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In allen Farben und mit grossem Engagement – der Malerbetrieb Arxhof
Im Arxhof lernen Cloie und Lara ihren künftigen Beruf als Malerinnen.Ob Spritzanlage oder Tapezierarbeit: Im Malerbetrieb Arxhof lernen junge Menschen weit mehr als saubere Anstriche. Das Beispiel von Lara Michlig und Cloie Plattner zeigt, wie handwerkliche Ausbildung, persönliche Entwicklung und gelebte Normalität zusammenwirken.
Mit ruhiger Hand und Blick fürs Detail
In der Spritzanlage lackiert Lara Michlig konzentriert Metallplatten. Wenige Meter weiter hat Cloie Plattner soeben eine Kommode fertig gestrichen. Beide sind 18 Jahre alt, absolvieren das zweite Lehrjahr als Malerin EFZ und sind externe Lernende im Malerbetrieb des Arxhofs. Wer ihnen bei der Arbeit zuschaut, merkt schnell: Hier geht es um weit mehr als um Farbe, Fassaden und saubere Kanten.
Für Lara Michlig macht genau diese Vielseitigkeit den Reiz des Berufs aus. Sie arbeitet gerne mit den Händen und schätzt, dass im Alltag immer wieder neue Aufgaben und Situationen auf sie warten. Besonders gerne arbeitet sie in der Spritzanlage, etwa beim Lackieren von Motorenteilen, Metallkonstruktionen oder Fensterläden. Es ist diese Mischung aus Präzision, Handwerk und sichtbaren Resultaten, die sie motiviert.
Auch Cloie Plattner erlebt den Beruf als abwechslungsreich und kreativ. Sie arbeitet gerne mit Farben – drinnen wie draussen. Besonders gefallen ihr das Tapezieren und das Streichen von Wänden. Am Tapezieren fasziniert sie, dass mit Mustern und Stoffen gearbeitet wird und ein Raum dadurch auch gestalterisch aufgewertet werden kann.
Lernen im echten Arbeitsalltag
Beide Lernenden schätzen bei ihrer Lehre die praktische Arbeit, der Berufsschulunterricht hingegen sei manchmal eine Herausforderung, insbesondere Mathematik.
Cloie betont, wie wichtig die Zusammenarbeit mit anderen ist. Lara hebt hervor, dass sie im Betrieb nicht nur Arbeitsschritte einübt, sondern das Handwerk besser versteht: Warum wird etwas auf eine bestimmte Weise gemacht? Welchen Zweck hat ein Arbeitsschritt? Und wie lässt sich dieses Wissen auf neue Situationen übertragen?
Dass der Arxhof ein besonderer Ausbildungsort ist, erlebt Lara ganz konkret. Die Zusammenarbeit mit ganz unterschiedlichen Menschen gehöre dazu, sagt sie. Sie habe gelernt, Dinge anzusprechen, wenn sie mit etwas nicht einverstanden sei. Gleichzeitig bekomme sie auch den Massnahmenalltag mit – etwa, wenn ein interner Lernender wegen einer Disziplinierung bei der Arbeit fehlt oder unmotiviert ist. Gerade das macht die Arbeit anspruchsvoll, aber auch lehrreich.
Mehr als Handwerk
Der Malerbetrieb Arxhof steht exemplarisch für das, was die Berufsbildung auf dem Arxhof ausmacht. In der Malerei geht es um Menschen, um Entwicklung und um Chancen. Ausgebildet werden interne und externe Lernende, eng begleitet und fachlich wie persönlich gefördert.
Vermittelt wird das, was gutes Malerhandwerk wirklich braucht: ein Auge für Details, Ausdauer, Verantwortung und Teamgeist. Viele dieser Fähigkeiten entstehen erst im Tun – und genau dafür schafft der Betrieb den Raum. Ob Maler/in EFZ, Malerpraktiker/in EBA oder ein Individuelles Qualifikationszertifikat Arxhof (IQZ): Jede Person erhält eine Perspektive, die zu ihr passt.
Gleichzeitig arbeiten die Lernenden an echten Kundenaufträgen. Sie erleben, wie rasch sich eine Tagesplanung ändern kann, wie wichtig saubere Vorarbeit ist und wie sehr man sich im Team aufeinander verlassen können muss. Genau dort entstehen Professionalität und Selbstvertrauen. In der Malerei können bis zu acht Lernende gleichzeitig begleitet und damit aktiv zur Nachwuchsförderung beigetragen werden.
Normalität als gelebtes Prinzip
Diese Praxis steht auch für ein zentrales Prinzip des Arxhofs und des Massnahmenvollzugs generell: das Normalitätsprinzip. Alle Eingewiesenen absolvieren während ihrer Massnahme eine Berufsausbildung. Gleichzeitig ist der Arxhof ein staatlicher Lehrbetrieb, in dem bis zu 16 externe Lernende aus der Region gemeinsam mit Eingewiesenen ihre Lehre absolvieren.
Was anspruchsvoll klingt, funktioniert seit Jahren zuverlässig. Der Alltag ist klar strukturiert: Arbeitsaufträge werden geplant, Prozesse eingehalten, Qualität und Arbeitssicherheit überprüft. Es zählen Pünktlichkeit, Sorgfalt, Tempo, Teamarbeit und ein respektvoller Umgang – so, wie es auch ausserhalb des Vollzugs erwartet wird.
Gerade diese Nähe zur normalen Arbeitswelt ist beabsichtigt. Sie schafft Begegnungen, stärkt fachliche und soziale Kompetenzen und macht Erwartungen sichtbar, die später auch draussen gelten. Externe Lernende bringen zusätzliche Orientierung in den Alltag, während Eingewiesene erleben, was es heisst, verlässlich Teil eines Teams zu sein. Umgekehrt lernen auch die externen Lernenden, anspruchsvolle Situationen anzusprechen, klar zu kommunizieren und Menschen nicht vorschnell auf ihre Geschichte zu reduzieren.
Sichtbar, spürbar, nachhaltig
Der Malerbetrieb Arxhof zeigt eindrücklich, wie berufliche Bildung, Nachwuchsförderung und Resozialisierung zusammenwirken können. Jede lackierte Metallplatte, jede gestrichene Wand und jedes fertiggestellte Möbelstück stehen nicht nur für handwerkliche Qualität, sondern auch für Entwicklung und Perspektiven. Gute Ausbildung wirkt – sichtbar, spürbar und nachhaltig.
Bericht: Francesco Castelli, Direktor Arxhof, Massnahmenzentrum für junge Erwachsene, Amt für Justizvollzug, Sicherheitsdirektion
Lara Michlig, Lernende Malerin EFZ im 2. Lehrjahr, bei Lackierarbeiten in der Spritzanlage des Arxhofs.
Cloie Plattner, Lernende Malerin EFZ im 2. Lehrjahr, nach dem Streichen einer Kommode im Malerbetrieb Arxhof.