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15 Jahre Begrüssungsgespräche – erste Begegnungen, die bleiben
Das Begrüssungsteam: Alle bringen einen grossen Erfahrungsschatz mit und decken gemeinsam 13 Sprachen ab.Seit 2011 heisst das Begrüssungsteam neu zugezogene Menschen im Baselbiet willkommen – persönlich, mehrsprachig und oft als erster Kontakt mit der kantonalen Verwaltung.
Seit April 2011 führt das kantonale Migrationsamt Basel-Landschaft persönliche Begrüssungsgespräche mit neu eingereisten, nicht deutschsprachigen Personen durch. Rund tausend Gespräche finden jedes Jahr statt. Viele dieser ersten Begegnungen wirken nach: Immer wieder erkennen Zugezogene Jahre später Mitarbeitende des Begrüssungsteams auf der Strasse und erinnern sich an das Gespräch.
Besonders an diesem Jubiläum: Mit Jehona Baumann, Rubén Camacho und Evgenia Dushina Meyer besteht das Begrüssungsteam bis heute aus denselben drei Personen wie 2011. Sie bringen einen grossen Erfahrungsschatz mit und decken gemeinsam 13 Sprachen ab. Die Gespräche dauern 30 bis 60 Minuten und bieten eine erste Orientierung im neuen Alltag: Wie funktioniert das Leben in der Schweiz? Wo finde ich einen Deutschkurs? Welche Rechte und Pflichten gelten? Ergänzend erhalten die Teilnehmenden mehrsprachige Informationen, zum Beispiel via www.hallo-baselland.ch.
Ein wichtiger Schwerpunkt ist die Verständigung im Alltag. Das Team motiviert Neuzugezogene, Deutsch zu lernen und passende Angebote zu nutzen – als Grundlage für Arbeit, Ausbildung und soziale Kontakte. Gleichzeitig werden die Teilnehmenden ermutigt, ihre individuellen Fragen zu stellen.
Was 2011 als Versuch im damaligen Amt für Migration in Frenkendorf begann, ist heute fester Bestandteil der kantonalen Integrationsarbeit. Seit 2025 ist das Begrüssungsteam Teil der Fachabteilung Integration im Amt für Migration, Integration und Bürgerrecht in Pratteln. Die Nähe zwischen operativer Praxis und strategischer Steuerung stärkt die Weiterentwicklung des Angebots.
Die Gespräche schaffen Vertrauen, geben Sicherheit und erleichtern den Start im Baselbiet. 15 Jahre Begrüssungsgespräche bedeuten vor allem eines: viele erste Begegnungen – und einige, die bleiben.
Rubén Camacho, Sie begrüssen seit 15 Jahren neu zugezogene Menschen im Baselbiet. Was macht diese Arbeit für Sie besonders?
Ich dachte anfangs, vieles werde mit der Zeit Routine. Aber im Gegenteil: Jedes Gespräch ist anders, jede Person bringt ihre eigene Geschichte, ihre Fragen und Erwartungen mit. Diese Arbeit führt dazu, dass wir uns ständig neues Wissen aneignen. Heute bin ich in der Lage, fast jede Frage zu beantworten oder an die richtige Stelle zu verweisen. Die Leute haben heute zwar mehr Zugang zu Informationen als früher, trotzdem entstehen im Gespräch neue Fragen.
In den letzten 15 Jahren habe ich mehrere Tausend Menschen begrüsst – langweilig wurde es nie. Mir ist wichtig, die Menschen nicht einfach mit Informationen zu bombardieren. Ich frage zuerst: «Wie geht es Ihnen? Wie fühlen Sie sich hier?» So entsteht oft ein echter Austausch und Vertrauen.
Wie wichtig ist es, Menschen gleich zu Beginn persönlich und in ihrer eigenen Sprache zu informieren?
Das ist sehr wichtig. Viele sind überrascht, dass sie vom Kanton persönlich begrüsst werden. Wenn Menschen Informationen in ihrer Muttersprache erhalten, fühlen sie sich sicherer und können ihre Fragen offen stellen. Wichtige Informationen kommen besser an. In diesem Beruf ist das Herz sehr wichtig. Man muss empfänglich sein für kleine Dinge und für die Empfindungen der Menschen. Wenn eine Begegnung von Herzen kommt, merken die Leute das – und das hat einen Impact.
Welche Themen beschäftigen die Menschen besonders häufig?
Familien fragen oft nach Schule, Kindergarten oder Kita. Einzelpersonen eher nach Arbeit, Lohn oder Sozialversicherungen. Viele möchten einfach verstehen, wie das Leben hier funktioniert und an wen sie sich wenden können. Häufig hören wir später nochmals von ihnen. Einige möchten dann ganz bewusst wieder mit Herrn Camacho sprechen. Das zeigt mir, wie wichtig dieser erste Kontakt ist.
Gibt es eine Begegnung, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?
Ein Mann aus Syrien sagte mir einmal vor seinen Kindern, alles sei zu schwierig und er sehe keine Zukunft für sich. Ich sagte ihm, dass ich seine Sorgen verstehe, er aber trotz allem ein Vorbild für seine Kinder sei. Wenn er die Hoffnung verliere, würden seine Kinder das vielleicht übernehmen. Jahre später traf ich ihn zufällig auf der Strasse. Inzwischen hatte er eine Ausbildung als Coiffeur abgeschlossen. Er sagte zu mir: «Ich habe nie vergessen, was Sie damals gesagt haben.» Später hat er mir tatsächlich einmal die Haare geschnitten. Dieser Moment und diese Dankbarkeit sind mir bis heute geblieben.
Bericht und Interview: Annina Schmid, wissenschaftliche Mitarbeiterin FIBL, Amt für Migration, Integration und Bürgerrecht, Sicherheitsdirektion (Fotos: FIBL, Amt für Migration, Integration und Bürgerrecht)
Rubén Camacho stammt aus Bolivien und lebt seit 1997 in der Schweiz. Seit 15 Jahren arbeitet er als Begrüsser und in weiteren Funktionen beim Kanton Basel-Landschaft.