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Kunstführer Brüglingen || Situationsplan


 

Brüglingen: Unter Brüglingen
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Unterhalb der Merian-Villa liegt am Mühleteich und gegen den St. Alban-Teich der Gutshof Unter- oder Hinter-Brüglingen, dessen Ursprung und Kern die bereits 1259 erwähnte Mühle ist. Diese, das gegenüberliegende Gärtnerhaus und das auf dem rechten Mühleteich-Ufer gelegene Pächterhaus mit polygonalem Treppenturm bilden zusammen mit dem Brunnen auf dem Platz vor der Mühle ein reizvolles Ensemble, in welchem die Steinbauten - im Sommer und Herbst in roter Geranienfülle prangend - farbig und freundlich herausgeputzt sind. Die quer zum Hang errichtete Mühe scheint im 16. Jahrhundert neu erbaut worden zu sein. Die Jahreszahl 1777 am Giebel gegen den Teich weist jedoch darauf hin, dass unter Hieronymus Christ ein Umbau stattgefunden hat. Bis 1824 wohnten hier der Müller und der Pächter des Hofgutes. Das zweigeschossige Gebäude wird von einem steilen Krüppelwalmdach bedeckt und besitzt im Erdgeschoss einige grosse vergitterte Fenster. Auf der Teichseite deckt ein kleines Satteldach das Mühlerad. Dahinter befindet sich im Keller der seit 1892 die drei ehemaligen Räder ersetzende Zentralantrieb mit Kammrädern, Walzenstuhl und Oberläuferstein. Dieser Maschinenraum sowie die grosse Stube im Erdgeschoss sind heute als Mühlen-Museum eingerichtet. Im Obergeschoss betonen mehrteilige schmale und hohe Reihenfenster der Wohnung den spätgotischen Charakter des Gebäudes. Zwischen dem Eingang und dem Teich sieht ein klassizistischer Brunnen aus dem Beginn des 19. Jahrhunderts mit einem mehrfach profilierten Trog und einem Stock, auf dem eine zierliche Vase sitzt.

 

Hinter der Mühle steht die ehemalige, einst zur Mühle gehörende Ökonomie, die ursprünglich ebenfalls ein hohes Krüppelwalmdach besass. Nach einem Brande im Jahre 1905 wurde sie stark verändert und 1928 umgebaut. Erhalten blieb unter anderem ein stichbogiges Tor mit dem Allianzwappen Löffel-Stupanus aus dem 18. Jahrhundert.


Gegenüber der Mühle, an den Hang gebaut und leicht abgeschrägt, liegt das ehemalige Gärtnerhaus, das 1824 als Wohnhaus für den Müller erbaut worden ist. Erst 1892 dislozierte der Gärtner von der Ölmühle in dieses Haus. Das gegen Norden ebenerdige Kellergeschoss enthielt das Wasch- und Backhaus, einen Schopf und zwei Keller, während das Obergeschoss noch immer als Wohnung dient.


Auf dem rechten Mühleteichufer gegenüber der Mühle befindet sich das vermutlich noch unter der Familie Löffel im 17. Jahrhundert erbaute Pächterhaus. Dieses diente bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts als Magazin mit Öltrotte und nach 1824 als Öltrotte mit Tabakstampfe, im Obergeschoss als Gärtnerwohnung. Seit 1892 beherbergt es die Wohnung des Pächters von Unter-Brüglingen. Das langgestreckte, zweigeschossige Gebäude wird von einem Krüppelwalmdach bedeckt und besitzt an der Südostecke einen polygonalen Treppenturm, in dessen Innern die eichene Wendeltreppe noch erhalten ist. Auf dem Turmhelm hängt unter einer Haube eine Glocke.


Mühle und Pächterhaus in Unter-Brüglingen,
am linken Bildrand der Mühleteich




Orangerie in Unter-Brüglingen
Ansicht der Hauptfassade von Süden.

 

Das bereits 1812 von Christoph Merian-Hoffmann Richtung St. Alban-Teich links des Weges erbaute grosse Ökonomegebäude brannte 1887 ab und wurde 1888 durch den bestehenden Bau ersetzt. Sein Untergeschoss ist in grossen Steinquadern, sein Obergeschoss in Holz konstruiert. Die benachbarte Wagenremise wurde 1850 von Melchior Berri errichtet. Sie kann durch Umbauten seit 1890 auch zu Wohnzwecken verwendet werden.

 

Zwischen dem Pächterhaus und dem grossen Ökonomiegebäude, durch eine bemerkenswerte Gartenanlage auf Distanz gesetzt, erhebt sich in der Nordostecke die schmucke und wohlproportionierte Orangerie.- ein Bijou besonderer Prägung von Unter-Brüglingen. Sie figuriert bereits 1857 auf einem Situationsplan und dürfte demnach noch zu jener Zeit erbaut worden sein, als der 1854 verstorbene Melchior Berri Gutsarchitekt in Brüglingen war. Die Orangerie besteht aus einem hohen Mitteltrakt, der beidseits von Gewächshäusern flankiert wird. Die Eingangsfront bestimmen drei verglaste Rundbogenarkaden mit Säulen und reich geformten Kapitellen. Den darüber liegenden Fries sowie den Fries der gleich hohen Schultermauern der Gewächshäuser zieren vielfältig ornamentierte, symmetrisch angeordnete Rosetten, wobei jene über den Gewächshäusern in profilierten Platten eingelassen sind. Diese Mauern und das Dachgesims der Orangerie werden von aus Pflanzenmotiven stilisierten Akroterien bekrönt. Auch die Gusseisenkonstruktion der Gewächshäuser ist mit Pflanzenmotiven bereichert. Als seitlichen Abschluss der Gewächshäuser dienen abgetreppte Mauern. Die 1975 vollständig restaurierte Orangerie erinnert mit ihren Rundbögen, den Friesen mit den Rosetten und den Akroterien an Bauten der Neurenaissance, wie sie Melchior Berri auch mit dem Hofgut Vorder-Brüglingen verwirklichte.

 


 

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