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Auswirkungen des Lockdowns auf die Luftqualität in der Region Basel: Rückgang der Stickoxid-Belastung an verkehrsreichen Standorten bestätigt

07.07.2020
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Während der vom Bund verordneten Massnahmen zur Bewältigung der Corona-Pandemie lagen die Stickoxid-Immissionen an verkehrsreichen Standorten in der Region Basel tiefer als zuvor. Die im Winterhalbjahr weniger verkehrs-, dafür stärker wetterabhängigen Feinstaub-Immissionen lagen hingegen höher als vor dem Lockdown. Die vorliegende Medienmitteilung ergänzt jene vom 15. April 2020 um den Zeitraum bis Ende Juni 2020.

Der motorisierte Verkehr trägt in der Region Basel wesentlich zur Belastung mit den Luftschadstoffen Stickoxide (NOx[1]), Feinstaub (PM10) und Ozon (O3) bei. Von Beginn des Lockdowns am 16. März 2020 bis zu den Lockerungen am 11. Mai und 6. Juni sanken die Verkehrszahlen auf der Autobahn und den verkehrsreichen Strassen in der Stadt deutlich. Dieser Umstand ist hauptsächlich auf Einschränkungen, welche sich reduzierend auf die Freizeitmobilität auswirkten, sowie die vermehrte Arbeit im «Homeoffice» zurückzuführen. Seit Aufhebung der einschränkenden Massnahmen ab dem 6. Juni haben die Verkehrszahlen bei den hier zum Vergleich kommenden Messstellen an der Autobahn A2 in der Hard und an der Feldbergstrasse in Basel wieder das «Vor-Corona»-Niveau erreicht.

Eine zweite, wichtige Einflussgrösse auf die Luftqualität ist das Wetter. Wind und Regen beispielsweise reduzieren durch Verdünnung, Verfrachtung und Auswaschung die Belastung mit gesundheitsgefährdenden Schadstoffen.

Um die Anfangsphase des Lockdowns zu beurteilen, ist zu berücksichtigen, dass sich im Winterhalbjahr regelmässig Inversionslagen bilden. Diese austauscharmen Wetterlagen zeichnen sich durch eine umgekehrte Temperaturschichtung aus, welche einen Austausch der Luftmassen einschränkt (höhere Temperatur in den oberen Luftschichten). Dieser Effekt führt in der Regel zu höheren Schadstoffwerten in den unteren Luftschichten, besonders für Feinstaub. In der zweiten März-Hälfte und im April ist an einigen Tagen eine solche Inversionslage aufgetreten. Ab Mai regnete es häufiger, was einen begünstigenden Einfluss auf die Luftqualität hatte.

Beurteilung der Luftqualität während des «Corona-Lockdowns»
Im Vergleich zum Monat vor dem Lockdown wurde an den verkehrsreichen Standorten ein Rückgang der Stickoxid-Immissionen festgestellt. Am stärksten war dieser an der Autobahn A2 in der Hard. Dort sank der durchschnittliche Tagesmittelwert (TMW) von 70 µg/m3 (16. Februar bis 15. März) auf 45 µg/m3 (16. März bis 6. Juni). Dies entspricht einer Reduktion von rund 35 %. Im Vergleich dazu nahmen die Verkehrszahlen im gleichen Zeitraum von durchschnittlich 120'000 um rund 30 % auf 85'000 Fahrzeuge pro Tag ab.

Gleichzeitig ist festzustellen, dass seit dem 6. Juni der durchschnittliche TMW trotz wieder erhöhtem Fahrzeugaufkommen nur minimal auf 47 µg/m3 angestiegen ist. Der oben erwähnte Rückgang der Stickoxide während des Lockdowns um einen Drittel ist deshalb zu relativieren. Es ist mit den aktuell vorliegenden Daten nicht genau zu ermitteln, wie hoch der Anteil der Corona-bedingten Verkehrsreduktion war und welchen Anteil die lufthygienisch günstigen Wetterbedingungen ausmachten (häufiger Niederschlag und Wind ab Mai).

An der Feldbergstrasse in Basel wurde ein geringerer Rückgang als an der A2 registriert. Die durchschnittlichen NO2-TMW sanken von 61 µg/m3 (16. Februar bis 15. März) auf 58 µg/m3 (16. März bis 6. Juni), was einer Reduktion von 5 % entspricht. Die Verkehrszahlen sanken im Vergleich zur A2 geringfügiger um 15 %, von knapp 11'000 auf gut 9'000 Fahrzeuge pro Tag. An Standorten wie der Feldbergstrasse spielen auch die eingeschränkte Durchlüftung durch die Bebauung und zusätzlichen Emissionsquellen wie Heizungen eine Rolle.

An einer typisch vorstädtischen Lage haben sich die Stickoxid-Immissionen im Vergleich zum Monat vor dem Lockdown nicht verändert, was auf den geringeren Einfluss des Verkehrs und die generell tiefere Schadstoffbelastung an diesen Lagen zurückzuführen ist (z.B. Messstation Binningen oberhalb Margarethenpark: TMW durchschnittlich 12 µg/m3 von Februar bis Juni 2020).

Beim Feinstaub (PM10) ist im Winterhalbjahr der Einfluss des Strassenverkehrs auf die Belastung geringer. Die Wetterlage und der davon abhängige Heizbedarf beeinflussen diese Messwerte stärker. Die Feinstaub-Immissionen lagen zu Beginn des Lockdowns aufgrund des Wetters (Inversion, wenig Niederschlag, kühlere Temperaturen) deutlich höher als vor dem 16. März 2020. Im Verlauf des Lockdowns sanken die Werte aufgrund der steigenden Temperaturen und des damit verbundenen geringeren Heizbedarfs sowie durch häufige Niederschläge wieder. Sie unterschieden sich örtlich an den einzelnen Messstationen nur geringfügig, wobei an der A2 der höchste Wert gemessen wurde.

Der Schadstoff Ozon (O3) wird aus den Vorläufer-Schadstoffen NO2 und VOC (flüchtige organische Verbindungen) gebildet. Je mehr VOC und NO2 in der Luft sind und je stärker die Sonne scheint (UV-Strahlen), umso mehr Ozon wird gebildet. Erhöhte Lufttemperaturen begünstigen zudem die chemischen Reaktionen. Hohe Ozonwerte werden deshalb nur bei sommerlichen Temperaturen und viel Sonnenschein ermittelt. Ein genereller Trend liess sich während des Lockdowns nur insofern feststellen, als dass die Ozonkonzentrationen mit den steigenden Temperaturen erwartungsgemäss zunahmen.

Das Lufthygieneamt beider Basel publiziert auf seiner Webseite www.luftqualitaet.ch und auf der Smartphone-App «airCHeck» stündlich aktualisierte Echtzeitdaten (erhältlich in den App-Stores).

Für Rückfragen:
René Glanzmann, Leiter Luftqualität, Lufthygieneamt beider Basel, Telefon 061 552 56 19

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