Naturnahe Gärten und öffentliche Grünräume dienen als wichtige Trittsteine zur Vernetzung der Lebensräume im Siedlungsraum. Ganz bewusst sprechen wir von einem «naturnahen Garten» und nicht von einem «Naturgarten». Denn auch ein Garten ist nie ungestörte Natur, sondern ein Ort, wo der Mensch gestaltend eingreifen darf und soll, um seine Ideen und Wünsche – im Einklang mit den natürlichen Kreisläufen – zu verwirklichen. In naturnahen Gärten und Grünräumen hat also auch eine Zierpflanze noch ihren Platz.
Naturnahe Gestaltung heisst:
- der Natur Raum und Zeit lassen
- auf Zufälliges spontan reagieren
- ein Nebeneinander von Zulassen und Eingreifen
- Dynamik und Vielfalt
- hauptsächlich einheimische und standortgerechte Arten
- ressourcenschonender Umgang mit Materialien
- kein Einsatz von Dünger und Pestiziden
- Strukturreichtum
- Nist- und Versteckmöglichkeiten für Tiere
Naturnahe Grünräume bieten eine spannende Auseinandersetzung mit der Dynamik der Natur. Manche Pflanzen wachsen, vermehren und versamen sich rasch, andere sterben ab. Wo es uns gefällt, lassen wir dieser Dynamik freien Lauf, wo es uns stört, greifen wir ein.
Ein Beispiel:
Die Königskerze am Wegrand, letztes Jahr ein filziges Blattkissen, präsentiert diesen Sommer ihre Blütenkerze als mächtigen Blickfang und Beobachtungsort für Wildbienen und Schmetterlinge. Nächstes Jahr wird diese Königskerze abgestorben sein, doch die Dynamik der zweijährigen Pflanze hat rechtzeitig für eine Versamung gesorgt, neue Königskerzen werden an geeigneten Stellen aufwachsen. Wo es Ihnen gefällt, lassen Sie dieser Dynamik ihren Lauf, wo es Sie stört, haben Sie Zeit, die jungen Blattrosetten lange vor der Blüte auszujäten oder den gelben Blütenstand vor der Versamung abzubrechen.