Schlagzeilen

Medieninfos BUD

Medieninformation der Bau- und Umweltschutzdirektion

 

BIRSVITAL


BirsVital - der Projektname für zwei eng miteinander verknüpfte Gewässerschutzprojekte im unteren Birstal. Mit dem Bau eines Ableitungskanals von der ARA Birs 2 zum Rhein wird das gereinigte Abwasser nicht mehr in die Birs sondern direkt in den Rhein geleitet. Parallel dazu wird die begradigte und eintönige Uferlandschaft der Birs revitalisiert. Mit heutigem Spatenstich starten die Bauarbeiten - ein Vorhaben der Kantone Basel-Landschaft und Basel-Stadt.


  

Können Sie sich vorstellen wie die Birs früher ausgesehen hat? Ein Kartenausschnitt von 1678 zeigt den natürlichen, viel verzweigten Lauf des Flusses. Die Birs mit ihrem Netzwerk von grösseren und kleineren Rinnsalen, von Totwassern, Inseln und abwechslungsreichen Mäanderbewegungen war einst ein dominantes Landschaftselement:

Die Birs im Jahre 1678
1748 beschrieb Daniel Bruckner die Birs als wildes, sich an keine Regel haltendes Gewässer wie folgt:
"So bald die Birs von Arlesheim hinab das Baselische Gebiet erreichet, fliesset sie schlangenweise in einem breiten Bette, darein sie öfters neue Inseln leget, das Schloss und Dorf Münchenstein vorbey, bis zu der Brücke, welche vermuhtlich die älteste ist, so auf dem Baslerboden über disen Fluss gehet. ... Hier wird die Birse so wohl durch die Natur als Kunst in ein engeres Bett getrieben, bis unter dem Wuhr in der Neuen Welt, allwo sie wiedrum ausschweiffet und bald an dem hohen Gestade gegen Muttenz, bald aber an den niedrigen Wiesen gegen Brüglingen und St. Jakob anfliesset, bis sie sich in die Flutten des Rheins versenket."
Und heute? Die Birs zwischen St. Jakob und der Mündung in den Rhein ist zu einem künstlich begradigten, monotonen Kanal degradiert, der dem Wasser jede spielerische Eigenwilligkeit verbietet.


Wie ist es dazu gekommen?

  

Bereits in der zweiten Hälfte des 17. und zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurden erste Verbauungen durchgeführt. Eine erste umfassende Birskorrektion zwischen Münchenstein und Birsfelden erfolgte 1811 - 1823. Die Begradigung des Flusses durch steinerne Bahnen führte zu Absenkungen des Flussbettes. Ab 1901 wurde darum die Sohle mittels Schwellen stabilisiert und die Uferverbauungen erhielten das heutige Aussehen. Die Birs galt als gezähmt; an Stelle der einstigen Breitenvielfalt war die Einheitsbreite von 20 Metern getreten.

Die Birs bei Birsfelden heute
Dank der Birskorrektion wurde Land für die Landwirtschaft und im 20. Jahrhundert für Wohn- und Industrieüberbauungen gewonnen. Zudem war man sicher vor Überschwemmungen.
Leider wurde die vielfältige Naturlandschaft der Birs nachhaltig verändert. 1821 betrug die Flusslänge zwischen Dornachbrugg und der Brücke in Münchenstein 8.9 Kilometer. 1880, nach der Begradigung, schrumpfte dieser Flussteil auf 3.6 Kilometer Länge zusammen. Mit den Korrektionen sind auch rund 800 Pflanzenarten verschwunden!

  

Im Birstal zwischen Grellingen und dem Birskopf leben heute rund 90'000 Menschen. Diese produzieren mit ihren Aktivitäten in Haushalt, Gewerbe und Industrie rund 40'000 m3 Abwasser pro Tag. Dieses Abwasser wird seit über 35 Jahren in der Abwasserreinigungsanlage (ARA) Birs 1 in Reinach und seit 25 Jahren in der ARA Birs 2 in Birsfelden behandelt. Das gereinigte Abwasser wird bei beiden Anlagen in die Birs eingeleitet.
Beide Anlagen erfüllen die geltenden gesetzlichen Grenzwerte. Wegen der Vorbelastung der Birs durch oberhalb liegende Kläranlagen (ARA Zwingen) wird die Wasserqualität der Birs bei Niederwasser durch die Abwassereinleitung aus den beiden Kläranlagen dennoch deutlich verschlechtert. Insbesondere der Abschnitt zwischen der ARA Birs 2 und der Einmündung in den Rhein gilt als stark belastet.

Die Belastung der Birs
Die Tatsache, dass die Birs als Naherholungsgebiet und im untern Abschnitt als Badegewässer vielseitig genutzt wird, verschärft die unbefriedigende Situation noch zusätzlich.
Für die anstehende Abwassersanierung hat das Amt für Umweltschutz und Energie des Kantons Basel-Landschaft die heute geltenden Grenzwerte für die beiden Kläranlagen darum massiv verschärft. 1998 hat das Amt für Industrielle Betriebe Basel-Landschaft eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Darin werden verschiedene Varianten zur Verbesserung der Abwassersituation im Birstal aufgezeigt, untersucht, bewertet und miteinander verglichen.
Die Machbarkeitsstudie kommt zum Schluss, es sei die ARA Birs 1 aufzuheben und das Abwasser über die bestehende Kanalisation auf die ARA Birs 2 abzuleiten. Die ARA Birs 2 soll entsprechend der grösseren Abwassermenge ausgebaut werden. Das gereinigte Abwasser beider Einzugsgebiete soll über einen neuen Ableitungskanal von der ARA Birs 2 direkt in den Rhein eingeleitet werden. Der Rhein mit seiner über 175-mal grösseren Wasserführung als die Birs kann das behandelte Abwasser problemlos verkraften.
Auch unter Berücksichtigung eines Ausbaus der ARA Birs 2 erzeugt die Ableitung die geringsten Investitions- und Betriebskosten und den grössten Nutzen für die Birs, ohne die Situation für den Rhein zu verschlechtern. Diese Massnahme bietet darüber hinaus die einmalige Chance, das äusserliche Erscheinungsbild, das heisst den morphologischen Zustand (Gewässersohle, Ufer, etc.) der Birs zu verbessern. Daher soll gleichzeitig mit dem Bau des Ableitungskanals die Birs revitalisiert werden.
Der Landrat hat mit Beschluss vom 8. Juni 2000 die Kredite von rund 10.2 Mio. Franken für den Neubau des Ableitungskanals von der ARA Birs 2 in Birsfelden zum Rhein und von rund 4.3 Mio. Franken für die Revitalisierung der Birs im Abschnitt ARA Birs 2 bis Brücke Zürcherstrasse für den basellandschaftlichen Bereich gesprochen. Der Grosse Rat des Kantons Basel-Stadt hat am 25. Oktober 2001 einem Betrag von 1.5 Mio. Franken für die Revitalisierung des baselstädtischen Ufers zugestimmt.


Die Projekte
Die wichtigsten Anspruchsgruppen haben die Projekte für den Ableitungskanal und die Revitalisierung eingehend diskutiert und bereinigt. Daran beteiligt waren die Gemeinde Birsfelden, die baselstädtischen Quartiervereine in der Breite, Naturschutzorganisationen, Fischereikreise sowie Fachstellen beider Kantone. Dank der Kreativität und der guten Zusammenarbeit aller Beteiligten war es möglich Lösungen zu finden, welche vielen Ansprüchen gerecht werden.


BirsVital beinhaltet im Wesentlichen folgende Arbeiten:

-

Bau des Ableitungskanals im rechten Birsufer, nahe der Birseckstrasse von der ARA Birs 2 bis zum Rhein, Neubau des Dükers unter der Birs zur Verbesserung der Abwassersituation von Birsfelden;

-

Entfernen der linksufrigen Granitverbauungen sowie der rechtsufrigen Betonplatten und Einbau von Blocksätzen im Bereich der Pralluferbereiche für eine durchlässige und unregelmässige Längsverbauung zum Schutz der Werkleitungen. Die Ufersicherung erfolgt primär durch ingenieurbiologischen Verbau;

-

Ersatz der bestehenden Schwellen durch Blockrampen bzw. Blockschwellen zur Sohlenfixierung. Diese werden so angelegt, dass sich eine Trockenwetterrinne ausbildet;

-

Buhnen unterschiedlicher Breite provozieren einen bewegten Wasserlauf; die Trockenwetterrinne bzw. der Talweg können sich so besser ausbilden;

-

Abwechslungsreiche Gestaltung der Uferbereiche mit Ruderalflächen, Bereichen für Erholungssuchende, beschatteten Prallufern und flachen, sandigen Strandpartien, welche einen direkten Zugang zum Wasser ermöglichen.

Im Gegensatz zum rechtsseitigen Birsufer, in dem die Werkleitungen in die Birseckstrasse bereits verlegt wurden, verbleiben im baselstädtischen Uferbereich die bestehenden Werkleitungstrassees der SBB und IWB - da jüngeren Datums - in ihrer Lage. Der heute bestehende harte Uferverbau wird aber trotzdem auf seiner ganzen Länge entfernt und naturnah ausgebildet. In der Folge wird sich das Gesicht der Birslandschaft in diesem Abschnitt von Jahr zu Jahr mit dem Wachsen der Pflanzen und der Gestaltungskraft der Birs, selbst bei Hochwasser, ständig verändern und somit lebendig bleiben.


Die Birs heute und morgen


Birsrevitalisierung im Überblick


Projektabwicklung
Die Projekte wurden öffentlich aufgelegt. Es sind zwei Einsprachen auf baselbieter Seite eingegangen, die noch behandelt werden müssen. Die Baumeisterarbeiten wurden öffentlich ausgeschrieben und vergeben.
Begonnen wird mit den Bauarbeiten für den Ableitungskanal. Zwischen ARA Birs 2 und der Hauptstrassenbrücke wird der Kanal im offenen Graben verlegt. Da an mehreren Stellen Mischwasser aus dem Kanalnetz der Gemeinde Birsfelden übernommen wird, vergrössert sich der Rohrkaliber von 1000 mm auf 1400 mm. Gleichzeitig zum Bau des Ableitungskanals wird die Revitalisierung der Birs an beiden Ufern in Angriff genommen.
Zwischen Hauptstrassenbrücke und Rhein wird der Kanal mit Durchmesser 1600 mm durch den Untergrund gepresst. Dank diesem Verfahren sind nur wenige Schächte notwendig. Das Pressen in enger Lage zwischen Häusern und den Fundamenten der Brücke stellt hohe Ansprüche an die Bauunternehmung und die Bauleitung.
Der Neubau des Dükers unter der Birs durch wird als letzte Etappe in Angriff genommen.
Der Abschluss der Bauarbeiten und die Inbetriebnahme des Ableitungskanals ist auf Ende 2003 terminiert.


Nutzen der Projekte
Mit dem Bau des Ableitungskanals wird künftig kein gereinigtes Abwasser mehr aus der ARA Birs 2 in die Birs eingeleitet. Damit kann die Birs in einem Mass entlastet werden, wie dies auch mit weitergehenden und aufwändigen Reinigungsstufen bei der ARA und Einleitung des Abwassers vor Ort nie möglich ist; und dies zu den geringsten Jahreskosten. Die Wasserqualität im Fluss wird sich markant verbessern, was sich für Mensch, Flora und Fauna positiv auswirken wird.


  

Die Revitalisierungsmassnahmen ihrerseits erhöhen das Selbstreinigungspotenzial des Flusses und tragen zusätzlich zur Verbesserung der Wasserqualität bei. Ausserdem können im heute kanalisierten und öden Abschnitt neben Bereichen für Erholungssuchende ein grösserer Flussraum, mehr Naturufer, eine Vielzahl von Ufergehölzen und Auenbiotope mit Kiesbänken, Hochstaudenfluren, Weidengebüschen und Fischwasserbereiche geschaffen werden.


Renaturierung am Beispiel der Wiese in Basel
Die Belastung des Rheins ändert sich mit der Ableitung des gereinigten Abwassers in den Rhein nicht, da ja bereits heute das gereinigte Abwasser via Birs in den Rhein fliesst. Dank der Einleitung an der Flusssohle in genügendem Abstand vom Ufer, verbessert sich die Situation für die Badenden am Rhein.
Die Birs wird zwar nie mehr so frei und breit ihren Lauf bestimmen können, wie sie das noch im 17. Jahrhundert konnte - dafür ist die untere Birslandschaft zu stark überbaut - sie wird aber von ihrem heutigen Betonkorsett befreit sein und über ein wesentlich grösseres Bachbett verfügen können als heute. Dies ist zwar nicht das Maximum, aber in Anbetracht der zu berücksichtigenden Randbedingungen das Optimum, was für Mensch, Flora und Fauna in diesem Abschnitt herausgeholt werden konnte; und das ist - Nutzer und Fachleute sind sich einig - nicht wenig! Eine Erfolgskontrolle, welche sich über einen grösseren Zeitraum erstrecken wird, soll anschliessend aufzeigen, ob die gesteckten Ziele für Mensch, Flora und Fauna mit BirsVital erreicht werden konnten.


Ausblick / Umfeld
Als weitere Gewässerschutzmassnahme an der Birs soll gegen Ende 2002 dem Landrat eine Vorlage zum Ausbau und zur Ertüchtigung der ARA Birs 2 in Birsfelden unterbreitet werden. Mit den Planungsarbeiten hat das AIB bereits begonnen. Nach dem Ausbau der ARA Birs 2 soll die ARA Birs 1 in Reinach stillgelegt werden.
Parallel dazu will man die wichtigsten Mischwasserbecken im Einzugsgebiet zwischen Grellingen und Birsfelden erstellen. Damit wird auch die Belastung der Birs bei Regen (Abschwemmungen aus der Siedlungsentwässerung) abnehmen. Ein wichtiger Schritt dazu stellt auch die Umsetzung der GEP-Massnahmen (Versickerung von Regenwasser, Einführung Trennsystem) in den Gemeinden dar.
Nach Abschluss vom Ausbau der ARA Birs 2 sowie nach der im Anschluss daran vorgesehenen Aufhebung der ARA Birs 1 wird unterhalb der ARA Zwingen kein gereinigtes Abwasser mehr in die Birs geleitet. Die Wasserqualität der Birs wird somit wesentlich verbessert. Mit der gesteigerten Reinigungsleistung der ARA Birs 2 wird zudem die Belastung des Rheins und der Nordsee verringert.


BAUDEPARTEMENT BASEL-STADT
Informationsdienst
Tel. 061-267 42 51

BAU- UND UMWELTSCHUTZDIREKTION
BASEL-LANDSCHAFT
Informationsdienst
Tel. 061-925 55 81 / 54 04

Auskünfte:
- Christoph Bitterli, Amt für Industrielle Betriebe, Basel-Landschaft, Tel. 061-925 55 35
- Ernst Trenkle, Tiefbauamt Basel-Landschaft, Abt. Wasserbau, Tel. 061-025 54 73
- Ruedi Bossert, Tiefbauamt Basel-Stadt, Abt. Wasserbau, Tel. 061- 267 93 41


Basel/Liestal, 5. Juni 2002



 

Back to Top