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Weiherschloss Bottmingen


 

Weiherschloss Bottmingen (renoviert): Treppenbaukunst
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Im Laufe der Renovationsarbeiten sind u.a. auch das Treppenhaus im Hauptgebäude und eine Holztreppe im Osttrakt aufgefrischt worden. Dies ist der Anlass, die folgenden Ausführungen diesen beiden Treppenanlagen zu widmen. Beide Anlagen sind Meisterwerke der Treppenbaukunst, die erhöhte Beachtung verdienen. Dem Besucher fällt beim Betreten des Hauptgebäudes das grau gefasste Kompositkapitell ins Auge, welches ohne dazugehörigen Säulenschaft in der Luft zu schweben scheint. Dieses Kapitell bildet den künstlerisch gestalteten Abschluss des Unterzuges und bringt so augenfällig das Aussergewöhnliche dieser Treppenanlage zum Ausdruck.

 

Die als Träger wichtigen Teile, die Eckrundungen und die langen Schrägen, bestehen aus einem einzigen Werkstück. Die Treppe vom Parterre ins 1. Obergeschoss besteht aus Stein, während die Stufen in das 2. Obergeschoss aus Holz angefertigt sind. Die Treppenpodeste sind durch Unterzüge gegen die Wand verstrebt, somit ist die Treppe freitragend. Diese einzigartige Konstruktionsweise erlaubt die Treppenanlage als schwebende Steinkonstruktion zu erleben. Das kunstvoll geschmiedete Treppengeländer, von einem massiven Handlauf abgeschlossen, zeigt ein geschwungenes Rankenmotiv in gleichmässigem Rapport. Die Eckpfosten, heute grau gefasst, werden von kleinen, stilisierten Fruchtschalen bekrönt.


Gleichsam überhöht wird die Gesamtanlage von einem Deckengemälde, im Jahre 1721 von Isaak Merian nach einer zeitgenössischen Stichvorlage gemalt. Es zeigt die Geburt der Athene, der Kriegs- und Friedensgöttin im Beisein der olympischen Götter.


Dieses Meisterwerk der Steinmetzkunst, vermutlich kurz nach 1720 vom Basler Franz Obermeyer ausgeführt, besitzt ein Pendant in Basel. Die nachträglich eingebaute Treppenanlage einer Liegenschaft an der Elisabethenstrasse wurde im Jahre 1949 abgebrochen und ruht seitdem im Depot. Diese beiden in der Region Basel bekannten einzigen Beispiele freischwebender Treppen gehen vermutlich auf französische Vorbilder zurück.


Nachdem Johannes Deucher um 1720 das Anwesen erwarb, liess er das mittelalterliche Schloss in einen barocken Landsitz umbauen. Der Schlossherr liess den bestehenden Treppenturm abbrechen und durch einen zweiachsigen Treppenhaustrakt im Barockstil ersetzen. Die Errichtung eines eigenen Treppenhauses mit grosszügiger Anlage ist charakteristisch für das damalige Repräsentationsbedürfnis des städtischen Adels. Das raumgreifende, grosszügige Treppenhaus mit raffinierten Treppenläufen war ein Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens. Der Zweck war nicht nur die Erschliessung der verschiedenen Räume in den Obergeschossen, sondern das Treppenhaus war zugleich Aufenthaltsort für geladene Gäste, die den Blick in die verschiedenen, dargebotenen Perspektiven lenken konnten.

 


 

Einer ganz anderen Stilsprache und Kunstwollen entspringt die einläufige Treppe aus Eichenholz im Osttrakt. Als rein funktionale Treppe verbindet sie das Parterre mit dem 1. Obergeschoss. Aus Eiche gefügt, verzichtete der Treppenbauer auf aufwendige Konstruktionsdetails. Allein der An- und Austrittspfosten sind für künstlerische Trouvaillen reserviert:

 

Aus dem Antrittspfosten im Parterre löst sich ein kauernder Frosch, der erwartungsvoll den Kommenden begrüsst. Betritt man die Treppe und hält sich am Seil, welches sich parallel zum Handlauf befindet, so realisiert man beim Austritt im Obergeschoss, dass das Treppenseil am Halsring eines menschlichen Kopfes befestigt ist. Dieser scheint, in kräftig geschnitzter Manier, die Beengung der Atemluft förmlich zu spüren und bläst die Backen auf. Auf den zweiten Blick erhascht man den Schalk in den Augen des menschlichen Kopfes, der die ganze, unverhoffte Wende der Treppenbenutzung zu einer ergötzlichen Angelegenheit macht. Die ausgesprochen humorvolle "Treppengeschichte" die sich hier im Verborgenen befindet, stammt aufgrund der stilistischen Hinweise möglicherweise aus dem 17. Jahrhundert, aus der Zeit, als der pfälzische Adelige von der Grün das Weiherschloss zu seinem Ruhesitz ausbaute.



Brigitte Frei-Heitz
Kant. Denkmalpflegerin

 


 

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