Dorfstrasse 10

Der Gasthof zum Ochsen liegt im Oberdorf unterhalb der Kirche im ältesten Dorfteil von Bennwil.

Das Haus selbst besteht aus zwei Teilen. Der ältere Teil ist ein schmaler, zweigeschossiger Bau mit steilem Satteldach. Die wenigen stichbogigen Oeffnungen der Fenster und Türen lassen vermuten, dass das Haus noch im 18. Jahrhundert erbaut worden ist. Der südliche Teil davon ist später als Restaurant verändert und umgebaut worden. Hier dürfte sich auch die einst zum Gasthof gehörende Oekonomie befunden haben. Der zweite Teil des Hauses entstand um 1900 gegen den Bach hin als Anbau in Fachwerkkonstruktion. Dabei handelt es sich nicht mehr um das Fachwerk alter Art, sondern um das rein konstruktiv zusammengesetzte Fachwerk, wie es gegen Ende des 19. Jahrhunderts bei Hotel- oder Restaurantbauten üblich war. Auch hier verbirgt sich hinter dem Fachwerkbau ein Saal, der noch heute verwendet wird. Die Geschichte der Saalbauten ist noch nicht geschrieben, doch ist hier darauf hinzuweisen, dass im Laufe des 19. Jahrhunderts in zahlreichen Dörfern an bestehende Gasthöfe Saalbauten angehängt worden sind. Diese Saalbauten waren ein wesentlicher Bestandteil des dörflichen Lebens, vorwegs des Vereinslebens. Sie hatten damals die Funktion, die heute den Mehrzweckhallen in den Dörfern zukommt. Zum Vereinsleben, den patriotischen Feiern und festlichen Anlässen passte auch der Fachwerkstil, der gegen Ende des 19. Jahrhunderts als Schweizerstil beliebt war. So lässt sich demnach die Verwendung des Fachwerks für diesen Saalanbau am Ochsen in Bennwil einzig durch die Funktion des Baus erklären, denn das Fachwerk war früher in diesen Dörfern nicht bekannt und ist auch noch heute eigenartig. Somit verkörpert der Saalanbau hier ein Stück Dorfkultur der Jahrhundertwende.