Medieninformation der Bau- und Umweltschutzdirektion | |
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Chienberg-Tagbruch: Experte erklärt warum
Beim Sissacher Chienberg-Tunnel ist den geologischen Erkenntnissen nicht im vorgesehenen Masse Rechnung getragen worden, deshalb kam es am 1. Februar 2002 zu einem Tagbruch, der zwar glimpflich verlief, aber hohe Kosten verursachte. Dies hat der vom Kanton, dem Planer und den Unternehmen eingesetzte Experte festgestellt. Er hat die Haftungsfrage aber ausgeklammert.
Am frühen Morgen des 1. Februar 2002 kam es im Chienberg-Tunnel in Sissach zu einem Einbruch auf einer Länge von 45 Metern: 4'000 Kubikmeter Gebirgsmaterial waren in den noch unfertigen Tunnel eingebrochen. Das Ereignis, bei dem keine Menschen zu Schaden kamen, bezeichnet man als Tagbruch, weil man es von aussen wahrnimmt. Tatsächlich bildete sich an der Geländeoberfläche, 40 Meter über dem Tunnel, ein Krater mit einem Durchmesser von 30 Metern. Jetzt zeigt ein Expertenbericht auf, warum es so weit kommen konnte.
Die 20 cm dicke Spritzbetonschale der so genannten Kalotte versagte. In der untern Tunnelhälfte waren die Arbeiten noch nicht abgeschlossen. Die Schale hielt dem Druck von oben aber nicht mehr stand.
Das Gebirge täuschte Stabilität vor. Die Betonschale hatte nämlich bereits während 3-4 Monaten Bestand. Die Folge davon war, dass man in längeren Ausbruchetappen ohne sofortige und ausreichende Verstärkung der unteren Tunnelhälfte vorging. Dies entsprach nicht den wirklichen und bekannten geologischen Verhältnissen.
Festgehalten wird im Expertenbericht von Professor Kalman Kovári abschliessend, dass einzelne Massnahmen die Wahrscheinlichkeit eines Kollapses wesentlich hätten verringern können: Vor allem hätte man am Ausführungsprojekt für die Bereiche mit verwittertem Mergel im oberen Bereich, der Kalotte also, festhalten müssen. Dies hätte zu geringeren Abschlagslängen im unteren Tunnelbereich geführt und zu einer Verstärkung des Kalottenfusses. Der effektiv ausgeführte Vortrieb im Tunnel wurde jedoch so ausgeführt, wie wenn das ganze Tunnelprofil bereits in hartem „Gipskeuper" liegen würde. Die Belastung der halbrunden Schale durch den „Bunten Mergel" wurde aufgrund der guten Bauerfahrung also falsch eingeschätzt.
Über die Bruchmechanismen werden im Bericht begründete Hypothesen gemacht. Vermutet wird, dass der Einbruch des Gewölbes an einer bestimmten Stelle im Tunnel seinen Anfang nahm und sich in eine oder zwei Richtungen, rund 45 Meter weit, fortpflanzte. Es ist aber nicht möglich, den unmittelbaren Auslöser des Einbruchs anzugeben, da dieser nach der letzten Abbauetappe mit zeitlicher Verzögerung eintrat.
Der Expertenbericht beleuchtet nicht die Haftungsfrage, sondern beschränkt sich ausschliesslich auf technische Zusammenhänge. Auf der Basis des Expertenberichts streben die Parteien nun eine Einigung in der Frage der Schadensregelung an. Die Gesamtkosten des Tagbruchs belaufen sich auf 25 Millionen Franken.
Weitere Infos zum Projekt "Hauptstrasse H2 (J2) Umfahrung Sissach"
BAU- UND UMWELTSCHUTZDIREKTION, Informationsdienst
Kontaktpersonen:
- | Franz Mazenauer, ARGE Chienbergtunnel Sissach, c/o Batigroup AG Tunnelbau, Tel. 041 318 35 97 |
- | Flavio Chiaverio, INGE Aegerter & Bosshardt / Gruner c/o Aegerter & Bosshardt, Tel. 061 365 22 22 |
- | Ruedi Hofer, Kantonsingenieur, Tiefbauamt, Bau- und Umweltschutzdirektion Basel-Landschaft, Tel. 061 925 54 84 |
Liestal, 21. Oktober 2004
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