4. Das Birseck - Zufluchtsort und Neuland


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Meistens beschäftigen sich Historiker weniger mit stabilen Phasen einer Gesellschaft als mit den Veränderungen und Entwicklungen. Das untere Birstal war seit dem Anschluss Basels an die Eidgenossenschaft immer auch Entwicklungsland für Neues. Die Stadt Basel hatte nach der Reformation den Bischof vertrieben. Der Fürstbischof musste sich neu orientieren. Seine Vision, die Schaffung eines neuen Verwaltungszentrums für das Bistum, setzte er in Arlesheim um. In kaum geringerem Rahmen huldigte Balbina von Andlau einer neuen Gartenarchitektur, welche als «Eremitage» die gewachsene Natur in den Vordergrund stellt. Im Tal betreten später andere kluge Köpfe mit ihren Ideen technisches Neuland. Schöpfungskraft und der Glauben an den technischen Fortschritt sind auf dieser Wegstrecke zu erleben.

 


 

Ein Interview mit Bischof Johann Conrad von Roggenbach

Arlesheim, 1678. 30 Häuser, etwa 300 Einwohner, die vom Acker und Rebbau leben. Die besten Landstücke gehören auswärtigen Gutsherren, an Martini (11. November) muss der «Zehnten» (1/10 des Ernteertrags) abgeliefert werden. Die Bevölkerung ist arm. Viele junge Männer werden zum Kriegsdienst eingezogen. Der Vogt auf Schloss Birseck wahrt die Interessen des Fürstbischofs, der seit der Reformation in Pruntrut residiert. Sein Domkapitel wohnt weit weg in Freiburg im Breisgau. Die Machtstrukturen sind daher verzettelt, eine straffe Führung des Bistums unmöglich. Bischof Roggenbach will sein Domkapitel nach Arlesheim verlegen.


Herr Bischof, warum ausgerechnet nach Arlesheim?
Nun, wissen Sie, ich brauche einen sicheren und zentralen Ort, um meinem Bistum als guter Hirte vorstehen zu können. Es geht nicht mehr an, dass meine Domherren in Freiburg amtieren, wo die politischen Verhältnisse instabil sind und ich selber weit ab vom geografischen Zentrum des Bistums. Ich brauche wieder die Nähe zur Stadt und kann hier auch auf den Schutz der Eidgenossen zählen. Zudem ist Arlesheim ein schöner, lustiger und gesunder Ort.


Wie wollen Sie denn Ihr Domkapitel unterbringen, immerhin sind das doch einige Leute, die hierher ziehen sollen?
Sie haben Recht, ganz so einfach wird das nicht sein. Wir werden erst die nötige Infrastruktur herstellen müssen. Dennoch: Wir wollen schnell weg von Freiburg - man gewährt uns endlich freien Abzug - das sollten wir nutzen. Für den Weihbischof habe ich das Haus des solothurnischen Amtsschreibers in Dornach an der Brugg gemietet, das ist nicht weit von hier. Die 12 Kapitulare und die 8 Kaplane werden vorerst bei den Bauern wohnen müssen. Das wird ihnen etwas unangenehm sein, aber anders geht es nun mal nicht. Ich habe auch veranlasst, dass die Juden den Ort verlassen, das gibt für uns weiteren provisorischen Platz. Für den Gottesdienst muss die Pfarrkirche genügen. Ich selber bleibe vorerst noch auf meinem Schloss in Pruntrut.


Haben Sie schon einen Bauplatz ins Auge gefasst und wie sehen Sie die weitere Entwicklung des Ortes?
Nun, ich habe mit dem Weihbischof und einigen Domherren verschiedene Standorte evaluiert und wir sind zum Schluss gekommen, dass die nach Süden ausgerichtete Anhöhe - also links vom Bach - bestens geeignet ist für den Bau eines Doms und dem dazugehörenden Kapitelhaus sowie der Wohnbauten. Weiter brauchen wir eine Trotte und eine Kornschütte, die aber nicht unbedingt da oben stehen müssen. Ich denke, dass wir in den nächsten Jahren eine repräsentative Anlage entstehen lassen, die städtische Züge aufweisen wird. Arlesheim als Gegenpol zu Basel - auch aus politisch-religiöser Sicht betrachtet - ist für mich schon eine Notwendigkeit, um das Bistum zu festigen.


Also sozusagen eine neue Stadt. Kann sich das Bistum das leisten?
Das ist eine etwas heikle Angelegenheit, das Bistum ist nicht reich. Von meinen Untergebenen wird schon eine gewisse Opferbereitschaft gefordert. Es wird nicht ohne Bausteuer gehen. Aber: Es wird über Jahre sichere Arbeitsplätze geben und letztendlich Wohlstand bringen. Wir alle müssen uns bewusst sein, dass wir hier in die Zukunft der Region investieren.


Wie ist Ihr Zeitplan?
Am 5. Dezember wird als erster der Weihbischof in Dornachbrugg einziehen. Die Domherren samt Dienerschaft beziehen ihre Unterkünfte in Arlesheim ab dem 18. Dezember. Der Vogt wird ihnen die Wohnungen und Abstellräume zuweisen. Weihnachten werden wir alle hier gemeinsam feiern. Als Baumeister habe ich Jakob Engel aus Eichstätt gewinnen können. Im November des nächsten Jahres soll Baubeginn sein. Die Zeit bis dahin brauchen wir für die gesamte Planung. Ich denke, dass ich dann selber auch in Arlesheim Wohnsitz nehme, um die Arbeiten zu überwachen und Künstler für die Ausschmückung des Doms zu verpflichten. Wir werden mit allen Kräften daran arbeiten, den Dom bis in zwei Jahren fertig zu haben.


Herr Bischof, ich danke Ihnen für das Gespräch.



Die Domanlage mit Verwaltungsgebäuden und Gärten.


Bischof Roggenbach

Soweit das Interview. Der Dom wurde am 26. Oktober 1681 eingeweiht, die Glocken im Juli 1682 aufgezogen. Die schnelle Bauweise liess bald einmal schwere Schäden zu Tage treten. Sanierungsarbeiten und Umbauten waren die Folge. 1759 wurde eine umfassende Restauration unter der Leitung von Franz Anton Bagnato durchgeführt und eine Orgel des bekannten Orgelbaumeisters Johann Andreas Silbermann aus Strassburg eingebaut. Der Dombezirk wurde nie erweitert. Das Domkapitel blieb bis 1792 in Arlesheim. Als die Franzosen den Nordteil des Fürstbistums besetzten, flohen die Domherren und kehrten nie mehr hierher zurück. 1812 wurde der Dom zur Pfarrkirche.



 

Die vollkommene Natur

Während der französische Barockgarten auf dem Kontinent um die Mitte des 18. Jahrhunderts seine reichste Entfaltung fand, entstand in England der Landschaftsgarten als nicht streng architektonisch geplantes Gelände. Ganz bewusst wurde die Natur selbst zum Massstab aller Werte der Schönheit. Voraussetzung für die Übernahme des englischen Landschaftsgartens in Frankreich, Deutschland, Österreich und auch Polen schufen die Naturphilosophen jener Zeit: Voltaire, Rousseau, Schopenhauer und Herder.


Auch die Schweiz lieferte für diese Bewegung wichtige Impulse. Albrecht von Hallers Epos «Die Alpen» von 1729 gab der Rückkehr zur Natur, weg vom Wohn- und Kleiderluxus jener Zeit, einen mächtigen Anstoss. Haller verband die Freiheit der Natur mit der Freiheit des Menschen: «Seht ein verachtet Volk zur Müh und Arbeit lachen, die mässige Natur allein kann glücklich machen». Dichter und Denker wie Rousseau, Gessner, Klopstock, Claudius, Lavater und Pestalozzi - sie alle riefen nach Einfachheit, Volkstümlichkeit und Natürlichkeit. Eremitagen (Eremit=Einsiedler) gab es in der Gartenkunst bereits im 16. Jh. als höfischen Ort der Besinnung. Im 18. Jh. schliesslich dienten sie nur noch rein profanen Zwecken, sie wurden um des Ver-gnügens willen angelegt. Die Eremiten, auch Waldbrüder genannt, ihre Klausen und Kapellen wurden zur reinen Dekoration. Die Eremiten waren weder Geistliche noch Ordensbrüder, sondern sogenannte Ziereremiten. Vielerorts wurden auch mechanische Puppen aufgestellt.


Der Schritt vom Naturgarten zum Vergnügungspark war getan. In den Gärten entstanden künstliche Grotten und Wasserfälle, man baute Burgruinen und Teile römischer Tempel, maurische Höfe, chinesische Pagoden, Alphütten. Parallelen mit den heutigen Vergnügungsparks, etwa dem Europapark, sind durchaus gegeben. Auch die «Macher» der Gartenbauausstellung Grün 80 verfolgten den Weg zur künstlichen Natur konsequent: Der Merian'sche Naturgarten wurde mit einem Trockenbiotop ergänzt, es wurden künstliche Seen und ein Wasserlauf erstellt sowie ein Hügel aufgeschüttet. Als Bote längst vergangener Zeit grüsst ein Saurier über den Autobahnzubringer.



Das Schweizer Chalet in der Eremitage,
erbaut 1787 und bereits 1793 wieder zerstört.


Die Eremitage in Arlesheim ist der grösste englische Landschaftsgarten in der Schweiz. Er wurde 1785 eröffnet. Initianten oder Urheber der Anlage waren Balbina von Andlau-von Staal, Gattin des bischöflichen Landvogts, und ihr Vetter, der Domherr Heinrich von Ligerz. Angelegt hat den Garten wohl der Oberhofmarschall und Neffe des Fürstbischofs, Baron Adam Franz Xavier von Roggenbach. Die drei standen unter dem Einfluss der englischen Gartentheoretiker Mason und Whately, deren Werke damals zum Teil auch in französischer und deutscher Sprache erschienen waren. Ausgangspunkt zur Schaffung der Gartenanlage war der Kauf des ehemaligen Flachsländischen Schlösschens am Dorfrand von Arlesheim als neuer Amtssitz für den Baron von Andlau. Das unbequeme und allmählich baufällige Schloss Birseck wurde aufgegeben. Der Bau der Anlage, d.h. das Anlegen der Wege und der wenigen Bauten war eine willkommene Beschäftigung für die schlecht verdienenden Landarbeiter. Die Eremitage wurde eine Hauptattraktion für Reisende aus ganz Europa, die hier auf dem Weg von oder nach Basel einen Halt machten. Bewunderer der Anlage schätzten die schöne Natur mit den Felsenklippen und Höhlen, «die nicht durch überflüssige Verzierungen und Verschönerungen überladen seien». Dennoch ging es nicht ohne künstliche Eingriffe.


Der romantische Zeitgeist zeigte bald auch in der Arlesheimer Eremitage seine Auswirkungen. Auch hier wurde ein Wasserfall gebaut, auch hier entstand eine Eremiten-Hütte, eine Diana-Grotte, eine künstliche Turmruine als «Temple de l'amour» mit gotischer Inschrift und einer Bildsäule des Liebesgottes im Innern. Vorbei an den Apollogrotten gelangte man über eine Hängebrücke zur Proserpinagrotte, der Hauptattraktion des Gartens. Mit Lampen erhellt, theatralisch dekoriert mit einem Altar, umgeben von Monstern, einem Drachen und einem Krokodil. 1786 kam ein chinesischer Sonnenschirm auf der Schlossterrasse dazu, 1787 das Chalet des Alpes, eine echte Sennhütte. Das Schweizerhaus wurde zum Hauptort des Gartens. Sein Saal diente für Konzerte, Tanz und Bankette. Weitere Veränderungen und Ergänzungen erfuhr der Garten nach dem Besuch des Freimaurers und Scharlatans Graf Cagliostro. Nach dem Tod Salomon Gessners wurde die Eremitengrotte zur Gessnergrotte mit einem kleinen Denkmal.



Die Proserpina-Grotte in ihrem Zustand von 1786.
Zuoberst in der Grotte eine der vielen Schmuckfiguren,
die zur Zierde in die Eremitage gestellt wurden.


Im Jahr der französischen Revolution 1789 zählte die Eremitage 1332 Besucher. Noch bevor die Franzosen das zum Deutschen Reich gehörende Bistum besetzten, steckte das Landvolk, das sich ermutigt durch die Revolution nun ebenfalls gegen die adelige Obrigkeit auflehnte, Teile der Eremitage in Brand, doch erst die Franzosen zerstörten sie 1793 vollständig. Balbina starb 1798 im Exil in Freiburg i. B., Heinrich von Ligerz wurde als Domherr und Aristokrat verfolgt und zeitweise sogar im Schloss Chillon (Genfersee) eingekerkert. 1801 kehrte er nach Freiburg zurück und half Balbinas Sohn Conrad von Andlau beim Wiederaufbau der Eremitage.


Was heute noch zu sehen ist, stammt aus der Zeit um 1812. Blinde Zerstörungswut hat vieles unwiderruflich vernichtet. In jüngster Zeit wurde der Baumbestand mit grossem Aufwand ausgelichtet, um den Eindruck der alten Gartenanlage wieder herzustellen. Ebenfalls restauriert wird der mechanische Eremit, über weitergehende Restaurationsarbeiten in den Grotten wird diskutiert.



 

Der neue Glauben: Industrie im unteren Birstal

A. Old economy: Textil bei Schappe


«Bändelmache», also die Herstellung von Seidenbändern, war die erste nicht-landwirtschaftliche Arbeit im Baselbiet, die industrielle Züge trug. Textilherstellung hat also eine lange Tradition als «old economy» bei uns, wenn sie anfänglich auch noch nicht in Fabriken erfolgte.


Der Basler Unternehmer J. S. Alioth gründete 1824 im Kleinbasel eine Fabrik zur Verarbeitung von Seidenabfällen zur sogenannten Schappe oder Florettseide. Die zahlreichen Teiche dort hatten ihn zur Ansiedlung seiner Anlage im Kleinbasel bewogen, weil sie als Energiequelle genutzt werden konnten. Die Firma wuchs schnell, und so entschloss er sich nur wenige Jahre später, den Betrieb dorthin zu verlagern, wo es mehr Platz gab und ausreichend Wasserkräfte zur Verfügung standen: an die Birs bei Arlesheim. Die erste Fabrik im Baselbiet! In den 1870-er Jahren hatte sie bereits mehr als 400 Mitarbeiter, war damit bereits Grossindustrie. Für die Industrialisierung des Birstals wirkte sie als Initialzündung. Weitere Fabriken folgten.


Den Grundstoff für die Schappe bilden Seidenabfälle. Sie wurden in einem komplizierten und arbeitsaufwändigen Produktionsverfahren mit ca. 20 Arbeitsgängen zur Schappe weiterverarbeitet. Es war in «Kämmelei» und Spinnerei unterteilt. Die Nasen der Arbeiterinnen und Arbeiter mussten dabei wohl einiges erdulden, denn beim notwendigen Fäulen der Seidenkokons stank es. Und die Birs freute sich auch damals schon nicht über die Abwässer.



Die Arlesheimer Schappe aus der Luft. Die Gebäude sind nicht erhalten.


Hauptabnehmer der «Schappe» waren nicht, wie man vermuten könnte, die Basler Fabrikanten, sondern deutsche und französische Textilunternehmen. Der Export bildete auch damals schon die Hauptaktivität der Basler und Baselbieter Industrie. In den 1920-er Jahren war die Schappe drittwichtigstes Exportprodukt der Region, nur übertroffen von der Chemie und den Seidenbändern. Damals erlebte die «Schappe» ihre Blütezeit.


Aber zurück! Ende des 19. Jahrhunderts hatte die alte Schappe liquidiert werden müssen und erstand als «Industriegesellschaft für Schappe» (SIS) unter Einbeziehung des Bankvereins neu auf. Die Zeiten für Familien- und Einzelunternehmen waren vorbei, grosse Industrien benötigten eminent viel Kapital.


Die Weltwirtschaftskrise schlug wie ein Hammer ein. Die Preise zerfielen und die Schappeherstellung wurde unrentabel. Der Hauptabnehmer Deutschland steckte am tiefsten in der Krise. Man stellte von der Herstellung von Schappeseide auf Mischfasergarne um. Und die Hoffnung, nach dem Krieg werde alles besser, trog. Jetzt stellten die Länder der Dritten Welt Schappe her, und die konnten das weitaus billiger. Die old economy wankte. Neue Kunstfasern traten auf. 1967 übernahm der amerikanische Textilhersteller Burlington die «Schappe». Aber auch er konnte nicht verhindern, dass das Werk in Arlesheim zehn Jahre später wegen mangelnder Rentabilität geschlossen werden musste. Den billigen Massenartikeln aus Ostasien konnte die old economy in Arlesheim nicht mehr standhalten.




B. New Economy: Elektrizität bei Alioth und Elektra Birseck


Ende des 19. Jahrhunderts wurde die elektrische Energieversorgung entwickelt. Zuvor brannten in den Haushalten keine Glühlampen, sondern Gaslicht, Petroleumfunzeln oder gar noch das Kerzenlicht. Einige Pioniere der Elektrotechnik brachte Basel hervor. Zu ihnen gehörte der Erfinder Emil Bürgin, der den ersten Schweizer Gleichstromgenerator in seiner Werkstatt zusammenbaute. Einen Finanzpartner fand er in Rudolf Alioth, mit dem er im Claragraben eine Fabrik aufbaute. Das scheint nicht lange gut getan zu haben, denn die beiden trennten sich wieder und Alioth führte die Firma mit 50 Arbeitern allein weiter.

Nun ging es aber erst richtig los: Das Unternehmen expandierte wie eine Internet-Firma heute. Sie zog nach Münchenstein, erhöhte ihr Kapital binnen eines Jahres auf das Sechsfache und vergrösserte ihre Fabriken in Lyon und Münchenstein auf das Drei- bis Vierfache. Und wie wir heute den Absturz der New Economy beobachten können, ging es zu dieser Zeit auch. In der Krise 1900 wurde die Hälfte des Kapitals vernichtet. Zu viele Köche am Neuen Markt verdarben den Brei. Alioth zog sich ernüchtert nach und nach aus dem Betrieb zurück, der zehn Jahre später an die BBC verkauft wurde. Immerhin hatte er die neuen Wechselstromgeneratoren dort konstruieren lassen und auch einen Drehstrommotor auf den Markt gebracht. Und er durfte sein soziales Engagement rühmen, das den Arbeitern sehr früh den 10-Stundentag, den freien Samstagnachmittag und sogar eine reformierte Kapelle samt Pfarrer einbrachte.


Die Firma von Walter Boveri und Charles Brown BBC (heute ABB) in Baden bei Zürich war der internationale Newcomer der E(lektro)-Technik und auch im Business erfolgreich. Alioths Fabrik wurde ihr eingegliedert und die Motorenfabrikation fortgeführt. 1500 Arbeitsplätze existierten dort! Später stellten die Arbeiter Lokomotiven für die SBB her. Doch das Hauptwerk in Baden zog die Produktionssparten mit der Zeit wieder zu sich. Aber auch als Lagerstätten für den Import von Rohwaren und den Export eigneten sich die riesigen Hallen bestens, da die Grenze ja ganz nahe lag. 1990 schloss das Werk im Birstal schliesslich.


Ein Ingenieur war es, Friedrich Eckinger, der vor über 100 Jahren den Gemeinden des unteren Birstals vorschlug, sie mit elektrischem Strom zu beliefern. Dafür sollte eine AG gegründet werden, die von Alioth Strom bezog und ihn über eigene Leitungen an die Kunden weiterleitete. Eine gute Idee! - befand auch der Sozialist und Genossenschaftspionier Stefan Gschwind, doch sollte der Strom nicht von einer privatkapitalistischen Firma, sondern von einer Organisation der Verbraucher, eben einer Genossenschaft, vertrieben werden. Nur das würde garantieren, dass die neue Technik allen zugute käme und nicht nur dem Profit einer AG. So wurde 1897 die Elektra Birseck gegründet, bis heute ist sie noch als Genossenschaft organisiert.


Welcher Bedarf für die New Economy, den damals sehr teuren elektrischen Strom war überhaupt vorhanden? Der erste Geschäftsbericht nennt 2300 Glühbirnen und 4 Elektromotoren. Aber das änderte sich schnell. Viele Posamenter (Seidenbandhersteller) stellten ihre Webstühle auf Strom um, Gaststätten fanden die neue Beleuchtung schick und selbst mancher Baselbieter Bauer schuf sich eine elektrische Maschine an. Das Versorgungsgebiet der Elektra Birseck dehnte sich über das Baselbiet auch auf Teile von Solothurn, Bern und das Elsass aus. Der Stromkonsum wuchs so schnell, dass das ursprüngliche Birskraftwerk von Alioth nicht mehr ausreichte und der Strom vom Kraftwerk Rheinfelden und später den innerschweizerischen Kraftwerken bezogen werden musste. Heute ist die Elektra Birseck ein wichtiger Energieversorger der Nordwestschweiz.



 

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