Schloss Wildenstein: Baugeschichte

> Übersicht Schloss Wildenstein

Aufgrund einer dendrochronologischen Bauuntersuchung (Datierungsmethode für Holz nach der Abfolge der Jahrringe) ist der Wohnturm um 1293 erbaut worden. Dazu gehörten vermutlich auch Zwinger und Torbau. Jenseits eines künstlich vertieften Grabens auf den Nordwest- bis Nordostseiten befanden sich als eine Art Vorburg die unbefestigten und ursprünglich in Holz errichteten Ökonomiegebäude. Bei der Erstürmung der Burg durch die Berner und Solothurner 1334 litt vor allem das Innere mit der Stockwerkeinteilung, wurde jedoch wenig später wieder instand gestellt. Auch die 1356 beim Grossen Erdbeben erfolgten Beschädigungen wurden später noch unter den Eptingern behoben. Vermutlich unter den Sevogel wurden die Wirtschaftsgebäude der Vorburg mit Verbindungsmauern, Türmen und Torturm, frühestens Ende des 14. oder anfangs des 15. Jahrhunderts befestigt. Von den Bauten unter Bernhardt Brand und dessen Sohn Theodor sind seit 1572 urkundlich die Zuleitung des Wassers, die Errichtung eines Brunnens im Schlosshof sowie die Erbauung einer Scheune auf der Anhöhe belegt. Die Jahreszahlen 1622 an der Wendeltreppe des Wohnturms und 1623 an dessen Laube lassen vermuten, dass Theodor Brand den Wohnturm instand stellen liess. Zur neuen Einteilung der einzelnen Wohngeschosse kam eine neue Ausstattung, zu der auch der prächtige Renaissanceofen von 1638 gehörte. Nach 1644 liess Johann Rudolf Schorendorf, Wirt zum Wilden Mann in Basel, sein Wappen in den Sturz des Wohnturmeingangs einhauen. Damals besass die Burg jenes Aussehen, das der Basler Lohnherr und Vetter Schorendorfs, Georg Friedrich Meyer, 1679-1681 in zahlreichen Skizzen und in einem Plan mit den dazugehörigen Gütern festhielt.


Eine der grössten Erweiterungen erlebte das Schloss 1693, als Sophie von Planta-von Rosen nach dem Tode ihres Gatten den alten Wohnturm als Wohnsitz aufgab und mit ihren Söhnen die bisherigen Ökonomie- und Dienstgebäude auf der Ostseite der Vorburg zu einem neuen und bequemeren Wohnsitz umbauen liess. Der sogenannte Plantabau ist doppelt so tief wie die als Fundament dienenden Vorgängerbauten, weshalb damals der nordöstliche Bereich des äusseren Berings (Ummauerung) mit Torturm, Stallungen und darüberliegendem Wehrgang entfernt wurden. Der innere Schlossgraben wurde aufgefüllt und die Holzbrücke entfernt. Die Wehrhaftigkeit der Anlage ging dadurch verloren. Das mit einem hohen Walmdach bedeckte Wohnhaus setzte neben dem alten Wohnturm einen neuen Akzent. Seine einfache Aussenhülle kontrastiert zum reich bemalten Innern, dessen Decken und Wände vollständig mit Dekorationsmalereien verziert waren. Als Ersatz für die entfernten Dienstengebäude entstand neben dem neuen Eingangsportal ein neues Wohn- und Ökonomiegebäude. Die Zugangsbrücke ersetzte man durch eine steinerne Rampe. Die Umwandlung von der wehrhaften Burg zum repräsentativen Schloss oder Wohnsitz war damit vollzogen.


1724 entstand unter Peter Werthemann im Unteren Hof eine neue Sennenwohnung, da die alte auf der Anhöhe bei der Scheune zu sehr exponiert war. 1763 erbaute man auf der Anhöhe eine neue Scheune. Von 1792 an erfolgte unter Peter Vischer-Sarasin die Instandstellung der zahlreichen Gebäude sowie die Ausmalung und Ausstattung des Wohnturms im Stile der Ritterromantik. Peter Vischer, und von 1823 an sein Sohn Peter Vischer-Passavant, machten den Wildenstein zum Mittelpunkt der künstlerischen Bestrebungen und ihrer Kunstsammlungen. 1846/47 liess Peter Vischer-Passavant die heutige Zufahrtsstrasse mit Obstbaumalleen über Unglental erstellen. 1849 baute er die unteren Wohnräume des Plantabaus um und entfernte die dortigen Wandmalereien. 1853 liess Marie Burckhardt-Vischer das neue Gärtnerhaus neben dem Schlosseingang errichten, um 1857 den Nordturm bis aufs Untergeschoss abtragen und nach Plänen des Basler Architekten Christoph Riggenbach einen neuen Turm mit neugotischem Zinnenkranz errichten. Frau Burckhardt liess auch sämtliche Reben entfernen und nördlich des Schlosses einen grossen englischen Park anlegen.


Zum heutigen Zustand des Schlosses führten die unter Karl Vischer-Von der Mühll nach Plänen von Architekt Fritz Stehlin aus Basel 1902-1904 vorgenommenen Umbauten. Der Gebäudetrakt zwischen dem Torbau des Wohnturms und dem Plantabau wurde neu aufgeführt und zwischen diesem und dem Plantabau an der Aussenmauer ein neuer Turm mit Terrassennische und Toilettenanlagen erstellt. Der Rundturm im Norden wurde erneut bis auf das Untergeschoss abgetragen und ebenfalls neu aufgeführt. Richtung Südwesten entstand anstelle des ehemaligen Wehrgangs und der Abschlussmauer eine Terrasse. Ausserdem erhielt der alte Wohnturm in seinen oberen Partien einen neuen Verputz. Im Jahre 1905 erfolgte die Renovation des Lehenhauses. 1907 wurde die von Karl Vischer-Merian erstellte Scheune auf der Anhöhe instand gestellt und anstelle der 1763 erbauten Scheunen und Stallungen ein neues Ökonomiegebäude nach Plänen von Architekt Fritz Stehlin errichtet.


Als Peter Vischer-Burckhardt 1922 den Wildenstein in diesem Zustand übernahm, konnte er sich auf geringfügige Renovationen und Instandstellungen beschränken. Er liess eine Dienstenwohnung einrichten, die Zinnen der Mauerterrasse um der Aussicht willen niedriger legen und die Wasserleitungen verbessern. Erst Peter Vischer-Milner-Gibson richtete den Plantabau als ganzjährigen Wohnsitz ein und versah ihn dazu mit einer Zentralheizung.


In den Jahren 1995/96 setzte der Kanton Basel-Landschaft die Burganlage instand und richtete den Plantabau zu einem Tagungszentrum und für Anlässe ein. Das ehemalige Gärtnerhaus wurde zu einer Wohnung umgebaut. Von den einst im Schloss untergebrachten Kunstsammlungen der Familie Vischer konnte der Kanton die Glasgemälde aus dem 16. und 17. Jahrhundert erwerben und im neu ausgestatteten Wohnturm aufhängen.



 

Back to Top



Bitte haben Sie einen Moment Geduld, die Daten werden aufbereitet.