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Kleine Invasoren, grosse Auswirkung: gebietsfremde Tapinoma-Ameisen im Baselbiet
Die Bestimmung von Ameisen ist schwierig und muss von Experten vorgenommen werden. Die unterschiedliche Individuengrösse von 1–3 mm ist eines der Merkmale von Tapinoma nigerrimum aggr. (Quelle: www.gbif.org)
Eier an Verbundstein (Quelle: AUE)
Demonstration und Austausch zur Bekämpfung von invasiven Tapinoma-Ameisen mit Heisswasser für Behörden von Gemeinden, Kantonen und Bundesländern in Kehl (D). Mit einer Lanze wird heisses Wasser und Dampf mit einer Temperatur von 120°C bis einen Meter in den Boden hinein injiziert, um auch an die tief liegenden Nester zu gelangen (Quelle: AUE)Ameisen der Gattung Tapinoma
Unbemerkt von der Öffentlichkeit breitet sich in einigen Baselbieter Gemeinden eine neue Herausforderung für Behörden und Liegenschaftsbesitzenden aus. Invasive Ameisen der Gattung Tapinoma haben sich in Muttenz, Reinach und Böckten angesiedelt. Damit trifft die Region auf ein Problem, das in ganz Europa zunimmt – begünstigt durch steigende Temperaturen und den globalen Warenhandel.
Die im westlichen Mittelmeerraum beheimateten Ameisen aus der Gruppe der Tapinoma nigerrimum aggr.-Arten wurden erstmals 2012 in der Westschweiz als invasive Schädlinge identifiziert. Inzwischen sind sie in den Kantonen Zürich, Aargau, Thurgau, St. Gallen und nun auch in Basel-Landschaft angekommen.
Die Tiere sind 2 bis 3,5 Millimeter klein, schwarz gefärbt und verströmen beim Zerdrücken einen typischen Geruch nach Farbe oder Nagellack. Sie bilden riesige Superkolonien mit mehreren Königinnen und Millionen Arbeiterinnen. Damit verdrängen sie einheimische Arten, schwächen die Biodiversität und können durch Nester im Mauerwerk oder unter befestigten Flächen die Bausubstanz schwächen und Elektroinstallationen gefährden. Anwohnende empfinden sie zudem als aggressiver als heimische Arten.
Statt über Schwarmflüge breiten sich die Ameisen aus, indem begattete Königinnen unauffällig und effektiv mitsamt Kolonieteilen abwandern.
Situation in Muttenz und Böckten
In Muttenz meldete Anfang 2025 eine Anwohnerin verdächtige Ameisen. Das Amt für Umweltschutz und Energie (AUE) bestätigte kurz darauf den Verdacht. Die Tiere hatten eine Superkolonie auf einem Schulareal und im angrenzenden Wohngebiet errichtet. Behörden informierten die Anwohnenden, kartierten den betroffenen Bereich und leiteten erste Massnahmen ein.
In Böckten entdeckte man den Befall, der vermutlich durch einen importierten Pflanzenkübel entstanden ist – ein typischer Einschleppungspfad. Hier setzte der Gemeindewerkhof zunächst heisses Wasser ein, um die Nester zu bekämpfen. Beide Fälle zeigen, wie eng der Pflanzenhandel mit der Ausbreitung gebietsfremder Arten verbunden ist.
Noch während die Arbeiten an diesem Bericht liefen, wurde in der Gewerbezone von Reinach ein zusätzlicher, über zehn Hektaren grosser Befall gebietsfremder Ameisen entdeckt.
Blick nach Deutschland
Auch rund um Karlsruhe kämpfen Gemeinden mit invasiven Tapinoma-Arten. Dort dringen die Ameisen in Häuser ein, lassen sich schwer beseitigen und verursachen hohe Sanierungskosten. Oft bleibt die Bekämpfung Privatsache, da gesetzliche Tilgungspflichten fehlen. Fachstellen aus den betroffenen Schweizer Kantonen tauschen sich inzwischen mit ihren deutschen Kolleginnen und Kollegen aus, um von deren Erfahrungen zu lernen.
Bekämpfungsstrategien
Bei einem Befall bestimmen Fachleute zuerst die Art und erfassen bei einer Begehung die Ausbreitung. Anschliessend informieren Kanton und Gemeinden die betroffenen Anwohnenden und klären die Verantwortlichkeiten. In der Regel übernehmen spezialisierte Schädlingsbekämpfungs-Firmen die Bekämpfung und das Monitoring.
Da nur wenige Fachpersonen Schädlingsbekämpfung über Erfahrung mit invasiven Ameisen verfügen, testen die Behörden derzeit Lösungen, bei denen lokales Personal unter fachlicher Anleitung arbeitet. Wichtig ist, die Ameisen nicht zu verschleppen. Belasteter Boden und Aushub darf deshalb nicht ohne weitere Massnahmen abtransportiert werden.
Ein Merkblatt erklärt privaten Gartenbesitzerinnen und Gartenbesitzern, wie befallenes Material korrekt behandelt werden soll. Die hohen Kosten und Aufwände bleiben eine Hürde: Führen professionelle Fachpersonen die Arbeiten aus, müssen Gemeinden und die Eigentümerschaft mit Kosten von 10'000 bis 20'000 Franken pro Hektar und Jahr rechnen. Kantonale Beiträge sind mangels Rechtsgrundlage nicht vorgesehen.
Gegenmittel
Neben chemischen Wirkstoffen setzen Fachleute zunehmend auf physikalische Methoden. Heisses Wasser oder Dampf können Nester wirksam und umweltschonend zerstören – besonders an sensiblen Orten wie Schulhäusern oder Gärten. Die Erfolgschancen hängen jedoch davon ab, wie gut die Bekämpfungsteams die Struktur und Tiefe der Nester kennen.
Fazit
Die Funde in Muttenz, Reinach und Böckten zeigen: Invasive gebietsfremde Tapinoma-Arten haben auch im Baselbiet Fuss gefasst. Ihre Superkolonien und die Vorliebe für trockenwarme Standorte, Gärten und Gebäude machen sie zu einem ernsten Risiko für Artenvielfalt, Bauten und Lebensqualität.
Werden Befälle frühzeitig gemeldet und mit geeigneten Massnahmen eingedämmt sowie eine weitere Verschleppung verhindert, kann das Risiko einer weiteren Ausbreitung der Ameisen erheblich verkleinert werden. Wenn Gemeinden und Privatpersonen gemeinsam und koordiniert vorgehen, steigen die Chancen deutlich, diese invasive Art wirksam in den Griff zu bekommen.
Text: Simon Amiet, Amt für Umweltschutz und Energie
Was können Gartenbesitzer gegen invasive Tapinoma-Ameisen tun?
Auch Privatpersonen können helfen, die Ausbreitung invasiver Ameisenarten wie Tapinoma nigerrimum zu bremsen oder einen beginnenden Befall selbst einzudämmen. Die folgenden Tipps haben sich bewährt:
- Garten naturnah gestalten: Tapinoma nigerrimum fühlt sich in trockenen, steinigen und offenen Bereichen wohl – zum Beispiel in Kiesbeeten, zwischen Trittplatten oder auf Sandflächen. Wer den Boden stattdessen dicht bepflanzt und begrünt, macht den Ameisen die Nestanlage deutlich schwerer.
- Heisses Wasser gegen Nester: Kleine Nester im Garten lassen sich gezielt mit heissem Wasser oder Dampf bekämpfen. Diese Methode wirkt vor allem bei oberflächennahen Nestern. Dabei muss darauf geachtet werden, Pflanzen nicht zu verbrühen und das Wasser möglichst direkt ins Nest zu giessen.
- Im Haus handeln: Dringen Ameisen ins Gebäude ein, können Kieselgur (ein feines, natürliches Silikatpulver) oder handelsübliche Ameisenköder helfen. Die Mittel müssen über mehrere Tage hinweg konsequent angewendet werden, um den Erfolg zu sichern.
- Frühzeitig Hilfe holen: Hält der Befall an oder breitet sich weiter aus, sollten frühzeitig Fachleute hinzugezogen werden. Je schneller reagiert wird, desto eher lassen sich grössere Schäden und kostspielige Bekämpfungsaktionen vermeiden.
zum Infoheft Nr. 224 / September 2025
|
Artname |
Verbreitung |
Besonderheiten |
|---|---|---|
| Tapinoma nigerrimum |
Ursprünglich westliches Mittelmeergebiet |
Die „Standard“-Art des Komplexes. Früher Sammelbegriff für alle. Weniger invasiv. |
| Tapinoma magnum | Mittelmeerraum, heute weit verbreitet in Mitteleuropa (z. B. Süddeutschland, Schweiz, Österreich, Frankreich) | Sehr invasiv, grosse Kolonien, aggressiv gegen andere Ameisen, oft in Gärten. |
| Tapinoma darioi | Westliches Mittelmeer, vor allem Iberische Halbinsel | Etwas kleiner, etwas weniger invasiv. Unterscheidung oft nur genetisch möglich. |
| Tapinoma ibericum | Fast ausschliesslich Iberische Halbinsel | Am wenigsten erforscht. Genetisch klar unterscheidbar, äusserlich aber sehr ähnlich. |