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- 1. August Ansprache 2010 von Regierungspräsident Jörg Krähenbühl
02.08.2010
1. August Ansprache 2010 von Regierungspräsident Jörg Krähenbühl
Dankbarkeit und Zuversicht am Nationalfeiertag
Liebe Baselbieterinnen, liebe Baselbieter
liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger
Ich freue mich, Ihnen zum heutigen 1. August, unserem Nationalfeiertag, die besten Grüsse und Wünsche der Baselbieter Regierung überbringen zu dürfen.
Für mich persönlich ist der 1. August jedes Jahr ein Tag der Rückbesinnung. Und je schneller sich unsere globalisierte Welt verändert, und wir uns mit ihr, desto wichtiger ist es für mich, an diesem Tag mir selber in Erinnerung zu rufen, wem und was ich verdanke, dass ich in diesem Land in Freiheit leben darf.
In den letzten Jahren stelle ich zunehmend fest, dass vielen Menschen der Bezug zu zeitlosen Werten abhanden kommt. Ich denke da unter anderem an Respekt, Anstand, Rücksicht, Toleranz, Konsensfähigkeit, Verantwortungsbewusstsein für die Gemeinschaft, aber auch an Dankbarkeit. Demgegenüber orte ich beispielsweise immer mehr den Hang zu Individualismus, Oberflächlichkeit und Gleichgültigkeit, zu Eigensinn bis hin zu (materiellem) Egoismus, zu einem selbstgerechten Fordern ohne auch geben zu wollen, ja manchmal sogar sture ideologische Rücksichtslosigkeit. Möglicherweise wird dieser Trend gefördert durch die immer schneller, aber auch oberflächlicher werdende Kommunikationstechnologie. Sicher tragen auch die Massenmedien in ihrer manchmal reisserischen Quotenjagd oft nicht dazu bei, Sachlichkeit, Fairness sowie Vertrauen zu erhalten und zu fördern.
Man neigt dann jeweils schnell dazu, für die Gemeinschaft ungünstige Entwicklungen mit dem sogenannten „Zeitgeist“ zu rechtfertigen. Aber ist dies zulässig und dienlich? Ich meine nein und wehre mich deshalb dagegen, nicht nur am heutigen Tag, an unserem Nationalfeiertag. Denn ich bewerte diese erwähnte Entwicklung keineswegs positiv und sie entspricht auch nicht dem Willen, den unsere Ahnen in den letzten Jahrhunderten durchsetzten, als sie unser Staatswesen formten und die Voraussetzungen für den Wohlstand unserer Gesellschaft schufen.
Mir scheint manchmal, dass bedeutende Errungenschaften unseres Landes, neben dem vergleichsweise hohen Wohlstand und der gut ausgebauten Wohlfahrt vor allem die Volksrechte in unserer direkten Demokratie, aber auch die hohe Sicherheit oder die uneingeschränkte Meinungsfreiheit ebenso wie die Bildungschancen, um nur einige Beispiele zu nennen, als für alle Zeiten garantierte Selbstverständlichkeit vorausgesetzt werden.
Jacob Burckhard, der bedeutende Basler Historiker, hat schon vor 150 Jahren gesagt: „ Es hat auch der Verdienstvollste der Heimat mehr zu danken als diese ihm.“
Diese Feststellung hat bis heute nichts an ihrer Gültigkeit verloren. Leider gehört es immer mehr zu diesem Zeitgeist, überall nehmen und immer weniger geben zu wollen.
Ich plädiere, nicht nur heute, aber umso deutlicher an unserem Nationalfeiertag, dafür, dass wir uns wieder stärker auf die Tugenden der Menschen zu besinnen, welche unsere Schweiz und auch unseren Kanton derart stark, besonders lebenswert, gemacht haben. Dazu gehört ein Bekenntnis zu unserem Staatswesen mit der aktiven Wahrnehmung nicht nur der Kompetenzen, sondern auch der Verantwortung. Ich meine damit, dass es nicht nur ein Recht ist, in einer Demokratie leben zu dürfen, sondern gleichermassen Pflicht, an deren Fortbestand und Weiterentwicklung auch aktiv mitzuwirken. Insofern wünsche ich mir, dass die Stimmbeteiligung bei Wahlen und Abstimmungen wieder deutlich ansteigen wird und mehr Menschen, auch die Jugendlichen, aktiver am politischen Geschehen teilnehmen.
Gemeinsinn sollte wieder stärker spürbar sein, überall, in städtischen Agglomerationen ebenso wie auf dem Lande. Gerade in einer offenen, multikulturellen und zunehmend internationalen Gesellschaft führen Gleichgültigkeit und Oberflächlichkeit zu einer Schwächung der Gemeinschaft und schaden somit letztlich jedem und jeder Einzelnen. Insofern braucht es wieder mehr Menschen, welche auch den Mut und die Zivilcourage aufbringen, nicht nur zu ihrer eigenen Meinung zu stehen, sondern die auch hinsehen, mitwirken und zum Wohle der Gemeinschaft handeln, mit einem traditionsbewussten und gleichzeitig zukunftsorientierten Gestaltungswillen.
Was die politische Führung anbelangt, so werde ich im Rahmen meiner Möglichkeiten bei aller Meinungsvielfalt und trotz unterschiedlicher Positionen meinen aktiven Beitrag leisten, Verlässlichkeit zu zeigen, Kongruenz nach aussen zu manifestieren und mitzuhelfen, dass die für unsere erfolgreiche Zukunft notwendigen lösungsorientierten Kompromisse erzielt werden können.
Ein gesundes Demokratieverständnis setzt voraus, dass man andere Meinungen akzeptiert, aber ebenso den manifestierten Volkswillen unserer direkten Demokratie. Ich habe wenig Verständnis für die politischen Scheingefechte und das wochenlang in den Medien inszenierte Gezänke bis hin zu hässlichen „Selbstzerfleischungen“, wie wir es zu mehreren wichtigen Themen in letzter Zeit leider öfters erleben mussten. Sie mögen zwar die Auflagen und Quoten gewisser Medien steigern, aber sie sind nicht Ausdruck von natürlichem Selbstbewusstsein und dem sichtbaren Willen, das Beste für unser Land und unsere Gesellschaft zu wollen.
Insofern hoffe ich und wünsche mir zum heutigen Nationalfeiertag, dass diesbezüglich von den betreffenden Exponenten mehr Verständnis für die (Vorbild-)Wirkung nach innen wie nach aussen und somit mehr Zurückhaltung geübt wird, also folgerichtig verstärkte Konzentration auf das Wesentliche erfolgt.
Ich plädiere im Weiteren dafür, dass wir respektvoll mit unseren Traditionen umgehen und diese pflegen, aber auch offen sind für Neues. Ich sehe darin keinen Widerspruch, sondern im Gegenteil eine befruchtende Ergänzung und eine Stärke unserer Gesellschaft, immer unter der Voraussetzung, dass ihr nicht sture Ideologien, sondern eine gesunde Identifikation mit den überzeugenden Werten zugrunde liegt, für die wir in der Schweiz einstehen.
Wenn es uns allen gelingt, diese zeitlos gültigen Werte unserer Schweiz und unseres Kantons wieder zu schätzen und dafür dankbar zu sein, dann werden wir mit einem positiven intergenerationellen und multikulturellen Selbstverständnis in allen Regionen und in allen Gesellschaftsschichten wieder stolz daran arbeiten, diese Errungenschaften nicht nur zu erhalten, sondern für eine erfolgreiche gemeinsame Zukunft weiter auszubauen.
Ich bin sehr zuversichtlich, dass uns dies gelingen wird, auch weil ich dankbar bin, in der Schweiz und in unserem Baselbiet leben zu dürfen.
In diesem Sinne wünsche ich uns allen heute einen besinnlichen und gleichzeitig fröhlichen Bundesfeiertag in Dankbarkeit und voller Zuversicht.
Ihr Jörg Krähenbühl, Regierungspräsident Kanton Basel-Landschaft
Liebe Baselbieterinnen, liebe Baselbieter
liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger
Ich freue mich, Ihnen zum heutigen 1. August, unserem Nationalfeiertag, die besten Grüsse und Wünsche der Baselbieter Regierung überbringen zu dürfen.
Für mich persönlich ist der 1. August jedes Jahr ein Tag der Rückbesinnung. Und je schneller sich unsere globalisierte Welt verändert, und wir uns mit ihr, desto wichtiger ist es für mich, an diesem Tag mir selber in Erinnerung zu rufen, wem und was ich verdanke, dass ich in diesem Land in Freiheit leben darf.
In den letzten Jahren stelle ich zunehmend fest, dass vielen Menschen der Bezug zu zeitlosen Werten abhanden kommt. Ich denke da unter anderem an Respekt, Anstand, Rücksicht, Toleranz, Konsensfähigkeit, Verantwortungsbewusstsein für die Gemeinschaft, aber auch an Dankbarkeit. Demgegenüber orte ich beispielsweise immer mehr den Hang zu Individualismus, Oberflächlichkeit und Gleichgültigkeit, zu Eigensinn bis hin zu (materiellem) Egoismus, zu einem selbstgerechten Fordern ohne auch geben zu wollen, ja manchmal sogar sture ideologische Rücksichtslosigkeit. Möglicherweise wird dieser Trend gefördert durch die immer schneller, aber auch oberflächlicher werdende Kommunikationstechnologie. Sicher tragen auch die Massenmedien in ihrer manchmal reisserischen Quotenjagd oft nicht dazu bei, Sachlichkeit, Fairness sowie Vertrauen zu erhalten und zu fördern.
Man neigt dann jeweils schnell dazu, für die Gemeinschaft ungünstige Entwicklungen mit dem sogenannten „Zeitgeist“ zu rechtfertigen. Aber ist dies zulässig und dienlich? Ich meine nein und wehre mich deshalb dagegen, nicht nur am heutigen Tag, an unserem Nationalfeiertag. Denn ich bewerte diese erwähnte Entwicklung keineswegs positiv und sie entspricht auch nicht dem Willen, den unsere Ahnen in den letzten Jahrhunderten durchsetzten, als sie unser Staatswesen formten und die Voraussetzungen für den Wohlstand unserer Gesellschaft schufen.
Mir scheint manchmal, dass bedeutende Errungenschaften unseres Landes, neben dem vergleichsweise hohen Wohlstand und der gut ausgebauten Wohlfahrt vor allem die Volksrechte in unserer direkten Demokratie, aber auch die hohe Sicherheit oder die uneingeschränkte Meinungsfreiheit ebenso wie die Bildungschancen, um nur einige Beispiele zu nennen, als für alle Zeiten garantierte Selbstverständlichkeit vorausgesetzt werden.
Jacob Burckhard, der bedeutende Basler Historiker, hat schon vor 150 Jahren gesagt: „ Es hat auch der Verdienstvollste der Heimat mehr zu danken als diese ihm.“
Diese Feststellung hat bis heute nichts an ihrer Gültigkeit verloren. Leider gehört es immer mehr zu diesem Zeitgeist, überall nehmen und immer weniger geben zu wollen.
Ich plädiere, nicht nur heute, aber umso deutlicher an unserem Nationalfeiertag, dafür, dass wir uns wieder stärker auf die Tugenden der Menschen zu besinnen, welche unsere Schweiz und auch unseren Kanton derart stark, besonders lebenswert, gemacht haben. Dazu gehört ein Bekenntnis zu unserem Staatswesen mit der aktiven Wahrnehmung nicht nur der Kompetenzen, sondern auch der Verantwortung. Ich meine damit, dass es nicht nur ein Recht ist, in einer Demokratie leben zu dürfen, sondern gleichermassen Pflicht, an deren Fortbestand und Weiterentwicklung auch aktiv mitzuwirken. Insofern wünsche ich mir, dass die Stimmbeteiligung bei Wahlen und Abstimmungen wieder deutlich ansteigen wird und mehr Menschen, auch die Jugendlichen, aktiver am politischen Geschehen teilnehmen.
Gemeinsinn sollte wieder stärker spürbar sein, überall, in städtischen Agglomerationen ebenso wie auf dem Lande. Gerade in einer offenen, multikulturellen und zunehmend internationalen Gesellschaft führen Gleichgültigkeit und Oberflächlichkeit zu einer Schwächung der Gemeinschaft und schaden somit letztlich jedem und jeder Einzelnen. Insofern braucht es wieder mehr Menschen, welche auch den Mut und die Zivilcourage aufbringen, nicht nur zu ihrer eigenen Meinung zu stehen, sondern die auch hinsehen, mitwirken und zum Wohle der Gemeinschaft handeln, mit einem traditionsbewussten und gleichzeitig zukunftsorientierten Gestaltungswillen.
Was die politische Führung anbelangt, so werde ich im Rahmen meiner Möglichkeiten bei aller Meinungsvielfalt und trotz unterschiedlicher Positionen meinen aktiven Beitrag leisten, Verlässlichkeit zu zeigen, Kongruenz nach aussen zu manifestieren und mitzuhelfen, dass die für unsere erfolgreiche Zukunft notwendigen lösungsorientierten Kompromisse erzielt werden können.
Ein gesundes Demokratieverständnis setzt voraus, dass man andere Meinungen akzeptiert, aber ebenso den manifestierten Volkswillen unserer direkten Demokratie. Ich habe wenig Verständnis für die politischen Scheingefechte und das wochenlang in den Medien inszenierte Gezänke bis hin zu hässlichen „Selbstzerfleischungen“, wie wir es zu mehreren wichtigen Themen in letzter Zeit leider öfters erleben mussten. Sie mögen zwar die Auflagen und Quoten gewisser Medien steigern, aber sie sind nicht Ausdruck von natürlichem Selbstbewusstsein und dem sichtbaren Willen, das Beste für unser Land und unsere Gesellschaft zu wollen.
Insofern hoffe ich und wünsche mir zum heutigen Nationalfeiertag, dass diesbezüglich von den betreffenden Exponenten mehr Verständnis für die (Vorbild-)Wirkung nach innen wie nach aussen und somit mehr Zurückhaltung geübt wird, also folgerichtig verstärkte Konzentration auf das Wesentliche erfolgt.
Ich plädiere im Weiteren dafür, dass wir respektvoll mit unseren Traditionen umgehen und diese pflegen, aber auch offen sind für Neues. Ich sehe darin keinen Widerspruch, sondern im Gegenteil eine befruchtende Ergänzung und eine Stärke unserer Gesellschaft, immer unter der Voraussetzung, dass ihr nicht sture Ideologien, sondern eine gesunde Identifikation mit den überzeugenden Werten zugrunde liegt, für die wir in der Schweiz einstehen.
Wenn es uns allen gelingt, diese zeitlos gültigen Werte unserer Schweiz und unseres Kantons wieder zu schätzen und dafür dankbar zu sein, dann werden wir mit einem positiven intergenerationellen und multikulturellen Selbstverständnis in allen Regionen und in allen Gesellschaftsschichten wieder stolz daran arbeiten, diese Errungenschaften nicht nur zu erhalten, sondern für eine erfolgreiche gemeinsame Zukunft weiter auszubauen.
Ich bin sehr zuversichtlich, dass uns dies gelingen wird, auch weil ich dankbar bin, in der Schweiz und in unserem Baselbiet leben zu dürfen.
In diesem Sinne wünsche ich uns allen heute einen besinnlichen und gleichzeitig fröhlichen Bundesfeiertag in Dankbarkeit und voller Zuversicht.
Ihr Jörg Krähenbühl, Regierungspräsident Kanton Basel-Landschaft