Hauptstrasse 15

Das alte Bauernhaus steht im unteren Dorfteil und ist an die ehemalige Untere Mühle angebaut. Auf der Federskizze des Dorfes Oltingen des Geometers Georg Friedrich Meyer aus dem Jahre 1680 stand hier ein Haus mit einem Treppengiebel, das auch von Emanuel Büchel 1756 festgehalten worden ist. Die Untersuchung des Hauses zeigt, dass der obere Giebel der Unteren Mühle ursprünglich freistand, d.h. dass das Haus Nr. 15 anstelle eines Ökonomiegebäudes errichtet worden ist. Vermutlich ist somit dieses einst mit Treppengiebeln ausgezeichnete Haus erst zu Beginn des 17. Jahrhunderts erbaut worden. Zwar zeichnete G. Fr. Meyer auf der Rückseite dieses Hauses ebenfalls ein Mühlerad ein, doch gehörte das Haus nicht zur Mühle. Es ist allerdings durchaus möglich, dass der Besitzer der Unteren Mühle, die 1593 erbaut worden ist, sich dieses stattliche Haus erbauen liess. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts erfuhr das Haus eine Veränderung an der Fassade, indem neue grössere Fenster eingebrochen worden sind. Später entstanden auf der Giebelseite kleine Schopfanbauten mit Lauben unter Pultdächern.

Das stattliche dreigeschossige Haus wird von einem steilen Satteldach bedeckt. Im Erdgeschoss befinden sich die ehemalige Scheune mit dem Stall und daneben der ebenerdige Keller. Auf der Giebelseite führt eine Laubentreppe zum Eingang ins Obergeschoss, dessen Wohnteil mit hochrechteckigen Fenstern an der Strassenfassade erkennbar ist. Auch im obersten Geschoss finden sich die gleichen Fenster. Im freistehenden Südgiebel sind im obersten Geschoss und im Dachgeschoss nur schmale Fensteröffnungen zu erkennen. Besonders eigenartig ist das oberste Giebeldreieck, denn hier ist ein steinernes Gesims durchgezogen, über dem sich eine grosse und zwei kleine Öffnungen befinden. Derartige Giebeldreiecke sind in Oltingen an mehreren Häusern aus jener Zeit zu finden, hingegen kennt man sie weder in den übrigen Baselbieter Dörfern noch in anderen Kantonen. Die Funktion dieser Giebelgesimse ist nicht bekannt, doch darf vermutet werden, dass diese Giebeldreiecke als Taubenschläge dienten. Diese Interpretation wird erhärtet durch die Tatsache, dass sich in einigen Häusern noch Spuren von Taubenschlägen auf dem Estrich finden. Eigenartig hingegen ist, dass diese Art von Taubenschlägen in den Giebeldreiecken nur in Oltingen vorkommen. Das in seinem Gesamtcharakter spätgotisches Haus nimmt zusammen mit der Unteren Mühle nicht zuletzt wegen dieses Giebels eine dominierende Stellung im Dorf ein und zeugt von der Blütezeit des Dorfes Oltingen im 16. und 17. Jahrhundert.