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Normalität ermöglichen: Berufsausbildung, die wirkt
Der Metallbau im Arxhof
Die Schreinerei im ArxhofAlle unsere Eingewiesenen absolvieren während ihrer Massnahme eine Berufsausbildung. Gleichzeitig sind wir ein staatlicher Lehrbetrieb: Bis zu 16 externe Lernende – junge Frauen und Männer aus der Region – durchlaufen ihre Lehre in unseren Betrieben gemeinsam mit den Eingewiesenen.
Was anspruchsvoll klingt, funktioniert seit Jahren zuverlässig. Der Alltag ist klar strukturiert: Arbeitsaufträge werden geplant, Prozesse eingehalten, Qualität und Arbeitssicherheit geprüft. Es zählen Pünktlichkeit, Sorgfalt, Tempo, Teamarbeit und ein respektvoller Umgang. Genau diese Nähe zur normalen Arbeitswelt ist beabsichtigt. Sie schafft Begegnungen, stärkt fachliche und soziale Kompetenzen und macht Erwartungen sichtbar, die später auch draussen gelten.
Ein Eingewiesener beschreibt, wie sich Zugehörigkeit entwickelt: «Zu Beginn hatte ich mit den Strukturen Mühe und war dadurch nicht so viel im Betrieb anwesend. In dieser Zeit fühlte ich mich nicht als Teammitglied. Inzwischen bin ich regelmässig bei der Arbeit und fühle mich als vollständiges Teammitglied.» Ein anderer hebt den Vorbildcharakter der externen Lernenden hervor: «Ich merke, dass die externen Lernenden in meinem Betrieb reifer sind als ich – sie sind weiter in der Verantwortungsübernahme, Selbstständigkeit, Ordnung, im Einhalten von Vorgaben und lassen sich nicht so schnell ablenken. Das gibt mir Orientierung, und ich kann schauen, dass ich das auch so umsetze – unabhängig davon, ob die Externen weiblich oder männlich sind.» Und ein weiterer Eingewiesener ergänzt den stabilisierenden Effekt der Durchmischung: «Ich habe mit den externen Lernenden sogar einen besseren Kontakt als mit Miteingewiesenen. Ich merke, wie mich die externen Lernenden positiv beeinflussen. Das hilft mir, mich neu zu orientieren und nicht wieder ins alte Fahrwasser zu gelangen.»
Auch für externe Lernende ist die Erfahrung prägend. Eine lernende Person sagt: «Ich finde es anspruchsvoll, wenn Eingewiesene herausforderndes Verhalten zeigen. Dabei habe ich gelernt, dass es wichtig ist, gewisse Sachen anzusprechen. So konnte ich in Kommunikation und sozialen Kompetenzen einiges lernen.» Und sie fügt hinzu: «Für mich war es von Beginn weg kein Problem – eher mein privates Umfeld erschrak, als ich erzählte, in welchem Betrieb ich meine Ausbildung mache.» Und: «Auch dass es wichtig ist, jemandem weitere Chancen zu geben, ist ein Lerneffekt für mich.»
Wir bieten aktuell sieben Berufsausbildungen auf EFZ- oder EBA-Niveau an. Wo ein formaler Abschluss (noch) nicht realistisch ist, machen wir Kompetenzen trotzdem sichtbar: mit dem Individuellen Qualifikationszertifikat Arxhof (IQZ). Es dokumentiert praxisnah, was im Arbeitsalltag gelingt – und unterstützt zusammen mit einem Arbeitszeugnis den Übergang in eine Anschlusslösung. Das schafft Klarheit für Betriebe und erhöht die Chancen auf eine Anstellung.
Diese Form der Durchmischung zeigt eindrücklich, dass Normalität nicht nur ein Konzept, sondern gelebte Realität und gerade im Vollzug ein wichtiger Faktor für die Resozialisierung ist. So setzen wir Tag für Tag um, was das Normalitätsprinzip im Strafvollzug fordert: Ein Arbeits- und Ausbildungsumfeld, das so nahe wie möglich an der gesellschaftlichen Realität orientiert ist – und damit echte Chancen für die Zukunft eröffnet.
Francesco Castelli, Direktor Arxhof, Sicherheitsdirektion (SID) (Fotos. zVg Arxhof)