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Lausen: Kirche; Wandmalereien | |
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Bereits nach ihrer relativ frühen Entdeckung im Jahre 1874 sind die damals zum Vorschein gekommenen Wandbilder vom Kunstmaler Wilhelm Balmer beispielhaft konserviert worden, indem dieser die Figuren nur geringfügig ausfleckte und auf ein Nachziehen der Konturen verzichtete. Allerdings umgab er die Bilder mit Bändern, so dass die dazugehörige Rahmenarchitektur unbekannt geblieben ist. Aus diesem Grunde war es der Restaurierung von 1971/72 durch Hans Behret vorbehalten, die Rahmenarchitektur freizulegen und durch die Untersuchung der übrigen Wände weitere Wandbilder in den Fensterleibungen, an den Wänden des Chors und auf der Schiffseite des Chorbogens freizulegen. Daraus ergab sich folgendes Bildprogramm:
1. Schiff, Chorbogen. Über dem rot gefassten und mit Krabben besetzten Chorbogen zieht sich unterhalb der Decke ein breites rotes Band mit Kugelfries durch und rahmt zusammen mit ähnlichen Bändern die beiden Bilder in den oberen Hälften der Chorbogenmauern. Von den unteren Partien ist nunmehr rechts ein teppichartig mit weissen Ranken bemalter roter Vorhang erhalten. Das Bild auf der rechten Chorbogenmauer ist in einem äusserst fragmentarischen Zustand erhalten. Eine grosse Figur in dunklem Gewande, eine kniende Gestalt in faltenreichen Gewändern und Architekturfragmente am rechten Bildrand lassen in Analogie zur Geburt Christi auf der anderen Chorbogenmauer hier die Anbetung der Drei Könige vermuten. Die Geburt Christi ist zwar im unteren Teil durch den Kanzeldurchgang stark zerstört, doch erkennt man noch deutlich das Dach des Stalles, die vor dem Giebel kniende Maria, ein Stück Landschaft und am linken Bildrand das Fragment eines Rundbogens mit Ochs und Esel. Beide Bilder sind auf blauem Grund in einer roten Umrahmung gemalt und in durchwegs warmen Farbtönen gehalten. | ||
Ostfenster des Chors mit Kirchenvätern und Evangelisten Symbolen, um 1450. | ||
Einer anderen Periode gehören die hl. Barbara links vom Kanzelfenster und der Apostel Jakobus in der linken Fensterleibung an. Die monumental und frontal gemalte Barbara ist als Märtyrerin mit Kelch und Hostie, Krone und Palmzweig ausgestattet und von gemalten Blattranken umgeben. Im unteren Bildteil finden sich ausser ihrem Namen und einem knienden Stifter auch der attributive Turm. Der Apostel Jakobus dagegen ist in der Fensterleibung bedeutend kleiner, mit Pilgerstab, Tasche, Muschel und Blattranken über dem Kopf, dargestellt. Beide Figuren gehören weder stilistisch noch zeitlich zum Wandbilderzyklus am Chorbogen und im Chor, sondern entstanden vermutlich durch eine Stiftung gegen Ende des 15. Jahrhunderts. 2. Chor. Sämtliche Chorwände waren ursprünglich bis auf halbe Höhe mit einer Steinquaderimitation und darüber mit figürlichen Darstellungen bemalt. Davon erhielt sich ausgezeichnet die Bemalung der Ostwand, wo beidseits des Fensters rechts die Kreuzigung Christi und links die Niklauslegende die Wandflächen ausfüllen. Eine grossangelegte perspektivische Rahmenarchitektur begrenzt die Bildflächen und ihre illusionistischen Räume. Eigenartigerweise ist die Kreuzigung Christi nicht wie sonst üblich vor einem Landschaftshintergrund, sondern in einem Gehäuse dargestellt. Durch den flachen Rundbogen fällt der Blick auf ein Rippengewölbe mit Bündelpfeilern, hinter denen sich die Architektur öffnet. Das Kreuz steht in der Mitte des Mittelgrundes frei im Raum an einem Pfeiler und stösst mit dem langen Querbalken an den Abschlussbogen. Während Christus mit geschlossenen Augen und stilisierten Körperteilen und Lendentuch erscheint, hüllen sich Maria und Johannes unter den beiden Seitenarkaden im Vordergrund stehend beinahe vollständig in breite, faltenreiche Gewänder. Als grosse Gewandfiguren bleiben beide bewegungslos und werden von der Architektur des Hintergrundes in ihrer Ruhe und Feierlichkeit gesteigert. | ||
Wandmalereien im Chor. Niklauslegende an der Ostwand, um 1450. | ||
Für die dem hl. Niklaus geweihte Kirche ist auf der anderen Seite der Ostwand die damals beliebteste Legende seines Lebens gewählt worden. Sie zeigt, wie der hl. Niklaus drei arme Mädchen mit Goldkugeln beschenkt, damit ihr Vater sie nicht ins Freudenhaus verkauft. Ein schmaler Pilaster trennt die Bildfläche in zwei verschieden grosse Räume. Als Kirchenpatron und Hauptfigur ist Niklaus, in einer Art Vorraum stehend, wie eine Einzelfigur behandelt, doch verbindet er sich in der Handlung mit den drei Mädchen und ihrem Vater im grösseren Raum. Nicht eine axiale Raumarchitektur wie bei der Kreuzigung, sondern eine kunstvolle Figurenkomposition bestimmt dieses Bild, dessen Räume braun getönte Kassettendecken abschliessen. In Bischofstracht, mit Stab, Pallium und Mitra, schenkt der Heilige dem ihm zugeneigten Mädchen durch die Öffnung zwischen den beiden Räumen eine Goldkugel. In entgegengesetzter Richtung wendet sich im Vordergrund ein Mädchen seinem am linken Bildrand sitzenden Vater zu. Diese beiden auf verschiedenen Bildebenen voneinander abgewandten Figurenpaare verbindet das im Hintergrund stehende, mit seiner Kopftracht alle überragende dritte Mädchen in der Bildmitte. Raumtiefe und Figurenverknüpfung erfahren dadurch eine Steigerung des Ausdrucks und unterstreichen die monumental aufgefassten Gestalten. | ||
Nordfenster des Chors mit dem Kirchenvater Gregor, um 1450. | ||
In den Leibungen des Ostfensters sind die beiden Kirchenväter Augustinus und Ambrosius, aus kastenartigen Gehäusen schreitend, mit entsprechenden Inschriften, Tracht und Attributen dargestellt. Über ihnen halten in Medaillons gemalte Engel Spruchbänder mit den Namen der Evangelisten, und im Scheitel täuscht ein blauer Kreis eine Öffnung vor. In der linken Leibung des Nordfensters ist der Kirchenvater Gregor als Papst in pontifikaler Tracht mit Tiara, Buch und Kreuzstab vergegenwärtigt, woraus zu schliessen ist, dass sich rechts der Kirchenvater Hieronymus befand. Was für ein Bildprogramm das ursprünglich kleinere Südfenster in seinen Leibungen enthielt, ist nicht bekannt. | ||
Glasgemälde mit Kreuzigung im Ostfenster des Chors, um 1430-1440. | ||
An den Seitenwänden des Chors sind nurmehr Fragmente der ursprünglichen Bemalung erhalten. Der Apostel Jakobus auf der Südwand bei der Kreuzigung deutet darauf hin, dass hier ein Apostelzyklus mit je sechs Aposteln auf beiden Wänden dargestellt war. Diese standen über einer perspektivisch gemalten Steinbank in einer kastenartigen Architektur, zu zweit unter einem Doppelbogen zusammengefasst und einander zugewandt, und hielten lange Spruchbänder mit dem Credo. Darüber läuft unter der Decke ein fragmentarisch erhaltener Konsolenfries mit rundbogigen Nischen, aus denen Köpfe blicken. Spruchbänder überspielen auch hier die Konsolenarchitektur. Vermutlich waren hier Propheten in bezug auf die Apostel dargestellt. Auf den schmalen Zwickeln der Chorseite des Chorbogens erkennt man die Verkündigung Mariä. Im Südzwickel beschreibt das kurvige, weite Gewand des Engels Gabriel eine Gegenbewegung zum Chorbogen, und das flatternde Spruchband mit dem Englischen Gruss greift bis in den Chorbogenscheitel. Den etwas grösseren Nordzwickel füllt ein perspektivisch gemaltes Gehäuse mit rundbogigen Öffnungen aus. Darin kniet Maria vor einem Betpult, die Hände zum Gebet gefaltet, mit der Taube des Heiligen Geistes über ihrem Haupte. Ein zum Chorbogen reichendes Mauerband und Spuren von Pflanzen deuten wahrscheinlich den Garten Mariens an. | ||
In der rechten Hälfte des östlichen Chorfensters hängt ein Glasgemälde mit der Darstellung von Christus am Kreuz zwischen Maria und Johannes. Alle drei Figuren wirken gedrungen und untersetzt. Gewandstil, Figurenhaltung und vor allem die Gesichtszüge passen in die Zeit um 1430-1440 und weisen in der Konfrontation mit den etwas späteren Wandbildern auf den stilistischen und künstlerischen Unterschied zwischen diesen voneinander verschiedenen Werken hin. | ||
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