Blarerschloss, Hauptstrasse 23

Das am Dorfausgang Richtung Birstal gelegene Blarerschloss weist auf eine interessante Vergangenheit zurück. Bereits vor 1604 kauften Beamte des Bischofs hier eine Herberge und zahlreiche Güter, worauf der Bischof Jakob Christoph von Blarer in den Jahren 1604-1607 an der Stelle der Herberge einen Adelssitz erbauen liess. Er schenkte diesen den Nachkommen seines Bruders mit der Bedingung, daraus einen Stammsitz oder ein Fideikommis der Familie von Blarer zu machen. Das erste Bilddokument des Schlosses, der Birseckplan von Jakob Meyer, hält den Zustand des Schlosses im Jahre 1665 fest. Es zeigt das dreigeschossige Wohnhaus unter steilem Krüppelwalmdach, flankiert von Ecktürmen inmitten eines ummauerten Hofes. Genauer zeichnete 1754 Emanuel Büchel das Schloss, indem er die Rundtürme an den Nord- und Südecken des Hauptgebäudes festhält. Aufgrund einer Quittung wird vermutet, dass Maurermeister Michael Brauwn der Baumeister des Schlosses war. Von 1702 an diente der Freihof als Landvogteisitz der bischöflichen Landvögte der Herrschaft Pfeffingen, die stets aus dem Geschlechte der von Blarer stammten. Zwischen 1730 und 1740 wurde das Schloss, wie es Büchel später festhielt, im barocken Sinne zu einem Landsitz erweitert, indem beispielsweise auch der Garten auf der Südostseite in einen französischen Garten mit Springbrunnen, Hecken und Blumenbeeten angelegt wurde. Der unveränderte Hauptbau erhielt vor dem rechteckigen Treppenturm der Südostseite beim Haupteingang ein vorgelagertes Laubengebäude als Aussichtspavillon auf den Garten und die Landschaft. Den eigentlichen Hof auf der Dorfseite schlossen neue Oekonomiegebäude und Nebenbauten ab. Gleichzeitig entstand im Innern eine neue Ausstattung, von der bis 1958 eine Stuckdecke im Régencestil erhalten blieb.

In der französischen Revolution wurde das Fideikommis aufgelöst, und 1851 ersteigerte die Gemeinde Aesch das Schloss von den Gebrüdern von Blarer und richtete darin nach Plänen von Bauinspektor Stehlin ein Schul- und Gemeindehaus ein. Im Jahre 1900 wurde es nach Plänen von Rudolf Sandreuter aus Basel umgebaut und am Aeussern mit neugotischen Elementen bereichert. Diese entfernte man, als das Schloss in den Jahren 1958/59 zu einem Verwaltungsgebäude der Gemeinde Aesch mit einer Subvention seitens des Kantons umgebaut wurde.

Das dreigeschossige Haus erhebt sich als rechteckiger Kubus isoliert von den ehemaligen Nebengebäuden und wird an den Nord- und Südecken von Rundtürmen mit kegelförmigen Helmen flankiert. Seine zwei- und dreiteiligen Fenster sind 1958 erneuert worden. Der um 1900 von der Garten- auf die Hofseite verlegte Haupteingang wurde dabei verbreitert. Der ehemalige Laubenvorbau auf der Gartenseite war bereits 1900 erhöht und gemauert worden, so dass er nun durch ein Dach angepasst werden konnte. Neue Dachgauben durchbrechen das steile Krüppelwalmdach. Der regelmässige Grundriss des Innern wurde vollständig erneuert.

Das Blarerschloss in Aesch war mit verschiedenen, vermutlich vom Bischof verliehenen Freiheiten ausgestattet, war demnach eine Art Adelssitz oder Freihof, wie sie seit dem 7. Jahrhundert üblich waren, im 17. Jahrhundert jedoch kaum mehr auftraten. In seiner architektonischen Gestalt vertritt es den Typus eines spätgotischen, wehrhaften Bürgerhauses, dessen Vorbilder vorweg in der Ostschweiz, der Heimat der von Blarer zu finden sind. Das befestigte Wohnhaus im Uebergang vom Mittelalter zum Barock übernimmt ältere Elemente, ohne ihnen eine Funktion zu geben. Die Wehrhaftigkeit der Türme wird zur Dekoration, denn weder ein Weiher noch ein Graben, sondern nurmehr eine Mauer schützen das Schloss vor Ueberfällen. Die Nebengebäude treten näher ans Hauptgebäude heran und verbinden sich mit diesem, so dass der Adelssitz und die dazugehörigen Oekonomiegebäude zu einer Baugruppe verschmelzen. Von den ehemaligen Nebengebäuden haben sich das heutige Spritzenhaus und eine Scheune mit dem Datum 1603 und zwei Steinmetzzeichen im Torbogen erhalten. An seiner Westecke findet sich noch der Rest eines Rundtürmchens der ehemaligen Ummauerung des ganzen Komplexes.

Das Blarerschloss ist nicht nur ein später Adelssitz, diente nicht nur als Ersatz für das im 18. Jahrhundert aufgegebene Schloss Pfeffingen, sondern ist zugleich ein Zeuge des Wirkens des Bischofs von Blarer im Birseck. Der bekannte Bischof der Gegenreformation betrieb von hier aus die Wiedereroberung seiner Rechte und Besitze im Birseck und wehrte sich mit Erfolg gegen die Stadt Basel, der diese Gebiete durch sein Wirken verlorengingen. Es zeugt von der Wiedererstarkung des Bistums Basel als geistliche und politische Macht im 17. Jahrhundert.