Unter der geographischen Bezeichnung Neue Welt wird jenes Gebiet verstanden, das im Zusammenhang mit der Ansiedlung der Industrie am oberen Teil des Teiches entstand. Die Hammerschmiede ist als ältestes Bauwerk am Teichkanal 1660 von Ludwig Krug errichtet worden. Das Gebäude kam 1798 an Balthasar Stähelin, der es in eine Textilfabrik samt Wohnungen umbauen liess. 1822 richtete hier Felix Sarasin eine Baumwollspinnerei ein. Architektonisch interessant sind das mächtige Krüppelwalmdach, der fünfseitige Treppenturm an der westlichen Fassade und die rhythmisch verteilten, zum Teil zweiteiligen Fenster. Durch die letzte Restaurierung ist das Bauwerk in seiner historischen Bedeutung wieder ausgewertet worden. Die Villa Ehinger an der Baslerstrasse 33 stand ursprünglich in Verbindung mit der ehemaligen Hammerschmiede. Als Ludwig August Sarasin die technische Leitung der väterlichen Baumwollfabrik übernahm, liess er in deren Nähe einen herrschaftlichen Wohnsitz erbauen. Der mit ihm befreundete Basler Architekt Melchior Berri, ein Schüler der unter der Direktion von Friedrich Weinbrenner stehenden Karlsruher Bauschule, erhielt 1828 den Auftrag, diesen Landsitz zu planen und durchzufahren. Der eben aus Italien Zurückgekehrte musste sich über eine solche Aufgabe gefreut haben. War Berri bisher in der Stadt, z. B. beim Casino und am St.-Alban-Graben, an festgelegte Strassenfronten gebunden, so konnte er nun hier in der offenen Landschaft ein Haus planen, das allseitig frei stand und zu dem als Ambiente ein englischer Garten gehörte. Da der Bauherr bereits 1831 starb, konnte er die ein Jahr später vollendete Villa nicht mehr erleben. Durch Heirat einer der beiden Töchter kam das Sommerhaus in den Besitz der Familie Ehinger. Diese verkaufte das Grundstück samt Wohn- und Nebenbauten 1959 an die Gemeinde Münchenstein, welche es 1962 an den Kanton abtrat. Auf diesem Areal wurde das neue Gymnasium erbaut (Architekt W. Steib). Die Villa ist ein Jahr später, 1973, nach Abschluss der Instandstellungsarbeiten als Musikschule eingeweiht worden. Es ging darum, dem kunsthistorisch bedeutenden Baudenkmal auch nach der modernen Überbauung eine neue Funktion zu geben, ohne dass wesentliche räumliche Veränderungen vorgenommen werden mussten. Adolf Reinle würdigt die Villa Ehinger in seiner "Kunstgeschichte der Schweiz", Band IV: er bezeichnet sie als die reinste Schöpfung der Neurenaissance in der Schweiz. Über fast quadratischem Grundriss erhebt sich ein zweistöckiger Bau, dem auf der östlichen Seite gegen den Park eine ebenfalls zweistöckige, etwas schmälere Loggia angebaut ist. Die unten offene Rundbogenhalle (Palladiomotiv) mit der Fensterlaube darüber ist der schönste Bauteil dieser Villa. | |  Neue Welt. Ehemalige Hammerschmiede, um 1660
 Villa Ehinger. Melchior Berri, um 1829.
 Vasen und Urnenformen aus dem Bruckgut (1), der Ehinger-Villa (2 und 3), und Unter-Brüglingen. (4) Ende 18. und erste Hälfte 19. Jahrhundert.
 Bruckgut. Tapete aus dem grossen Chinesenzimmer.Manufaktur J.A.B. Nothnagel, um 1761 |
Auf der westlichen Strassenseite bildet der Portikus den Eingang. Zwei dorische Säulen tragen über einem Triglyphengebälk den mit Eckvasen besetzten Balkon. Markant ist in der Mitte des Pyramidendaches das Fenstergeschoss mit der Giebelverzierung (Akroterion) und der Dachspitze (Äskulapstab). - Im Innern richtet sich die Aufteilung der Räume nach der West-Ost-Achse. Um die zentrale Halle gruppieren sich die Zimmer. Ausser den Stuckdecken verdient der klassizistische weisse Ofen im Obergeschoss hervorgehoben zu werden, der wie die Zeichnung des Portikus im Originalentwurf von Berri erhalten geblieben ist. - An der Südfront steht noch der für den Zeitstil typische Brunnen, während die früher südlich gelegenen Nebenbauten (Gärtnerwohnung und Orangerie) der jetzigen Turnhalle welchen mussten. Für die wohlgelungene Restaurierung zeichnen Denkmalpfleger Dr. H.R. Heyer, Bauleiter Arch. Beat Hirt, Arch. Wilfrid und Katharina Steib. | |  links: Bruckgut, Cheminée im grossen Chinesenzimmer, um 1761. rechts: Villa Ehinger, Ofen von Melchior Berri, um 1829
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