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Erdwärme im Gleichgewicht halten
Wie der Kanton Basel-Landschaft die nachhaltige Nutzung von Erdwärmesonden sichert

Erdwärmesonden versorgen immer mehr Gebäude im Baselbiet mit klimafreundlicher Wärme. Der Untergrund muss künftig anders als bisher bewirtschaftet werden – nur wenn ihm genügend Energie zurückgeführt wird, bleibt er eine langfristige Energiequelle. Eine neue kantonale Grundlage zeigt, wie der Kanton Basel-Landschaft eine nachhaltige Nutzung sicherstellt – mit klaren Regeln, gezielter Förderung und vorausschauender Planung.
Wärmepumpen mit Erdwärmesonden (EWS) gehören zu den effizientesten und klimafreundlichsten Heizsystemen. Besonders im Winter arbeiten sie deutlich effizienter als Luft-Wasser-Wärmepumpen und brauchen rund ein Viertel weniger Strom. Damit tragen sie wesentlich dazu bei, CO₂-Emissionen zu senken und die Versorgungssicherheit zu stärken – denn Strom ist im Winter knapp und teuer. Entsprechend wächst ihre Zahl in der Schweiz stetig. Im Kanton Basel-Landschaft sind heute rund 2'500 EWS-Anlagen in Betrieb, jedes Jahr kommen etwa 130 neue hinzu.
Doch das Wachstum hat Grenzen: Der Untergrund ist keine unerschöpfliche Wärmequelle. Wird über Jahre mehr Energie entzogen, als natürlich nachfliesst – etwa, wenn die Abstände zwischen benachbarten Anlagen zu gering sind –, kühlt der Boden zunehmend aus. Fachleute sprechen dann von einer thermischen Übernutzung. Im Extremfall sinkt die Leistung der Anlagen, es drohen Effizienzverluste oder teure Sanierungen. Hier setzt der neue Grundlagenbericht Regeneration von Erdwärmesonden an, den das Amt für Umweltschutz und Energie gemeinsam mit mehreren Kantonen und Fachinstitutionen erarbeitet hat.
Warum Regeneration nötig ist
Erdwärmesonden entziehen dem Boden vor allem im Winter Wärme. Ohne Gegenmassnahmen bildet sich um jede Sonde ein abgekühlter trichterförmiger Bereich, der sich mit den Jahren ausbreitet. Liegen mehrere Anlagen nahe beieinander, überlagern sich diese Zonen und das Erdreich kann sich nicht mehr ausreichend erholen.
Um die Auskühlung zu stoppen oder zu verlangsamen, muss dem Boden Wärme zurückgeführt werden – die Erdwärmesonde wird also regeneriert. Das kann etwa über Solarkollektoren, Abwärme aus Gebäudekühlung, Luft-Wärmetauscher oder sogenanntes Geocooling geschehen. Dabei wird überschüssige Wärme im Sommer ins Erdreich geleitet, sodass die Bodentemperatur stabil bleibt.
Die Situation im Baselbiet
Im Kanton Basel-Landschaft sind derzeit rund 2'500 Wärmepumpen mit Erdwärmesonden in Betrieb – etwa vier Prozent aller Heizungen. Besonders verbreitet sind sie in Wohnquartieren mit Ein- und kleinen Mehrfamilienhäusern. Noch besteht keine flächendeckende Übernutzung. Doch in einzelnen Quartieren könnte sie ohne Gegenmassnahmen künftig auftreten.
Bleibt der heutige Zubau von rund 130 Anlagen pro Jahr bestehen, könnte sich deren Zahl bis 2050 mehr als verdoppeln. Das würde in vielen Gebieten zu hoher Anlagendichte und flächendeckender thermischer Übernutzung führen.
Empfehlungen für eine nachhaltige Nutzung
Der Bericht zeigt, dass sich eine Übernutzung mit einfachen Massnahmen vermeiden lässt. Dazu gehören längere oder zusätzliche Bohrungen (Mehrlänge) sowie eine teilweise Regeneration durch Rückführung von Wärme ins Erdreich. Bereits eine Rückführung von rund 15 Prozent Wärme in Kombination mit 20 bis 30 Prozent zusätzlicher Sondenlänge genügt oft, um den Boden im Gleichgewicht zu halten. Die Mehrkosten von rund 25 bis 35 Prozent sichern eine dauerhaft funktionierende und nachhaltige Wärmeversorgung.
Für grössere Anlagen mit vielen Sonden empfiehlt die Studie eine weitgehende oder vollständige Regeneration. Diese ist häufig auch wirtschaftlich sinnvoll, da dadurch weniger Bohrmeter erforderlich sind.
Neue gesetzliche Anforderungen
Die Norm SIA 384/6 «Erdwärmesonden» regelt in der Schweiz die Planung, Dimensionierung und Ausführung von EWS-Anlagen. Alle in der Branche kennen das Risiko einer thermischen Übernutzung. Doch die Planenden können dies bisher nur begrenzt verhindern. Erfahrungen der letzten Jahre zeigen: Zu wenige EWS-Anlagen werden regeneriert, um Übernutzung langfristig zu vermeiden.
Ein politischer Vorstoss im Baselbiet hat deshalb zu einer Änderung des kantonalen Energiegesetzes geführt – eine schweizweite Premiere. Nun kann der Regierungsrat Gebiete festlegen, in denen neue EWS-Anlagen zwingend regeneriert werden müssen. Die Regeneration mittels Solarthermie wird über das Förderprogramm Baselbieter Energiepaket unterstützt. Ziel ist eine vorausschauende und koordinierte Planung, um Konflikte und spätere Sanierungen zu vermeiden. Zudem sollen Hausbesitzende frühzeitig informiert werden. Im kantonalen Geoportal werden Zonen mit hoher Anlagendichte sichtbar gemacht, damit Bauherrschaften und Planende rasch erkennen, wo besondere Anforderungen gelten.
Fazit
Erdwärmesonden bleiben ein zentraler Pfeiler der Energiewende – effizient, erneuerbar und lokal verfügbar. Ihr Potenzial bleibt jedoch nur erhalten, wenn der Boden sorgfältig bewirtschaftet wird. Die neue Grundlagenstudie zeigt, wie kritische Gebiete frühzeitig erkannt und bewirtschaftet werden können. Klare Regeln, gezielte Förderung und gute Planung stellen sicher, dass im Baselbiet Erdwärme auch künftig zuverlässig genutzt werden kann.
Text: Roland Wagner, Amt für Umweltschutz und Energie, Bau- und Umweltschutzdirektion