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Hauptstrasse 5

Am südlichen Dorfausgang, an leicht erhöhter Lage, erbaute sich der Uhrenfabrikant Albert Buser-Weber im Jahre 1907 ein herrschaftliches Zweifamilienhaus.

Über einem bossierten Sockelgeschoss mit Kaffgesimse erhebt sich das zweigeschossige Haus mit ausgebautem Krüppelwalmdach. Aus dem Baukörper herauskragend befindet sich auf der Ostseite ein mehrgeschossiger Anbau mit Krüppelwalmdach; auf der rückwärtigen Gartenfassade ein zu einem späteren Zeitpunkt erstellter, zweigeschossiger Anbau mit Dachterrasse. Die Fassaden werden gerahmt von bossierten, lagenweise versetzten Eckquadern und einem durchlaufenden Kaffgesims, welches den Dachgeschossbereich von der übrigen Fassadenfläche trennt.

Die formale Vielfalt der Fensteröffnungen umfasst eine gestaffelte Fenstergruppe und Fenster mit geradem Sturz im ersten Obergeschoss, Segmentbogenfenster im Erdgeschoss sowie Occuli und halbrunde Lichter im Dachgeschoss. Damit wird die breite Rezeption von stilistischen Vorbildern der Gotik, der Renaissance und des Barocks deutlich. Diese Grundhaltung des Nebeneinanderstellens von verschiedenen Stilstufen an einem Gebäude ist charakteristisch für den Historismus des 19. Jahrhunderts. Die Einheitlichkeit wird erreicht durch die gleichmässige Gestaltung der Fenstergewände mit den auffallenden Ohren.

Die kunstreiche Grundhaltung bei der Fassadengestaltung wird im Innern fortgesetzt. Die Villa Stephani zeigt beispielhaft das ganze Spektrum der Dekorationsmalerei, wie sie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in den bürgerlichen Villen angebracht wurde. Dazu gehört neben der eigentlichen Illusionsmalerei auch die malerische Imitation von Materialien wie Marmor, Holz und Textilien.

Im Entrée befindet sich, über graublauen Originalkacheln, eine stimmungsvolle Dekorationsmalerei, die sowohl die Wände wie die Decke mit Hohlkehle umfasst: Ein Gartenspalier wird umrankt von Flieder-, Iris- , Astern- und Rosenstauden. Exotische Vögel beleben das Buschwerk, schwingen sich in den luftigen Himmelsraum der Decke und runden die Illusion einer Gartenlandschaft ab. Der hier anklingende orientalische Stil war seit der Weltausstellung in London im Jahre 1862 bekannt und fand hauptsächlich im Kunstgewerbe grosse Verbreitung.

Das Treppenhaus weist als künstlerischen Schmuck kunstvoll marmorierte Wandflächen in Braun- und Grautönen auf, abgeschlossen durch ein Dekorationsband mit Mohnblumenmotiven sowie ein in Schablonentechnik ausgeführtes Glockenblumenfries. Im 1. Obergeschoss befinden sich traditionell die Repräsentationsräume, die aufwendiger gestaltet wurden: Die Deckenspiegel sind geschmückt mit farbig gefassten Gipsapplikationen mit Blumen- und Rankenmotiven sowie in den Eckzirkeln mit gemalten

Blumenbouquets kombiniert mit Stimmungslandschaften. Auf der Veranda entwarf der Waldenburger Kunstmaler Wilhelm Kaiser eine grossartige Landschaftsdarstellung, die ein Motiv aus der Innerschweiz - Iseltwald am Brienzersee - zeigt. Ergänzt wird die künstlerische Wohnausstattung durch qualitätsvolle Türen und Brusttäfer in der Stilstufe des Jugendstils.

Die Fabrikantenvilla befindet sich in einem heute weitgehend intakten Landschaftsgarten mit einem gekiesten Wegsystem, mit einer Weiheranlage auf der Strassenseite und altem Baumbestand, der den repräsentativen Charakter des Hauses steigert.

Die im historisierenden Stil errichtete herrschaftliche Villa des Uhrenfabrikanten Albert Buser-Weber ist ein hervorragendes Zeugnis der bürgerlichen Wohnkultur auf dem Lande. An erhöhter Lage, gegenüber der eigenen Uhrenfabrik am Ufer der Vorderen Frenke, hat sich der Fabrikant ein Anwesen erbaut, das die Bedeutung und das Ansehen des Uhrenindustriellen verdeutlicht und im äusseren Ortsbild prominent in Erscheinung tritt.

Besonders hervorzuheben ist die bis heute vollständige Erhaltung des Landschaftgartens, die originale Bausubstanz und die reiche Innenaustattung, die durch keine späteren Eingriffe nachhaltig zerstört oder verändert wurde.

Der integrale Erhaltungszustand von Wohnhaus, Ausstattung und Landschaftsgarten, der hohe typologische und kulturgeschichtliche Wert des Wohnhauses sowie die Bedeutung des Erbauers und Eigentümers Albert Buser-Weber für die Geschichte der Uhrenindustrie im Waldenburgertal sind ausschlaggebend für die Aufnahme des Objektes in das kantonale Inventar geschützter Kulturdenkmäler.

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