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Medieninfos BUD

Medieninformation der Bau- und Umweltschutzdirektion

 

Szenisches Theater Augst nach zehn Jahren fertig saniert und dem Spielbetrieb übergeben


Nach zehnjähriger Bauzeit ist die Gesamtsanierung des Szenischen Theaters in Augst erfolgreich abgeschlossen. In einem feierlichen Akt hat heute die Baselbieter Baudirektorin Elsbeth Schneider-Kenel die antike Stätte von Weltruf ihrem Regierungskollegen und Kulturdirektor Urs Wüthrich-Pelloli übergeben.


Im Jahre 1991 bewilligte der Landrat einen Kredit für eine erste Sicherungs- und Sanierungsstufe im Bereich des nördlichen Hauptzugangs (Nordaditus). Da weder Erfahrungen noch verlässliche Zahlen zu derart grossen Sanierungsarbeiten existierten, war es unumgänglich, die Bausubstanz der Ruine vorgängig kennen zu lernen, um die Kosten für eine Sanierung des gesamten Monuments quantifizieren zu können.


Erstes Schadensinventar 1994
Erste Überprüfungen und ein 1994 erstellter Schadenskataster zeigten auf, dass eine Gesamtsanierung des römischen Theaters unabdingbar war, wollte man das Monument nicht dem Zerfall preisgeben. Ohne Sanierung wäre aus Sicherheitsgründen eine totale Schliessung der Ruine nötig geworden; mittelfristig hätte zum Schutz eine vollständige Zuschüttung des Bauwerks erfolgen müssen. Auf der Basis einer genauen Nachkalkulation wurden im Anschluss die Grundlagen für eine weiterführende Vorlage errechnet.
Schliesslich beauftragte der Regierungsrat im März 1994 die Bau- und Umweltschutzdirektion mit der Ausarbeitung einer Baukreditvorlage für die Gesamtsanierung der römischen Theaterruine in Augst. Ziel der Vorlage war die Festlegung eines umfassenden Sanierungskonzepts und der daraus resultierenden Kosten. Sämtliche Bereiche der Ruine waren statisch so zu stabilisieren, dass das Theater der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht werden konnte, ohne dass massgebliche Sicherheitsrisiken eingegangen werden mussten. Zukünftige Nutzungsmöglichkeiten und eine Bespielbarkeit sollten bei der Planung ebenfalls berücksichtigt werden. Der Schutz und die Erhaltung des Originals genossen allerdings stets oberste Priorität. Im Februar 1996 bewilligte der Landrat den erforderlichen Verpflichtungskredit von CHF 16,35 Mio.


Gründung einer "Bauhütte" für spezielle Sanierung
Für das kantonale Hochbauamt war die Sanierung eines fast zweitausend Jahre alten Bauwerks keine alltägliche Aufgabe. Dank der in der ersten Sanierungsstufe erarbeiteten Erfahrungen lagen aber glücklicherweise nicht nur gesicherte Kostenwerte vor, es konnte auch auf das Know-how des in dieser Zeit mit den Arbeiten beauftragten Bauhüttenteams zurückgegriffen werden.
Überlegungen zur Projektorganisation und zum Sanierungsablauf zeigten bald, dass derartige Aufgaben nicht mit einer herkömmlichen Baustellenorganisation zu bewältigen waren. So beschlossen die Verantwortlichen, die bereits in der ersten Sanierungsstufe im Bereich des Nordaditus gewählte Organisationsform der Bauhütte beizubehalten.


Fortsetzung Folgeseite
In der Bauhütte waren die nötigen Fachleute wie Archäologen, Restauratoren, Grabungstechniker aber auch Handwerker wie Steinmetzen und Maurer in befristeten Verträgen zielorientiert angestellt. Auf unerwartete Funde und Befunde konnte im Team rasch reagiert und wenn nötig der Arbeitsablauf angepasst werden.


Detaillierte Dokumentation der Sanierungsarbeiten
Die Sanierungsarbeiten dauerten über 10 Jahre, da parallel Dokumentationen erfolgten und das Projekt sich laufend den archäologischen Erkenntnissen anpassen musste. Es war für das Hochbauamt von grosser Wichtigkeit, dass die im Verlauf des Projekts erarbeitete, objektspezifische Fachkompetenz während dieser lang andauernden Sanierungsarbeiten nicht verloren ging. Dementsprechend bedeutete es eine grosse Erleichterung, dass die Mehrheit der Fachleute bis zur Fertigstellung der Arbeiten im Bauhüttenteam verblieb.
Diese Organisation erlaubte es, dass diverse Baumaterialien, wie zum Beispiel Natursteine, direkt durch die Bauhütte beim Hersteller/Steinbruch eingekauft werden konnten. Nebst günstigeren Beschaffungskosten ermöglichte dies vor allem auch eine direkte Einflussnahme auf die Qualität des bestellten Materials. Im Interesse einer dauerhaften Sanierung sollte sich die Wahl der Baumaterialien primär nach den Bedürfnissen des Monumentes richten. Ausserdem war es wichtig, dass bei allen Sanierungseingriffen eine grösstmögliche Reversibilität gewährleistet werden konnte.


Spezielles Verfahren bei der Restaurierung der Kalksteinmauern
Zur Restaurierung des Kalksteinmauerwerks wurde durchwegs ein durch geringe Zementzugabe modifizierter Kalkmörtel verwendet, der eine gute Porosität und an das Mauerwerk angepasste plastische Eigenschaften aufweist. Auf chemische Zuschläge im Mörtel wurde dagegen verzichtet, um zukünftigen Schäden durch langfristige, heute noch nicht bekannte Prozesse im Bindemittel vorzubeugen. Bei diversen Mauern wurden aus statischen Gründen Glasfaseranker zur Verstärkung eingesetzt; die Ankerköpfe sind hinter vorgeblendeten Natursteinen verborgen. Um ein Eindringen von Niederschlagswasser in die ruinös aufgemauerten Natursteinkronen zu verhindern, wurde unter der zweitobersten Steinlage ein wasserdichter, aber dampfdiffusionsfähiger Mörtelüberzug als zusätzliche Schutzschicht angebracht.


Erste Freilegungen vor 120 Jahren
Die vollständige Freilegung des Theaters hatte bereits im späten 19. Jahrhundert begonnen. Parallel dazu erfolgten auch schon erste Sanierungsmassnahmen. Trotzdem sind die seit der ersten Ausgrabung verflossenen 120 Jahre nicht spurlos am Monument vorüber gegangen. In die Mauerkörper eingedrungenes Regenwasser und dadurch ausgelöste Frostsprengungen verursachten grosse Schäden an der Ruine; im Extremfall hätten die festgestellten Risse den Einsturz ganzer Mauerteile nach sich ziehen können.
Die Römerstadt Augusta Raurica wird jährlich von über 100'000 Personen aus dem In- und Ausland besucht. Das römische Theater vis a vis vom 1955 eröffneten Museum, lag einst im Herzen der antiken Stadt und bildet heute das bedeutendste Monument der Ruinenanlage.


Weitere Hintergrundinformationen und Fotos unter
www.augustaraurica.ch > Aktuell/Agenda


BAU- UND UMWELTSCHUTZDIREKTION, Informationsdienst


Für Rückfragen:
Hansruedi Simmler, Projektleiter Tel +41 79 448 13 55
Thomas Hufschmid, Römerstadt August Raurica, Tel +41 61 816 22 03


Liestal, 9. Mai 2007


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