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Lausen: Kirche; Würdigung | |
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Die Bedeutung der Lausner Kirche liegt in erster Linie im hervorragenden Wandbilderzyklus, aber auch im archäologischen Befund, in der Gesamterscheinung des Kirchweilers und in der eigenwilligen Pfostenkonstruktion des Schiffsinnern. Obschon die Wandbilder bereits 1874 entdeckt worden sind, gerieten sie durch den Orgeleinbau und das Verstauben immer mehr in den Hintergrund. Die lobenden Äusserungen Jakob Burckhardts und Johann Rudolf Rahns wurden vergessen, sind aber durch die jüngste Restaurierung bestätigt worden. Auch wenn das Fehlen vergleichbarer Beispiele noch immer eine umfassende Würdigung erschwert, so sind nun doch eine Interpretation des ikonographischen Programms und eine differenzierte Charakterisierung des Stils möglich. Die perspektivische Rahmenarchitektur erweist sich in ihrem klaren Aufbau und ihrem dekorativen Charakter als vortrefflich angewandtes Kompositionsmittel, denn die Figuren stehen zu ihr in einer harmonischen Beziehung. Durch die bewegungslosen Gewandfiguren entstehen aus den Zweier- oder Dreiergruppen statische Bilder, die eine seltene Ruhe und Feierlichkeit ausströmen. Die Konzentration auf wenige, monumentale Figuren und das Fehlen von realistischen Merkmalen zeigen, dass die Wandbilder von Lausen vor dem Einströmen der niederländischen Malerei am Oberrhein entstanden sind und beweisen eine Eigenentwicklung in diesem Gebiet in der Zeit um Konrad Witz.
Johann Rudolf Rahn bemerkte dazu treffend: "Diese Gestalten gehen und stehen mit einer Sicherheit, die man in älteren Bildern vergebens sucht, und dabei sind Hände und Füsse, oft in den schwierigsten Verkürzungen, vortrefflich gezeichnet." Unter dem Gesichtspunkt des Zeitstils sind die Wandbilder am ehesten mit den Werken von Konrad Witz verwandt, denn einzelne Figuren - z.B. Maria oder Johannes - stehen den Gewandfiguren dieses Malers weit näher als andere, mit ihm in Verbindung gebrachte Wandbilder. Ein Einfluss von Konrad Witz lässt sich deshalb nicht ausschliessen, doch ist das Verhältnis der Figuren zum Raum anders gelöst, indem hier jegliche Spannung fehlt. Die Quellen dieser Gestaltungsweise sind deshalb in der italienischen Frührenaissance zu suchen, wo sich auch die Vorbilder für die Kreuzigung in einem Innenraum finden. Die hohe Klassizität der Grundhaltung von Figuren und Raum ist jedoch die Eigenleistung des Lausner Meisters, der die Lausner Wandbilder um 1450 schuf. jedenfalls lässt das Fehlen des burgundischen Einflusses auf den Figurenstil eine spätere Datierung kaum zu. Andererseits ist die illusionistische Architekturmalerei nördlich der Alpen erst nach der Mitte des 15. Jahrhunderts denkbar. Wie dem auch sei, der Wandbilderzyklus von Lausen ist das Werk eines bedeutenden Meisters und von hoher künstlerischer Qualität. H. R. Heyer | ||
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