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Schloss Pratteln: Würdigung | |
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Bei einer Datierung in die 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts fügt sich das Welherhaus von Pratteln in die Reihe der zahlreichen, damals in der Umgebung von Basel erbauten Weiherhäuser des Stadt- oder Dienstadels ein. Der uns überlieferte Grundriss in Form eines Quadrats, umgeben von einem Zwinger als eine Art Vorwerk, entstammt allerdings erst dem 15. Jahrhundert und ist ohne Parallelen. Die im Burgenbau übliche Vereinigung von Festungs- und Wohnzweck in einem Baukörper ist hier auf zwei Bauten übertragen. Dies erlaubte einerseits eine Steigerung des Wohnkomforts und anderseits eine Anpassung an die neuen Verteidigungs- und Angriffswaffen. Geistiger Urheber dieser fortschrittlichen Anlage ist Hans Bernhart von Eptingen, der sich dazu möglicherweise auf seiner Schiffsreise nach Palästina im Jahre 146o inspirieren liess. Die hohe Qualität der Steinmetzkunst der Turmfenster und der teilweise verschwundenen Malereien in der erwähnten Nische stehen in engem Zusammenhang mit der Dorfkirche von Pratteln, deren Chor wenig später unter Hans Bernhart erbaut und ausgemalt worden ist.
Die zweite Bauperiode um 1558 unter Ritter Hans Stehelin kennzeichnet den Übergang von der wehrhaften Burg zum wohnbaren Schloss, in dem die verschiedenen Elemente des Burgenbaus ihre fortifikatorische Bedeutung zugunsten einer ästhetischen Funktion verlieren. Die Ecktürmchen und der Torbau weisen deshalb auf den Schlossbau der französischen Renaissance und machen zusammen mit den Garten- und Weiheranlagen das Weiherschloss zu einem Loireschloss en miniature. Die gegen Ende des 17. Jahrhunderts einsetzende Barockisierung steigert den Wohnkomfort ein letztes Mal. Sie bedient sich dabei vor allem der einheimischen Barockformen, denn die Lauben und die bemalten Holzdecken stehen mit einer lokalen Tradition im Einklang. Der Repräsentationsfreude entsprachen lediglich die Treppenanlagen und die grossen Fenster mit bemalten Läden. Einzig das Cheminée ist direkter französischer Import. Gesamthaft betrachtet, erhielten sich die Grundzüge des 15. Jahrhunderts, die Verfeinerung und Auflockerung der Renaissanceperiode und die verhältnismässig bescheidene Barockisierung vortrefflich und bewahrten dem Bau den Charakter eines Schlosses au dem späten Mittelalter. Als solches widerstand es den Erneuerungen der Architektur späterer Jahrhunderte und übernahm ohne Substanzverlust die ihm jeweils zugedachten Funktionen. H. R. Heyer | ||
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