Hauptstrasse 17 / 17a

Am nördlichen Dorfeingang von Hölstein, auf der linken Strassenseite befindet sich der Gasthof "Rössli" mit Schopfgebäude.

Aus dem Plan von G. F. Meyer zu Hölstein geht hervor, dass der Gasthof mit mehreren Vielzweckbauten nach 1680 erbaut worden sein muss. Der markante Bau am historischen Verkehrsweg über den oberen Hauenstein bildete schon damals zusammen mit dem schräg gegenüber liegenden Neuhaus, im Jahre 1671 erbaut, eine eindrückliche, ortsbildprägende Baugruppe.

Der Gasthof "Rössli"

Laut Befunden ist der Gasthof nach 1680 vom Liestaler Steinmetz Martin Keigel für Johann Merian erbaut worden. Der Vater Merians, Eusebius Merian aus Liestal, hatte bereits 1671 das Neuhaus aus "Stein" vom selben Steinmetzen errichten lassen.

Das prächtige, originale Wirtshausschild mit springendem Pferd schmückt noch heute die Hauptfassade. Das "Rössli" diente in seiner mehrhundertjährigen Geschichte als Pferdepoststation, als Unterkunft für Reisende, als zentrales Wirtshaus für das Dorf und als Billettverkaufstelle für die Waldenburgerbahn.

Der dreigeschossige Baukörper mit leicht geschwungenem Satteldach steht traufständig zur ehemaligen "Talstrasse". Die Fensteröffnungen aller Fassaden widerspiegeln die mehrhundertjährige Baugeschichte: spätgotisch gefaste Lichter auf den Giebelseiten, barocke Fensterkreuze und grösser dimensionierte Fenster aus dem 19. und 20. Jahrhundert beleben die Fassaden.

Das strassenseitige Eingangsportal ist mit Stichbogensturz und Schlussstein versehen. Die Türöffnung wird geschlossen von einer schönen Eichentüre mit gestemmten Füllungen und Oberlicht. Bis heute haben sich die originalen Beschläge aus Messing mit Löwen verziert erhalten. Die Türe führt in den Quergang, von dem die einzelnen Räumlichkeiten und die Obergeschosse erschlossen werden. Links neben dem Eingang führt eine Stichbogentüre zum ebenerdigen Kellergewölbe. Ein zweiter Eingang auf der nördlichen Giebelseite weist mit Rundbogen auf die Erbauungszeit hin, die Eichentüre mit Holznägeln hat sich bis heute erhalten.

Im Laufe des 18. Jahrhunderts ist das Gebäudeinnere im zeitgemässen Stil umgebaut worden. Die einläufige Eichentreppe mit geschnitztem Antrittspfposten und Barockbalustern zeugt noch heute von diesem Umbau.

Nach 1900 ist das Erdgeschoss als rustifiziertes Sockelgeschoss mit vorgeblendeten Steinbahnen aus Zement ausgebildet worden. Gleichzeitig sind die Giebelseiten mit einem Giebelbogen, der sog. "Berner Ründi" verschalt worden, die den damaligen Stilgeschmack vortrefflich anzeigt.

Der im Jahre 1900 erbaute Festsaal an der Nordostecke machte das "Rössli" zum Mittel- und Treffpunkt des Dorfes. Der nach seiner Deckenmalereien (blauer Grund mit Sonne, Mond und Sternen) benannte "Himmelsaal" gehört zu den wenigen, vollständig erhaltenen Festsälen des Jugendstils. Er geht wohl auf einen Entwurf des Basler Architekten Jakob Tschopp zurück.

Der in der Fachwerkkonstruktion erbaute Saal ist bis heute weitgehend unverändert erhalten geblieben. Zu nennen sind hierbei die originalen Fenster mit feingliedriger Sprossierung. Besonders hervorzuheben ist die Balkendecke mit den geschnitzten, geschweiften Konsolen, die durchgängige Wandverkleidung, der im Fischgratmuster verlegte originale Parkettboden sowie die Kugellampen usw. Auf der Ostseite befindet sich das gewölbte, leicht erhöhte Podest für die Musikkapelle.

Neben der vollständig erhaltenen Gaststube auf der Strassenseite des Erdgeschosses mit Wandvertäfelung und Wandbänken und einer aufwendigen Kassettendecke ausgestattet, ist auf den hohen kulturgeschichtlichen Wert verschiedener Ausstattungsgegenstände hinzuweisen: verschiedene Türschlösser und Türbeschläge aus dem 18. und 19. Jahrhundert (Renaissance-Türschloss, handgeschmiedete Schlangenbänder und Schippenbänder, Kastenschlösser mit Drücker, Glassprossentüren aus dem Biedermeier, historische Boden-Tonplatten usw.)

Das Schopfgebäude
Das östlich vom Gasthof stehende Schopfgebäude ist der letzte Zeuge einer Gruppe von Ökonomiebauten unterschiedlicher Nutzung, welche die Betriebsgrösse und Bedeutung des Gasthofes als Zwischenstation an der Passstrasse über den oberen Hauenstein widerspiegeln. Das Schopfgebäude ist typologisch den seltenen Vielzweckbauten des Transportgewerbes zuzuordnen. Hier wurden die Pferde und Wagen der Gäste vom Gasthof "Rössli" eingestellt. Im Obergeschoss war der Heuraum bzw. der Lagerraum für das entsprechende Futter. Die Traufseite repräsentiert diese Funktion des Schopfgebäude auf eindrückliche Weise.

Das breite Rundbogentor, flankiert von je einem spätgotischen, vergitterten Stallfenster, erlaubt die bequeme  Einfahrt. Die vergitterten Fensteröffnungen belegen den grossen Wert der hier untergebrachten Tiere und Wagen. Der hohe Dachraum des steilen Satteldaches ist durch eine zusätzliche Aufzugsöffnung mit hölzernen Gewänden und Stichbogensturz erschlossen.

Dendrochronologische Untersuchungen belegen, dass das Schopfgebäude im Herbst / Winter 1671 / 72 erbaut worden war. Die Übereinstimmung dieses Datums mit der Erbauungszeit des "Neuhaus" auf der gegenüberliegenden Strassenseite legt die Vermutung nahe, dass das Schopfgebäude von Eusebius Merian erbaut worden ist.

Der Bau in Bruchsteinmauerwerk ausgeführt und mit steilem Satteldach, repräsentiert die im 17. Jahrhundert in den Dörfern unseres Kantons übliche Bauweise. Aus Kalksteinen sind die Gewände der Stallfenster und des rundbogigen Einfahrttores. Die über dem Scheitel des Tores angebrachte, hochrechteckige Öffnung zur Heubühne ist mit Kanthölzern gefasst. Die Dachkonstruktion besteht aus einem stehenden und liegenden Stuhl. Im Erdgeschoss ist der Dachaufbau abgestützt durch eine eichene, sorgfältig bearbeitete Stütze. Im Juli 1998 stürzte das baufällige Dach ein. Unter Anleitung der Denkmalpflege wird das Schopfgebäude wieder aufgebaut und einer neuen Nutzung zugeführt.

Der ins 17. Jahrhundert zurückgehende Gasthof mit dem einzigen, erhaltenen Schopfgebäude gehört als einer der ältesten Gasthöfe des Waldenburgertales zu den prominenten, geschichtsbildenden Bauten von Hölstein. Die grosse ortsbildnerische Qualität, die dem Ensemble von Gasthof und Schopfgebäude zusammen mit dem ebenfalls geschützten Neuhaus zukommt, umfasst aus historischer Sicht in erster Linie den Umstand, dass hier sich der Charakter der Baselbieter Siedlungen mit ihren freistehenden, noch nicht zu Zeilen zusammengewachsenen Bauten bis heute erhalten hat. Die Kulturdenkmäler Gasthof und Schopfgebäude haben bis heute keine einschneidenden baulichen Veränderungen erfahren, so dass die mehrhundertjährige Geschichte sich sowohl in der Grundrissstruktur wie bei der Ausstattung deutlich manifestiert. Voruntersuchungen der Kantonalen Denkmalpflege haben ergeben, dass an einigen Stellen mit älteren, heute überstrichenen Wandmalereien zu rechnen ist. In vielfältiger Hinsicht sind der Gasthof "Rössli" und das Schopfgebäude lebendige, einzigartige Zeugen für die Geschichtsschreibung von historischen Verkehrswegen, ländlicher Architektur, Kunsthandwerk und Holzbaukunst. Die historische und typologische Bedeutung des ehemaligen hochfrequentierten Etappenortes am Verkehrsweg über den Hauenstein dokumentieren der Gasthof und das Schopfgebäude auf baulich attraktive Art und Weise.