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Global vernetzt: geografische und strukturelle Vielfalt kolonialer Spuren im Baselbiet
Forschungsbericht zur kolonialen Vergangenheit Baselbieter Persönlichkeiten
Geografische Reichweite von Baselbieterinnen und Baselbietern in der Kolonialzeit (Bild Andreas Zangger).Obwohl weder die Schweiz noch das Baselbiet Kolonien besassen, waren Personen aus dem Baselbiet an verschiedenen Orten und in unterschiedlichen Rollen in den Kolonialismus involviert. Ein im Auftrag des Regierungs- und Landrats erstellter Forschungsbericht enthält eine grosse Bandbreite an Fallbeispielen und biographischen Spuren. Viele davon waren bislang nicht oder nur unzureichend bekannt.
Auftrag
Der Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft wurde 2023 durch den Landrat beauftragt, einen Bericht zu den kolonialen Spuren in der Geschichte des Baselbiets zu erstellen. Der Auftrag wurde öffentlich ausgeschrieben und an den Historiker Dr. Andreas Zangger vergeben. Zangger ist ein ausgewiesener Experte, der sich bereits im Rahmen seiner Dissertation «Koloniale Schweiz: Ein Stück Globalgeschichte zwischen Europa und Südostasien (1860-1930)», erschienen 2011, mit dem Thema Kolonialismus in der Schweiz beschäftigt hat. Zugleich wurde eine wissenschaftliche Begleitkommission eingesetzt, welche den Forschungsbericht begleitete sowie die wissenschaftliche Qualität und Unabhängigkeit sicherstellte. Die Begleitkommission verabschiedete am 23. März 2026 den Bericht. Mit der Publikation des Forschungsberichts wurde der Auftrag des Landrats vom 26. Januar 2023 (LRB Nr. 1962) erfüllt.
Begleitkommission
Prof. Dr. Roberto Zaugg (Universität Zürich, Präsident), Prof. Dr. Susanna Burghartz (Universität Basel), Prof. Dr. Madeleine Herren-Oesch (Universität Basel), Dr. Gaby Sutter (FHNW Muttenz), Dr. Debora Schmid (Amt für Kultur BL, ohne Stimmrecht), Dr. Jeannette Rauschert (Staatsarchiv BL, ohne Stimmrecht)
Abstract
Im vorliegenden Bericht wurden Fakten zum Verhältnis des Baselbiets zum Kolonialismus systematisch aufgearbeitet. Dieser steht nun für die öffentliche Diskussion, die Vermittlung sowie die künftige Beschäftigung mit dem Thema zur Verfügung.
Der umfangreichste Teil des Forschungsberichts befasst sich mit Baselbieter Personen und Personengruppen aus allen sozialen Schichten. Diese bewegten sich zu unterschiedlichen Zeiten in verschiedenen Weltregionen sowie in vielfältigen Handlungsfeldern und mit unterschiedlichen Intentionen in von Kolonialismus geprägten Strukturen. Inhaltlich spannt Zangger einen Bogen von der Beteiligung von Baselbieterinnen und Baselbietern an frühneuzeitlichen Handelskompanien und am atlantischen Handel bis hin zu ihrer Rolle im Kolonialapparat moderner Kolonialstaaten des 20. Jahrhunderts. Beleuchtet werden unter anderem Personengruppen wie Siedlerinnen und Siedler, Akteure im Kolonialhandel, in der Textilindustrie und der Plantagenwirtschaft sowie Missionarinnen und Missionare. Die Intensität der Involvierung unterscheidet sich erheblich. Die meisten Personen waren indirekt beteiligt.
Des Weiteren geht Zangger der Frage nach, welche Spuren der Kolonialismus im Baselbiet hinterlassen hat – sei es gedanklich oder materiell. Besonders ausführlich behandelt wird die Sammlungstätigkeit von Handelsleuten, Missionarinnen und Missionaren, Auswanderinnen und Auswanderern sowie Forschenden, die naturhistorische und ethnografische Objekte aus kolonialen Kontexten ins Baselbiet brachten und diese unter anderem dem Kantonsmuseum (heute Museum.BL) vermachten.
Ebenfalls enthält der Forschungsbericht erste Abklärungen und Vorschläge, wie die gewonnenen Erkenntnisse über verschiedene Formate und Kanäle gewinnbringend vermittelt werden können – und mit welchen Partnerinstitutionen.
Fazit
Der Forschungsbericht kommt zum Schluss, dass auch in einem kleinen, vorwiegend ländlich geprägten Kanton eine bemerkenswerte Breite an kolonialen Verflechtungen existierte. Insgesamt lassen sich die Verbindungen des Baselbiets mit den Kolonien auf den folgenden Punkt bringen: quantitativ vergleichsweise gering, aber ausgesprochen vielfältig und breitgefächert. Dies hängt auch mit der wirtschaftlichen Ausrichtung der Region zusammen. Die Seidenbandweberei war nicht vornehmlich auf kolonial geprägte Rohstoff- und Absatzmärkte ausgerichtet. Dementsprechend fehlten im Baselbiet Netzwerke weitgehend, die den Einstieg in koloniale Karrieren erleichtert hätten. Eine Ausnahme bildete die Basler Mission, die in der Region fest verankert war. Die koloniale Geschichte erscheint damit weniger als Geschichte ferner Imperien denn als Teil einer gemeinsamen, wenn auch oft vergessenen Vergangenheit.
- Forschungsbericht Koloniale Vergangenheit von Baselbieter Persönlichkeiten
- Medienmitteilung zum Thema
- Medienspiegel