Röm.-kath. Pfarrkirche St. Joseph, Obere Kirchgasse 17

 Das in Pfeffingen kirchengenössige Aesch besass seit dem 17. Jahrhundert eine von der Familie von Blarer von Wartensee gestiftete und 1672 geweihte Josephskapelle. Die bischöfliche Erlaubnis, darin Messen zu lesen, erfolgte jedoch erst im Jahre 1755. Nach einer Zeichnung von Emanuel Büchel aus dieser Zeit lag die geostete Kapelle westlich des Schlosses und besass einen eingezogenen, polygonal schliessenden Chor sowie einen Dachreiter mit welscher Haube auf dem Langhaus.

Nach der Trennung von der Pfarrei Pfeffingen im Jahre 1803 genügte die Kapelle nicht mehr, weshalb die Gemeinde von 1816 an einen Neubau ins Auge fasste, diesen aber erst in den Jahren 1819/20 nach Plänen des Basler Baumeisters Hans Georg Stehlin erbauen liess. Die Innenausstattung der Kirche erfolgte erst einige Jahre später. Die Kirchenstühle stammten aus der abgebrochenen Pfarrkirche von Arlesheim. Aus dem Jahre 1836 datiert die noch vorhandene Orgel der Gebrüder Xaver und Konrad Bloch aus Aesch. Ein Jahr später erhielt der Stukkator Jodok Friedrich Wilhelm den Auftrag, die drei Altäre, die Kanzel, die Stationen die Orgel. und die Empore neu zu fassen und einen neuen Taufstein zu schaffen. Schliesslich fand erst am 7. September 1841 die Einweihung der Josephs-Kirche in Aesch durch Bischof Joseph Anton Salzmann statt. Eine erste Innenrenovation erlebte die Kirche in den Jahren 1906/07, als das Innere neuromanisch ausgemalt und mit einer entsprechenden Ausstattung versehen wurde. Diese wurde anlässlich eines Umbaus der Kirche nach Plänen von Alban Gerster in den Jahren 1938/39 entfernt. Gleichzeitig verlängerte man im Innern das Langhaus auf Kosten des Chores und verbreiterte das Schiff durch einen Seitenschiffanbau im Westen. Aussen entstanden auf der Westseite ausser dem Seitenschiff neben. dem Chor eine zweigeschossige Sakristei und neben dem Turm ein Treppenhaus für den Emporenaufgang.

Für die neue Ausstattung wurden qualifizierte Künstler herbeigezogen. Albert Schilling aus Arlesheim schuf eine Plastik und den Tabernakel mit dem grossen Kreuz aus Bronze. Hans Stocker aus Basel bemalte 1942 die Chorwand mit einem grossen Fresko, das Christi Himmelfahrt darstellt, und malte auf den Seitenwänden neue Kreuzwegstationen. Jacques Dublin aus Oberwil schuf bunte Glasgemälde für die Chor- und Schiffsfenster.

In den Jahren 1972/73 erfuhr die Kirche eine Gesamtrestaurierung unter der Leitung von Architekt Oswald Segginger mit Beratung der kantonalen Denkmalpflege. Im Aeussern wurde wenig verändert. Der Verputz wurde erneuert und das Steinwerk überarbeitet und teilweise ausgeflickt. Zwei Chorfenster und eine Seitentüre wurden zugemauert. Das Innere hingegen erfuhr eine Erneuerung im Blick auf die neue Liturgie. Chor und Schiff erhielten anstelle der Gips-Holzdecken. Sämtliche Wände wurden neu verputzt. Der Chorboden wurde weiter ins Schiff gezogen und die liturgische Ausstattung neu aufgestellt. Ambo, Altar und Weihwassergefäss entstanden nach Entwürfen von Karl Stadler aus Engelberg. Die alten Bänke im Schiff erfuhren eine neue Einteilung. Die Seitenschiffsäulen wurden in Bögen umgewandelt und das Seitenschiff mittels der Bestuhlung ins Schiff einbezogen. Die Werke von Hans Stocker konnten von diesem selbst restauriert werden. Ebenfalls erneuert und zum Teil neu angeordnet wurden die Glasmalereien von Jacques Dublin. Der Bildhauer Albert Schilling schuf eine weitere Plastik. Die Orgelempore wurde vollständig neu gestaltet, der alte Orgelprospekt hingegen fachgerecht restauriert.

Die römisch-katholische Kirche von Aesch steht am südwestlichen Dorfrand, nach Süden gerichtet und parallel zur Strasse nach Pfeffingen. Ein stattlicher Frontturm, beinahe zur Hälfte im Langhaus steckend und dessen Satteldach durchbrechend, steht vor dem langgestreckten Schiff, dessen Seiten fünf schmale Rundbogenfenster öffnen. Daran fügt sich der leicht eingezogene, polygogonale Chor. Ueber der einfach profilierten, hohen Rundbogenöffnung der offenen Turmvorhalle teilen flache Gurten den Turm in vier Geschosse mit Mauerschlitzen in den unteren Geschossen und breiten, rundbogigen Schallöffnungen im Glockengeschoss. Ein vierseitiger, im Ansatz leicht eingezogener Spitzhelm endigt in kräftigem Knauf, Kreuz und Windfahne. Gelbliche Kalksteine fassen die Oeffnungen, und putzbündige Quaderketten die Ecken des Chores, des Langhauses und des Turmes ein. Während so das Aeussere mit Ausnahme der Westseite noch beinahe vollständig der Entstehungszeit der Kirche entspricht, ist das Innere beinahe vollständig erneuert. Allerdings ist es durch die kürzliche Restaurierung und die Fresken von Hans Stocker und die Glasmalereien von Jacques Dublin wieder aufgewertet. Hans Stockers grosses Chorfresko mit der Himmelfahrt Christi gehört zu den besten Werken dieser Art und bringt die expressionistischen Züge dieser Malerei voll zum Ausdruck. Die Kirche von Aesch ist mit ihrer. Aussenarchitektur zusammen mit dem Blarerschlosse eine wirkungsvolle Dominante im Dorfbild von Aesch und zeigt mit ihrem Grundriss und dem Frontturm das Einströmen der klassizistischen Architektur im Kirchenbau des Beginns des 19. Jahrhunderts an. Ihr Inneres lebt heute noch vom grosszügigen Raumdenken jener Zeit und verhilft dadurch der neueren Ausstattung zu voller Prachtentfaltung. Innerhalb der Ausstattung nimmt der Orgelprospekt eine besondere Stellung ein, da es sich neben jenem der Silbermann-Orgel im Dom zu Arlesheim um den einzigen alten Orgelprospekt unseres Kantons handelt. Dieser zeigt noch den barocken Aufbau, bringt aber im Detail der Verzierungen Elemente des Empire und vermischt diese mit spätbarocken Formen.