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Familiengärten in der Region Basel: Böden zeigen Spuren der Nutzung

19.03.2010
Familiengärten sind für viele Menschen Oasen der Erholung und dienen der naturverbundenen Freizeitgestaltung. Die langjährige Nutzung hat aber in den Böden Spuren hinterlassen. Dies haben Abklärungen der Umweltämter der Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft ergeben. Die Belastung der Böden ist in vielen Fällen vergleichbar mit der bekannten Situation in Hausgärten in Ballungsgebieten. Die beiden Umweltämter haben Empfehlungen zum Umgang mit diesen Belastungen erlassen. Wenn diese Empfehlungen eingehalten werden, kann man die Gärten weiterhin bedenkenlos nutzen.

In der Region gibt es gegen 100 Areale mit Familiengärten (ca. 75 in BL, ca. 25 in BS). Deren Gesamtfläche beträgt rund 2 km 2 . In diesen Arealen befinden sich etwa 8'000 einzelne Gärten. Einige der Areale mit Familiengärten haben eine lange Geschichte. Sie werden seit über 80 Jahren genutzt.

Die Analysesystematik
Im Rahmen der Bodenüberwachung haben sich die beiden Umweltämter auch der Böden der Familiengärten angenommen. In einem ersten Schritt wurden in der Region alle Areale mit Familiengärten im Sinn einer Bestandesaufnahme systematisch erfasst. In einem zweiten Schritt wurde mit Hilfe eines speziellen Prognosemodells der ETH Zürich ermittelt, wo die höchsten Belastungen zu erwarten sind. Damit war es möglich, dort in einem dritten Schritt gezielt Bodenproben auf Schadstoffe zu untersuchen. Zusätzlich wurden ebenfalls gezielt auf Arealen mit Altlastenverdacht Bodenproben entnommen und analysiert. Abschliessend wurden die Ergebnisse ausgewertet und die Massnahmen formuliert.

Die ermittelten Fakten
In den Familiengärten mit den vermuteten deutlichsten Belastungen - also dort, wo Probleme gemäss Prognosemodell am ehesten zu erwarten sind - wurden in der Folge total rund 100 Bodenproben auf Schadstoffe analysiert (ca. 70 in BL, ca. 30 in BS). Es zeigte sich, dass in den Böden der Familiengärten am ehesten das Schwermetall Blei und als organischer Schadstoff die sogenannten Polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAK) zu finden sind.

Nutzer für Bodenqualität mitverantwortlich
Viele Böden der untersuchten Familiengärten zeigen erwartungsgemäss Spuren von Schadstoffen. Nur in einem einzigen Fall wurde der so genannte Sanierungswert überschritten. Der entsprechende Garten in Allschwil wurde unverzüglich stillgelegt und dem Pächter konnte ein neuer Garten zugeteilt werden. Abklärungen ergaben, dass die unmittelbaren Nachbargärten absolut keine vergleichbare Belastung aufweisen. Die Ursache der übermässigen Belastung steht noch nicht fest.

Es zeigte sich auch, dass die einzelnen Gartenböden innerhalb eines Areals ganz unterschiedlich hoch belastet sind. Erste Auswertungen lassen den Schluss zu, dass das Verhalten der einzelnen Nutzerinnen und Nutzer entscheidend ist: Wie wurde im Laufe der Jahre und Jahrzehnte gedüngt? Wurde Asche verstreut? Wurden Pflanzenschutzmittel eingesetzt?

Weitere Nutzung möglich?
Aufgrund der vorgefundenen Spuren von Blei und PAK in den Böden war für 25 % der untersuchten Gärten zu klären, ob aufgrund der Höhe der Belastung für die Gartennutzerinnen und Gartennutzer eine Gefährdung besteht: durch angebautes Gemüse oder durch das unbeabsichtigte Verschlucken von Boden, zum Beispiel bei Kleinkindern. Resultat dieser Abklärungen: kein Problem bei Anbau und Verzehr von Gemüse. Sollten allerdings Kleinkinder bis ca. vier Jahre in diesen Familiengärten spielen, braucht es Verhaltensempfehlungen.

Empfehlungen
Familiengärten sollen weiterhin für viele Menschen Oasen der Erholung sein und der naturverbundenen Freizeitgestaltung dienen. Dies lässt sich mit wenigen, gezielten Massnahmen sicherstellen.

Biologisch gärtnern ist "in"
In vielen Familiengärten ist biologisches Gärtnern bereits heute vorgeschrieben und wird auch praktiziert. Dies soll weiterhin konsequent beibehalten und gefördert werden. Die Gärtnerinnen und Gärtner sind verantwortlich für einen guten Umgang mit dem Boden.

Asche nicht als Dünger ausbringen
Asche aus Grill, Cheminée, Holzheizung oder Feuerstelle ist wegen ihres Schadstoffgehaltes nicht als Dünger geeignet. Asche ist konsequent mit dem Hauskehricht zu entsorgen.

Anbau von Gemüse weiterhin möglich
Detaillierte Abklärungen haben ergeben, dass keine Gefährdung besteht durch das Essen von Gemüse aus dem Familiengarten. Dies gilt sowohl für Kleinkinder als auch für Erwachsene. Auch Personen, die sich vegetarisch und ausschliesslich aus dem eigenen Garten ernähren, sind nicht gefährdet. Grund dafür ist, dass die meisten Nahrungspflanzen Blei und PAK nur in geringen Mengen aufnehmen. Das Gemüse sollte wie üblich gut gewaschen werden, damit kein anhaftender und allenfalls belasteter Boden mit gegessen wird.

Familiengarten als Spielplatz für Kleinkinder: Am besten auf dem Rasen spielen
Beim Spielen im Freien verschlucken Kleinkinder bis ca. 4 Jahre erfahrungsgemäss regelmässig Bodenmaterial. Sie essen Boden direkt oder nehmen mit Erde verschmutzte Hände in den Mund. Sie können so Schadstoffe aufnehmen. Grundsätzlich ist deshalb darauf zu achten, dass Kleinkinder bis ca. 4 Jahre nur auf Böden mit vollständiger Pflanzenbedeckung (in der Regel ein dichter Rasen) spielen. Nach dem Spielen sollen die Hände gut gewaschen werden.

Da nicht alle möglicherweise betroffenen Gärten bekannt sind, werden die Behörden in den nächsten Wochen direkt an die Eigentümerinnen und Eigentümer der Areale gelangen, um den Informationsfluss zu verbessern.

Weitere Auskünfte:
Roland Bono, Telefon +41 (0)61 552 61 11
Amt für Umweltschutz und Energie des Kantons Basel-Landschaft
bis 14.30 Uhr

Manfred Beubler,  Tel. +41 (0)61 639 22 33
Leiter Abteilung Gewässerschutz
Amt für Umwelt und Energie des Kantons Basel-Stadt

Weitere Informationen.

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