Medieninformation der Justiz-, Polizei- und Militärdirektion | |
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Wie gehen wir heute mit unserer Jugend um?
Präventive und repressive Massnahmen im Bereich Jugenddelinquenz
Schwieriges Umfeld für Jugendliche
Wie leicht geht uns der Spruch über die Lippen "die heutige Jugend hat es besser"! Ich sehe das nicht so - jede Zeit und Generation hat ihre Probleme. Die aktuelle Situation scheint mir für unsere Jugendlichen aber tatsächlich schwierig. Ich nenne hier nur einige Stichworte: No future, massive Verunsicherung, Lehrstellenmangel, Informationsflut, die nicht mehr bewältigt wird, zunehmender Drogenkonsum, oft fehlt das soziale Gefüge. Zudem sind auch die Erwachsenen oft selbst verunsichert und das spiegelt sich natürlich auch in den Kindern und Jugendlichen wider.
Die Jungen begreifen, dass scheinbar harmlose Meldungen über einen problemlosen Stellenabbau gar nicht so harmlos sind. Ein Stellenabbau um 100 Stellen durch natürliche Abgänge bedeutet, dass 100 "Alte" nicht mehr durch 100 "Junge" ersetzt werden. Viele leiden unter der Arbeitslosigkeit eines Elternteils. Viele haben heute erhebliche Probleme, eine Lehrstelle zu finden. Die zunehmende Gewalt in der Erwachsenenwelt verunsichert auch sie: Irak-Krieg, Nahost-Konflikt etc.
Kurzum: Alles, was heute geschieht, hat aufeinander Wechselwirkungen. Nur meine ich, Wo sind wir Erwachsenen als Vorbilder? Daran müssen wir arbeiten, diese Verantwortung können wir nicht auf die Jugend abschieben.
Mein Schwerpunktthema: Umgang mit Jugenddelinquenz
Sie haben es aus den Referaten des Jugendanwalts und von Daniel Wenger entnehmen können: Nachhaltige Veränderungen bei Jugendlichen sind noch möglich. Später als Erwachsene ist es viel schwerer, solche Veränderungen zu erreichen.
Wenn dieser Bereich vernachlässigt wird, werden wir die Folgekosten doppelt bezahlen müssen.
Ein Thema, das unter den Nägeln brennt: Cannabis
Wenn wir die Jugenddeliquenz und deren Prävention thematisieren, kommen wir am Problem des Cannabis-Konsums nicht vorbei. Diese Entwicklung macht mir und unseren Behörden grosse Sorgen. Die Konsumenten werden immer jünger, immer öfter wird Cannabis an den Schulen konsumiert.
Der Jugendschutz steht bei der Hanfpolitik des Regierungsrates im Zentrum - unter anderem deshalb wurde die Aktion Smoke II im April 2003 noch unter meinem Vorgänger gestartet. Ich hatte sehr viele positive Reaktionen, die bestätigten, dass wir auf dem rechten Weg sind. Ein Umdenken hat offenbar - auch in der Bevölkerung - stattgefunden. Die Liberalisierungs-Welle hatte sicherlich Einfluss auf das Konsumverhalten: Viele Jugendliche glauben noch heute, kiffen sei nun legal. Daher hat der Cannabis-Konsum zugenommen. Sprunghaft zugenommen hat die Zahl der Hanfläden. Im Baselbiet gab es bis vor kurzem 32 Hanfläden. Mittlerweile sind es noch 14, und das ohne dass wir einen einzigen Laden schliessen mussten. Die Besitzer haben selbst aufgegeben.
Unsere Aktionen laufen unabhängig davon, ob der Hanfkonsum liberalisiert wird oder nicht. Wir stützen uns aufs geltende Recht: Der Konsum und Handel von Cannabis ist verboten. Wenn diesbezüglich Gesetzesverstösse vorliegen, wird das in unserem Kanton geahndet. Unabhängig von der Liberalisierungsfrage ist auch die Einführung einer Bewilligungspflicht für Hanfläden im Baselbiet vorgesehen. Zur Zeit erarbeiten wir ein Gesetz betreffend Bewilligungspflicht. Wir müssen Leitplanken, analog zum Alkoholverkauf, setzen. Im Vordergrund steht der Jugendschutz.
Vernetzung
immer wichtiger erscheint eine gute Vernetzung und eine gute Transparenz. Auch im Jugendbereich haben wir viele Akteure, die vielfach nicht wissen, was die anderen tun; angefangen von den Eltern über die Schulen bis zu den Helfersystemen. Die Zusammenarbeit der verschiedenen Stellen und Direktionen wird immer wichtiger.
Denn mit Polizeiaktionen alleine ist es aber nicht getan. Wie in anderen Bereichen der Jugendarbeit geht es um ein ausgewogenes Zusammenspiel von Repression und Prävention. Deshalb dehne ich auch den «Runden Tisch Hanf», den wir in der Direktion und in Zusammenarbeit mit den Statthalterämtern eingerichtet haben, aus. Künftig sollen zum Beispiel auch die Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion und die Volkswirtschafts- und Sanitätsdirektion einbezogen werden. Es geht mir darum, das Thema vernetzt anzugehen. Unsere erste Sitzung wird im Dezember stattfinden.
Fazit
Jugendliche im Baselbiet leben trotz erschwerter Rahmenbedingungen heute sicherer als noch vor einigen Jahren. Gefährdete Jugendliche werden im Durchschnitt aufgrund der bisherigen Bemühungen frühzeitiger erkannt und können gezielter unterstützt werden. Der Kanton Baselland leistet im Bereich des Jugendstrafrechts mit unserer Jugendanwaltschaft und mit unseren sechs Jugendsachbearbeitenden der Polizei in vielfacher Hinsicht wertvolle gesamtschweizerische Pionierarbeit.
Persönliche Bemerkung
Sicher bin ich als Mutter eines zehnjährigen Buben speziell sensibilisiert und offen für die Besorgnis und die Betroffenheit der Bevölkerung. Gerade weil in Baselland sehr gute Ansätze für die Arbeit mit jugendlichen Delinquenten vorhanden sind, will die Justiz-, Polizei- und Militärdirektion ihren Beitrag dazu leisten.
Auch in Zeiten der knappen finanziellen Ressourcen dürfen wir als Politikerinnen und Politiker, aber auch als Mütter und Väter unsere Verantwortung nicht abgeben und müssen klare Vorstellungen und Ziele haben und setzen. Eine gewaltfreie Gesellschaft ist - solange es Menschen gibt - nicht realisierbar. Ich möchte aber, dass wir jungen Menschen, auch wenn sie einmal delinquiert haben, die Chance für einen Neustart in ein gewaltloses und deliktfreies Leben geben.
Kontaktperson für weitere Auskünfte:
Regierungsrätin Sabine Pegoraro, Kontakt via Barbara Umiker (siehe unten)
oder
Barbara Umiker, Leiterin Kommunikation JPMD, Liestal, Telefon 061 925 61 65
26. November 2003