Medieninformation der Volkswirtschafts- und Sanitätsdirektion | |
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Resultate der forstlichen Betriebsabrechnung (BAR) 2000/2001 für den Kanton Basel - Landschaft
Betriebsergebnisse 2001
Kernaussagen
2001 erstellten 57 Bürger- und Einwohnergemeinden mit einer Waldfläche von insgesamt 9'551 Hektaren eine forstliche Betriebsabrechnung (BAR) nach dem Modell des Waldwirtschaftsverbandes Schweiz. Damit liegt dem Forstamt verdichtetetes Zahlenmaterial vor, das 58% der öffentlichen Waldfläche beider Basel repräsentiert. Praktisch flächendeckend ausgewertet wurde in den Forstkreisen 2 und 3, während in den Forstkreisen 1 und 4 nur ein Drittel der Waldfläche erfasst wurde.
Die ausgewerteten Forstbetriebe verzeichneten im Jahr 2001 einen Gesamtverlust von Fr. 1,66 Mio. bzw. Fr. 173.60 je ha Waldfläche, was hochgerechnet auf den gesamten öffentlichen Wald beider Basel einem Verlust von Fr. 2,9 Mio. entspricht.
Im Vergleich zum Jahr 2000 verschlechterten sich die Betriebsergebnisse um Fr. 196.20 je ha oder insgesamt rund Fr. 1,9 Mio. Die Hauptgründe liegen in der im Vergleich zur Vorperiode auf weniger als die Hälfte geschrumpften Holznutzung und den praktisch unveränderten Fixkosten.
Im Durchschnitt der vergangenen 10 Jahren war die betriebswirtschaftliche Situation mit einem Verlust von Fr. 117.- je ha und Jahr etwas besser als 2001. Fr. 82.- je ha und Jahr bzw. 70 % der Verluste erzielten die BAR-Betriebe im Holzproduktionsbetrieb, der Waldbewirtschaftung im engeren Sinn. Weitere Fr. 35.- je ha Verlust resultierten in den Nebenbetrieben (Brennholzbetrieb, Weihnachtsbäume usw.) und im Bereich "Betriebs- und Periodenfremdes" (Erholungsraum, Öffentlichkeitsarbeit, Naturschutz usw.). Hätten nicht viele Waldeigentümer auf Erträge forstfremder Betriebsteile (Gruben, Deponien usw.) ausserhalb der BAR zurückgreifen können, wären die Verluste wohl kaum zu verkraften gewesen.
Zwischen 1992 und 1999 waren die Holzerlöse relativ stabil, während die Holzerntekosten vermindert und dadurch die Deckungsbeiträge tendenziell gesteigert werden konnten. Das durch "Lothar" verursachte Überangebot an Holz führte in den Jahren 2000 und 2001 zu rund 20% tieferen Holzerlösen als in den Vorjahren. Auf der Kostenseite verteuerte sich die Holzernte 2001 angesichts der geringen Holznutzung, höherer Personalkosten und erschwerter Arbeitsbedingungen (Streunutzungen, Naturschutzschläge) deutlich, so dass der Deckungsbeitrag, also der Überschuss der Holzerlöse über die Holzerntekosten, 2001 erstmals in den negativen Bereich rutschte. Im Klartext bedeutet dies nichts anderes als, dass mit den Holzerlösen nicht einmal die Holzernte bezahlt werden konnte.
Zwischen 1992 und 2001 nahm der Einsatz der betrieblichen Arbeitskräfte je ha Waldfläche jährlich im Durchschnitt um 6 % ab. Erbrachten betrieblichen Arbeitskräfte 1992 noch 19,8 Std. je ha, waren es 2001 noch 11,7 Std. Auf den Gesamtkanton übertragen heisst dies, dass 40% der Arbeitsplätzen in den öffentlichen Forstbetrieben innert 10 Jahren verloren gingen, womit beide Basel 2001 noch über rund 110 forstliche Vollzeitstellen verfügten. Nur ein geringer Teil dieses Stellenverlustes bei den öffentlichen Forstbetrieben dürfte durch private Forstunternehmungen wettgemacht worden sein. Dass die durch einen Förster betreute Waldfläche von durchschnittlich 390 ha im Jahr 1992 auf 610 ha gestiegen ist, verdeutlicht diesen Entwicklung.
Das Betriebspersonal wendete 2001 in der Holzernte nur noch knapp die Hälfte der Arbeitsstunden auf, die es in den Jahren 1992 bis 1994 je m3 Holz benötigte. Gemessen an den Gesamtkosten ging der Anteil des gesamten Holzproduktionsbetriebs von 69,7 % im Jahr 1992 auf 58,3 % im Jahr 2001 zurück, während die Nebenbetriebe von 25,7 % auf 35,1 % anwuchsen.
Die öffentlichen Beiträge, die durch Bund und Kanton in erster Linie für die Abgeltung der Waldpflege entrichtet wurden, schwankten in einer relativ engen Bandbreite von Fr. 80.70 (1993) bis Fr. 115.60 je ha (1997).
Regionale Unterschiede
Die einzelnen Forstkreise unterscheiden sich vor allem hinsichtlich der Geländeverhältnisse, der Baumartenzusammensetzung und der Bevölkerungsdichte. Diese Unterschiede haben auch Rückwirkungen auf die Betriebsergebnisse.
Der stadtnahe 1. Forstkreis (Arlesheim) wurde von "Lothar" relativ wenig in Mitleidenschaft gezogen und wies 2001 mit Fr. 63.- je ha den geringsten Verlust aller Forstkreise aus. Über die vergangenen 10 Jahren gesehen, ergaben sich mit Fr. 176.- je ha Waldfläche die schlechtesten Ergebnisse, nicht zuletzt weil die Nebenbetriebe mit durchschnittlich Fr. 34.- je ha deutlich in der Verlustzone schlossen.
Der 2. Forstkreis (Sissach) verzeichnete auf kantonaler Ebene die grössten Schäden durch "Lothar" und damit 2000 und 2001 die grössten Ergebnissprünge. Wurden 2000 mit plus Fr. 206.- je ha die besten Ergebnisse im Kanton erzielt, resultierten 2001 mit minus Fr. 209.- auch die schlechtesten Resultate. Werden die Zahlen der letzten 10 Jahre kumuliert, ergibt sich mit einem durchschnittlichen Verlust von Fr. 82.- je ha im kantonalen Vergleich das beste Ergebnis.
Der 3. Forstkreis (Waldenburg) weist den höchsten Nadelholzanteil und die schwierigsten Geländeverhältnisse auf. Hinsichtlich der Ergebnisse 2001 schnitten die Betriebe mit minus Fr. 158.- je ha etwas besser ab als der Durchschnitt. Auch über den gesamten Betrachtungszeitraum gesehen, lag der Verlust mit Fr. 115.- je ha nahe beim kantonalen Mittelwert. Während der Holzproduktionsbetrieb auf Grund der topografischen Verhältnisse mit Fr. 101.- je ha durchschnittlich den grössten Verlust einbrachte, warfen die Nebenbetriebe immerhin Fr. 25.- Gewinn ab.
Für den 4. Forstkreis (Laufen) liegen erst seit wenigen Jahren BAR-Ergebnisse vor, die in Anbetracht der geringen Zahl ausgewerteter Betriebe nicht für Verdichtungszwecke verwendbar sind.
"Lothar" und seine Folgen
Nach der erfreulichen Ergebnisentwicklung ab 1996 scheint "Lothar" kurz vor dem Jahreswechsel 1999/2000 einen Trendbruch bewirkt zu haben. Zwar gab es 2000, ausgelöst durch eine 1,65-fache "Lothar"-Jahresnutzung, den einzigen Gewinnabschluss des Betrachtungszeitraums. Doch wendete sich das Blatt 2001, weil vor dem Hintergrund eines schwachen Holzmarktes lediglich eine Nutzung von 79% des Hiebsatzes ausgeführt wurde. Zudem waren die Wiederherstellungsmassnahmen bereits kostenwirksam, ohne dass die öffentlichen Beiträge für die "Lothar"-Projekte schon erlöswirksam gewesen wären.
Einen wichtigen Einfluss auf die Resultate hat die Holzernte angesichts ihres grossen Kostenumfangs und Erlösbeitrags. Infolge "Lothar" konnten die Holzerntekosten 2001 zum ersten Mal nicht durch die erzielten Holzerlöse gedeckt werden. Dass für eine Kostendeckung Fr. 1.80 pro m3 fehlten, hängt mit gedrückten Holzerlösen und erhöhten Holzerntekosten zusammen. Durch eine starke Ausrichtung auf die Laubholzsortimente (82 % der Nutzung) konnten die Holzerlöse noch auf einem vergleichsweise akzeptablen Niveau von Fr. 69.90 je m3 gehalten werden. Ein Teil des Anstiegs der Holzerntekosten (Fr. 71.70 je m3, + 8,7 %) dürfte aber ebenfalls mit diesem hohen Laubholzanteil zusammenhängen. Hätten die baselbieter Forstbetriebe eine dem Hiebsatz entsprechende Nutzung mit einem dem Durchschnitt der vergangenen 10 Jahre entsprechenden Deckungsbeitrag von Fr. 8.10 je m3 ausführen können, wäre das Gesamtergebnis 2001 um über Fr. 0,5 Mio. besser ausgefallen.
6. Ausblick
Zwar liegen für das Jahr 2002 noch keine BAR-Ergebnisse vor, doch lassen erste Meldungen der Revierförster wiederum nur auf eine geringe Holznutzung schliessen. Deshalb kann aus dem Holzabsatz höchstens mit einer leichten Verbesserung der Betriebsergebnisse gerechnet werden. Eine spürbare Entlastung der Betriebsabrechnungen dürften dagegen die öffentlichen Beiträge an "Lothar"-Projekte bewirken, und dies während der kommenden fünf Jahre.
Weil auf dem inländischen Holzmarkt tendenziell ein Angebotsüberhang herrscht, sind die schweizerischen Holzproduzenten zunehmend auf Handelsbeziehungen mit dem Ausland angewiesenen. Allfällige Preisvorteile auf den Holzmärkten der Nachbarländer werden aber durch die Transportkosten teilweise zunichte gemacht. Viele Forstbetriebe fragen sich unter diesen Umständen, ob sie weiterhin wenig Holz anbieten und damit hohe Stückkosten in Kauf nehmen, oder wieder mehr Holz auf den Markt bringen und das herrschende Preisniveau akzeptieren sollen. Welches der bessere Weg ist, muss im Einzelfall geklärt werden und hängt nicht zuletzt vom Auftragsvolumen ausserhalb der Holzernte ab.
Chancen, die Kosten zu vermindern und/oder die Erlöse zu steigern, bieten sich den Forstbetrieben unter anderem in folgenden Bereichen:
- | Erhöhung der Holznutzung möglichst wieder auf das Niveau des Hiebsatzes: Denn Holz kann auch stehend am Stock seine Qualität nicht zeitlich unbefristet erhalten. Damit eine nachhaltige Waldbewirtschaftung gesichert werden kann, bedarf es waldbaulicher Eingriffe und tragbarer Betriebsergebnisse. |
- | Schaffung einer grösseren Holzmarkttransparenz auf überbetrieblicher Ebene und verstärkte Bündelung des Rundholzabsatzes: Dadurch lassen sich neue Absatzkanäle eher erschliessen und der Holzabsatz mengen- und wertmässig optimieren. |
- | Vermarktung der Waldleistungen: Leistungen der Waldeigentümer, die der Öffentlichkeit unter Inkaufnahme von Kosten unentgeltlich erbracht werden, müssen explizit abgegolten oder hinterfragt werden. Eine verdeckte Abgeltung, z.B. über Schnitzelpreise, ist zu vermeiden. |
- | Vermehrte Planung und Steuerung der betriebswirtschaftlichen Ergebnisse (Controlling) und Aufarbeitung der relevanten betrieblichen Kennzahlen: Dadurch werden die finanziellen Möglichkeiten und Ziele klarer und besser erreichbar. |
- | Straffung der Strukturen komplexer Forstreviere. Erst wenn ein betriebliches Gebilde überschaubar ist, kann das Controlling seine Wirkung entfalten. |
Gefahren:
Eine bedeutende Gefahr für die Forstbetriebe dürfte von einer während Jahren reduzierten Holznutzung ausgehen. Dadurch sind verminderte Deckungsbeiträge aus der Holzernte zu befürchten, die möglicherweise Anlass zu einer weiteren Einschränkung der Holznutzung geben. Können die fehlenden Deckungsbeiträge nicht anderweitig erzielt werden (z.B. durch Arbeiten für Dritte), verharren die Betriebsergebnisse in der Verlustzone.
Stagnieren die Betriebserträge weiterhin, besteht die Gefahr, dass sich der Arbeitsplatzabbau bei den öffentlichen Forstbetrieben fortsetzt. Dadurch läuft die Waldwirtschaft Gefahr, ihre Attraktivität für den beruflichen Nachwuchs angesichts eines schwindenden Stellenangebots und abnehmender Aufstiegschancen einzubüssen. Mittel- und längerfristig wird dadurch eine nachhaltige Pflege und Bewirtschaftung des Waldes in Frage gestellt.
Der Anteil der schweizerischen Waldwirtschaft am Bruttoinlandprodukt ist schon bei einer gleichbleibenden Holznutzung rückläufig, weil die nominellen Holzpreise seit Jahren höchstens stagnieren. Schrumpfen die Holzerlöse nun auch noch infolge einer geringeren Nutzung, führt dies zu einem beschleunigten wirtschaftlichen Bedeutungsverlust der Waldwirtschaft.
Liestal, 17. Juni 2002