Hauptstrasse 16

Die untere Mühle von Oltingen liegt im unteren Teil der Mühlegasse mitten im Ortskern von Oltingen. Sie entstand viel später als die obere Mühle, die bereits im Jahre 1218 erwähnt wird. Begreiflicherweise wehrte sich der Besitzer der oberen Mühle dagegen, doch kam es schliesslich trotz erbittertem Widerstand zum Bau der unteren Mühle im Jahre 1597. Erbauer war vermutlich Hans Gass von Oltingen, der sie 1650 dem Untervogt Baschin Gass verkaufte. Dieser richtete die Mühle neu ein und vergrösserte das Gebäude. Im Jahre 1682 wird Baschin Gysin als Niedermüller erwähnt. Er änderte die Bewirtschaftung und wollte darin eine Wirtschaft auftun. Einer seiner Nachkommen renovierte 1822 die untere Mühle. Mit der Zeit wurde der Mühlebetrieb eingestellt und das Gebäude vernachlässigt. Im 20. Jahrhundert liess ein Streit um das Wasserrecht zwischen oberer und unterer Mühle die Geschichte der beiden Mühlen in Oltingen wieder aufleben. Inzwischen wurde die untere Mühle von einem Liebhaber gekauft und 1973 - 75 renoviert.

Die untere Mühle ist ein dreigeschossiges Gebäude unter Satteldach. Als Eckhaus ist ihn ein weiteres Gebäude angebaut. Hinter dem Haus fliesst die Ergolz durch, die einst die in einem erneuerten Anbau am Giebel angebrachten Mühleräder betrieb. Im Erdgeschoss befand sich ursprünglich die Mühle. Aus diesem Grunde ist dieses bedeutend höher als die übrigen Geschosse und besitzt zwischen den zwei vergitterten Fenstern einen rundbogigen, breiten Eingang. Diesen schliesst ein grosser Schlussstein mit dem Baudatum 1597 und der Jahreszahl 1822, welches an die Renovation erinnert. Das Mühlerad und die Initialen H G- weisen auf Heinrich Gass, der die Mühle damals renovierte.

In den übrigen Geschossen sind die Fenster später erneuert worden und unregelmässig angeordnet. So finden sich im ersten Stock drei und im zweiten Stock vier Fenster.

Im Innern haben sich in der Stube des ersten Stocks ein Kachelofen mit der Jahreszahl 1841 und eine Wandschranktüre mit der Jahreszahl 1674 erhalten. Diese Wandschranktüre ist ausserordentlich reich geschnitzt, mit geschuppten Pilastern, Gesimsverdachungen und anderen Ornamenten verziert. Während das Haus aussen relativ einfach ist und nunmehr durch sein hohes Sockelgeschoss an die Mühle erinnert, beweist diese reiche Wandschranktüre die Bedeutung dieses ehemaligen Gewerbebetriebes. Dass das Dorf Oltingen zwei Mühlen besass, ist nicht selbstverständlich, doch zeugen diese von der wirtschaftlichen Bedeutung des Dorfes in jener Zeit.