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Rheinstrasse 18

Am 7. Mai 1961 ist die Bruder Klaus Kirche in Liestal feierlich eingeweiht worden. Der Neubau ist ein Werk des Zürcher Architekten Fritz Metzger (1898 - 1973), der in der Fachwelt als einer der bedeutendsten Kirchenarchitekten des 20. Jahrhunderts in Europa gilt. Die römisch-katholische Kirchgemeinde hatte 1956 einen Wettbewerb ausgeschrieben, nachdem entschieden worden ist, die neugotische Kirche von Benedikt Stehle zu ersetzen. Der Neubau befindet sich wie sein Vorgängerbau von der Rheinstrasse deutlich zurückgesetzt. Eine hohe Mauer mit zwei Eingangstoren schliesst den Kirchhof von der stark befahrenen Rheinstrasse ab und stimmt den Besucher auf das Gotteshaus ein.

Der Kirchhof wird von zwei Stehlampen beleuchtet, und eine Bank lädt zum Verweilen ein. Drei Stufen führen den Besucher zum Hauptportal. Die Eingangsfront der Kirche wird von einem weit vorrragenden segmentförmigen Betondach überdeckt, das mit zwei Pfeilern abgestützt wird. Die Ecken des Vordaches wie die Überdachung der beiden Kirchhofeingänge sind leicht nach oben gebogen und vermitteln dadurch eine Leichtigkeit und Eleganz, die an asiatische Dachformen erinnert. Während das Hauptportal direkt in den Kirchenraum führt, lenken die beiden Seitenportale den Besucher in einen kleinen Vorraum, bevor der offene Kirchenraum betreten wird.

Der über einem quadratischen Grundriss errichtete Kircheninnenraum wird von einem zweiten, ovalen Körper überhöht, der im Äussern als Oblicht in Erscheinung tritt. Das abschliessende ovale Dach scheint über dem Innenraum zu schweben und wird von vier schrägen Pfeilern abgestützt. Das Oblicht ist mit Glasbildern der Stanser Künstlerin Verena de Nève-Stöcklin gestaltet. Sie zeigen in einer stark rhythmischen Abfolge Engelsgestalten in abstrakter Formgebung. Der mit dunklem Marmor belegte Boden des Kircheninnenraumes neigt sich gegen Osten leicht nach unten und führt den Besucher zum Chor. Dieser wird gegen Osten durch ein mächtig aufragendes, freistehendes, konkav geformtes Wandschild ausgezeichnet, in welches fünf Figurennischen eingelassen sind. In unregelmässiger Folge sind hier von links nach rechts in lebensgrossen Figuren aus Zement Bruder Klaus, die Hl. Katharina mit einer männlichen Figur, Christus am Kreuz sowie Maria und Petrus begleitet von einer weiblichen Figur dargestellt. Diese Figuren stammen von August Bläsi aus Luzern. Vor dem Wandschild befindet sich das erhöhte Halbrund des Chores. Am südlichen Rand steht aus massivem dunklem Marmor der Taufstein, rechts ein Altartisch mit dem Tabernakel aus Bronze.

In der Mitte, nochmals durch ein Podest erhöht, steht der helle Altar und Ambo. Der Chorbereich wird zusätzlich durch schmale Lichtöffnungen auf der nördlichen Seite erhellt. Hier befindet sich auch der Seiteneingang. Dem Chorrund antworten die konzentrisch angeordneten Sitzbänke aus Holz. Mit der nahen Anbindung der Gläubigen an den Chor und an das Altargeschehen wird ein Anliegen der liturgischen Bewegung umgesetzt. Die Wände des Kircheninnenraumes sind verputzt und hell gestrichen. An den Seitenwänden befindet sich ein Bilderzyklus in der Form von sieben Triptychen, der die Passion Christi sowie das Leben des Heiligen Bruder Klaus darstellt. Auch diese sind ein Werk der Künstlerin Verena de Nève-Stöcklin. Der Kircheninnenraum wird neben dem zentralen Oblicht durch einfache Kerzen erhellt, die auf schmalen Wandkonsolen entlang der Seitenwände montiert sind. In der Südwestecke des Kirchenraumes befindet sich die Marienkapelle, erleuchtet durch schmale Lichtöffnungen mit Darstellungen der Schöpfung Gottes, gestiftet von der evangelischen Kirchgemeinde Liestal. Auf der Rückseite dieser Marienkapelle wie auf der gegenüberliegenden Nordwestecke befinden sich die Beichtkammern. Auf der in den Innenraum weit hineinragenden Empore im Westen befindet sich die Orgel, deren Prospekte in einzelne Gruppen aufgeteilt und so gestellt sind, dass die grossen, farbig gestalteten Fensteröffnungen ihr Licht in den Raum schicken können.

Das Kirchenareal ist von weitem sichtbar durch den frei stehenden, nach oben sich verjüngenden Glockenturm an der Südwestecke des Kirchhofes. Der Glockenturm wie die Wände des Kirchhofes sind schalungsroh belassen und geschlemmt, im Gegensatz zum aussen verputzen Kirchenbau. Der Glockenturm wird bekrönt mit einem einfachen Metallkreuz. Auf zwei Seiten ist eine Uhr angebracht, deren Zifferblatt über die Flucht des Glockenturms hinausgreift. Die Schallöffnung ist vertikal in der ganzen Länge des Glockenturmes eingelassen.

In Zusammenarbeit mit der Kantonalen Denkmalpflege ist die Akustik durch den Einbau eines Holzbodens deutlich verbessert worden. Dank dieser Massnahme konnte die Qualität des Kirchenraumes und insbesondere die bedeutende Lichtregie erhalten bleiben.

Innerhalb des Werkes von Fritz Metzger nimmt die Bruder Klaus Kirche in Liestal eine bedeutende Stellung ein. Mit dem Abrücken vom Längsgrundriss gelingt es, die Gläubigen näher an den Altar zu rücken und die Forderung der liturgischen Bewegung nach tätiger Teilnahme der Gläubigen am Gottesdienst zu erfüllen. Fritz Metzger gelingt es auf überzeugende Art, für den heutigen Menschen einen sakralen Raum zu schaffen, der trotz der abschirmenden Haltung gegenüber der Aussenwelt offen und hell ist und den Gläubigen einlädt, sich vom Alltäglichen zu lösen.

Die Bruder Klaus Kirche gehört zusammen mit der Bruder Klaus Kirche von Hermann Baur in Birsfelden und der reformierten Kirche von Ernst Gisel in Reinach zu den grossartigen Kirchenschöpfungen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in unserem Kanton. Alle drei Kirchenbauten haben für die ganze Schweiz eine wegweisende Bedeutung. Die Bruder Klaus Kirche von Fritz Metzger in Liestal ist als wertvoller kulturgeschichtlicher Zeuge in das kantonale Inventar der geschützten Kulturdenkmäler aufzunehmen.

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