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So digital arbeitet die Steuerverwaltung

Michael Schwaller, Vorsteher Steuerverwaltung im Gespräch mit Christian Hablützel, stv. Vorsteher Steuerverwaltung (Foto: Yvonne Luginbühl)Michael Schwaller, Vorsteher Steuerverwaltung und Christian Hablützel, stv. Vorsteher Steuerverwaltung

Kürzlich wurde die Beantwortung des Postulats "Digitale Steuererklärung für juristische Personen" an den Landrat überwiesen. Wie digital ist die Steuerverwaltung?

Die Steuerverwaltung trägt mit ihrer Digitalisierungsstrategie zur digitalen Transformation bei. Für die Steuerkundschaft ist allerdings nur ein Teil direkt erkennbar, da ein wesentlicher Teil auch die Prozesse hinter den Kulissen betrifft. Für unsere Kundschaft digital und sichtbar ist beispielsweise die im Jahr 2023 erfolgreich eingeführte Deklarationslösung E-Tax BL. Rund 65 Prozent der natürlichen Personen reichen ihre Steuererklärung heute vollelektronisch ein, also zusammen mit den erforderlichen Belegen digital und damit papierlos. Etwa 35 Prozent geben die Steuererklärung noch auf Papier ab, ausgedruckt aus E-Tax BL (27 Prozent) oder handschriftlich ausgefüllt (8 Prozent).  

Ein doch sehr grosser Teil der Steuerkundschaft reicht also die Steuererklärung noch in Papierform ein. Was geschieht mit den Papiereinreichungen?

Derzeit tun dies rund 60'000 Steuerpflichtige. Die Steuerverwaltung scannt diese Unterlagen vollständig ein und bereitet sie für die Veranlagung auf. Dazu gehört die rasche Erfassung des Eingangs einer Steuererklärung, um ungerechtfertigte Mahnungen zu verhindern. Auch die Qualitätssicherung ist ein Thema, dem wir hohe Beachtung schenken. Insgesamt scannen wir im Jahr rund 3,5 Millionen Seiten ein. 

Gibt es Bestrebungen, die Steuererklärung in Papierform abzuschaffen?

Wir wollen unsere Kundschaft, die E-Tax BL nutzt und danach die Steuererklärung ausdruckt, von den Vorteilen und Vorzügen der vollelektronischen Einreichung überzeugen. Ausserdem haben wir festgestellt, dass die Anzahl Belege, die mit der Steuererklärung einzureichen sind, ein Hindernis für die vollelektronische Einreichung darstellen kann. Hier wollen wir auch ansetzen und bei der Digitalisierung unterstützen, zum Beispiel mittels einer automatisierten Belegerkennung und einer Reduktion der erforderlichen Belege.  

Welche weiteren digitalen Lösungen gibt es?

Seit Anfang Jahr steht für die Quellensteuerabrechnung die Onlinelösung E-Quellensteuer zur Verfügung. Sie ist ähnlich wie E-Tax BL aufgebaut und über das BL-Konto aufrufbar. Fristverlängerungsgesuche können schon länger online beantragt werden. In der Regel werden diese innert Sekunden bewilligt. 2025 haben wir knapp 80'000 Fristerstreckungsgesuche verarbeitet, davon rund 45'000 elektronisch und 35'000 manuell. Auf unserer Webseite www.steuern.bl.ch stehen zudem diverse Möglichkeiten für die elektronische Kontaktaufnahme oder die Bestellung von Einzahlungsscheinen oder weitere Anliegen zur Verfügung. Auch bieten wir seit dem Jahr 2010 eBill für Rechnungen und Veranlagungsverfügungen von natürlichen Personen an. 

Was ist für die Zukunft geplant?

E-Tax BL soll in absehbarer Zeit wie die E-Quellensteuer an das BL-Konto angebunden werden. Und für juristische Personen wollen wir eine Online-Deklarationslösung beschaffen, mit der die Jahresrechnung elektronisch übermittelt werden kann, also eine «E-Bilanz». Ein lang gehegter Wunsch ist zudem die Einführung eines E-Steuerkontos, in dem man zum Beispiel seine Steuerzahlungen einsehen kann. In diesem Jahr wollen wir auch die Automatisierung in der Veranlagung weiterführen. Und wir starten ein Projekt, das es uns erlauben soll, in der Veranlagung KI einzusetzen. Dazu wollen wir zuerst einen klaren rechtlich Rahmen schaffen, die technischen Rahmenbedingungen klären und die Einhaltung des Datenschutzes sicherstellen. 

Was bedeutet das für die Mitarbeitenden?

Die Mitarbeitenden sollen von Routinearbeiten entlastet werden und so mehr Zeit für die komplexen Steuerveranlagungen und Anfragen von Kundinnen und Kunden haben. Auch die Qualitätssicherung soll damit weiter gefördert werden. Mit der Digitalisierung wollen wir das Mengenwachstum so gut es geht abfedern. Dazu werden wir auch unsere Arbeitsprozesse anpassen müssen und – ganz wichtig – unsere Mitarbeitenden abholen und schulen. Deshalb planen wir die Veränderungen in Etappen über mehrere Jahre. 

Interview: Martina Rupp, Kommunikationsleitung Finanz- und Kirchendirektion (Foto: Yvonne Luginbühl)