind das Glük für jedes Haus", "Bey Arbeit Mädchen Freunden und Wein / soll man froh und friedlich sein". " Dort oben sit das herrliche Land! / Wo kein Vorrecht mehr hat die Oberhand ", usw.

Das Warmhaltefach ist geschlossen mit einem Türchen aus Messing, der Verschluss ist als "Händchen", einen Stab haltend, ausgebildet.
In Auftrag gegeben hat dieser Ofen gemäss Inschrift "Johan Jakob Gass / geboren 1801 / Elisabeth Gass geb. / Tschudy geb: 1802 / 1850".
Der Auftragnehmer wird ebenfalls genannt, es ist dies "Johan Andres, aelters Hafner: meistr in Aarau 1850".
Die Aarauer Hafnerfamilie Andres war weit herum bekannt für die qualitätsvollen Öfen. Sie haben das ganze Mittelland mit Stubenöfen beliefert.

Diese Aarauer Öfen sind bei uns in erster Linie im südöstlichen Kantonsteil anzutreffen; während im unteren Kantonsteil eher die sog. Sundgauer Öfen mit den patronierten Nelkenmustern aus dem angrenzenden Sundgau beliebt waren.

Interessant ist der Umstand, dass trotz der stark typisierten Ofenkacheln jeder Auftraggeber offenbar die Möglichkeit hatte, eine persönliche Auswahl unter den angebotenen Sinnsprüchen zu wählen. Während hier in Oltingen das ländliche Leben und der häusliche Frieden dominieren, steht beispielsweise bei einem weiteren Aarauer Ofen in Oltingen das vaterländische Gedankengut im Vordergrund.

Der Stubenofen aus der Aarauer Werkstatt ist vollständig und weitgehend unbeschädigt erhalten geblieben. Vereinzelt haben sich im Kanton vergleichbare Öfen in Oltingen und Hemmiken erhalten, der Grossteil der Hafnerkunst des 19. Jahrhunderts ist jedoch zerstört oder als Museumsgut in ein Depot aufgenommen worden. Der Oltinger Ofen, am ursprünglichen Standort, verdient aufgrund seines grossen, kulturhistorischen Aussagewertes und der kunsthandwerklichen Bedeutung die Aufnahme in das Inventar der geschützten Kulturdenkmäler.