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Typologisch gehört Wildenstein zu jenen Burganlagen, die nur aus einem Wohn- und Wehrturm bestehen und nicht aus den beiden Baukörpern Bergfried (Wehrturm) und Palas (Wohnbau). Rein optisch wirken allerdings Wohnturm und Plantabau wie Bergfried und Palas. Erstaunlicherweise blieb der Wohnturm nach dem Verlust der Wehrfunktion im 15. und der Wohnfunktion im 17. Jahrhundert weiterhin stehen und geriet nicht wie andernorts in Zerfall. Erbaut am Ende des 13. Jahrhunderts, steht er am Ende einer Entwicklung und eines wahren Burgenbooms, vergleichbar mit Reichenstein und Rotberg oder den Wohntürmen der Burgen Pfeffingen und Neu-Homberg. Vermutlich besass er ursprünglich einen Zinnenabschluss mit Pultdach. Das um 1693 zu reinen Wohnzwecken erbaute Plantahaus setzt neben den vertikalen Wohnturm einen horizontalen Akzent. Seine Aussenarchitektur mit den gewändelosen Türen und Fenstern nahm vermutlich Bezug auf Vorgängerbauten und könnte auch auf bündnerischen Einfluss hinweisen. In einem eklatanten Kontrast dazu steht die dekorative Bemalung der Decken und Wände, die zur späteren Funktion als Basler Landsitz nicht passten und übertüncht wurden. Unüblich für unsere Region sind auch die Kassettendecken, die auf italienischen Einfluss weisen, während die Enfilade im 1. Stock als erste Enfilade der Region überhaupt französischen Einfluss verrät. Eine Aufwertung erfuhr die Anlage zweifellos durch die Veränderungen im 19./20. Jahrhundert im Stile der Schlossromantik mit dem Bau neuer Türme, welche die Silhouette eindrücklich bereichern. Auf Wildenstein begegnen wir somit der Rodungsburg, dem adligen Wohnturm des Mittelalters, der Entwicklung zum Schloss und Basler Landsitz mit dem Plantabau und der Schlossromantik der Jahrhundertwende. Die Burganlage und der Landwirtschaftsbetrieb sind umgeben von einer wertvollen ausgedehnten Kulturlandschaft mit Eichenhain (Witwald), Schlossweiher und markanten Feldgehölzen und Hecken. Schloss und Schlossgut bilden somit eine in sich geschlossene Einheit. |