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Kunstführer Brüglingen || Situationsplan


 

Brüglingen: Lage und Geschichte
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Brüglingen liegt vor den Toren der Stadt Basel, unmittelbar westlich der Sportanlagen von St. Jakob. Von diesen Anlagen aus ist es zu Fuss in wenigen Minuten bequem zu erreichen.

 

Sowohl der Name als auch Gräberfunde weisen darauf hin, dass die Anfänge von Brüglingen in die Zeit der alemannischen Landnahme zurückreichen. Indem es jedoch am Rande des Schwemmlandes an der untersten Birs vor deren Einmündung in den Rhein gelegen, war der SiedIungsplatz für die Agrarwirtschaft ungünstig, weshalb er im Zuge der Verfestigung der stadtnahen frühmittelalterlichen Ansiedlungen eine Rückbildung erfuhr. Sein Fortleben verdankt deshalb Brüglingen einerseits der unmittelbar beim Hofe entspringenden Quelle - sie war noch im 18. Jahrhundert als Heilquelle für Unterleibskrankheiten bekannt und andererseits der 1259 erstmals bezeugten und dem Basler Domstift gehörenden Mühle. Ursprünglich an einen Birsarm angeschlossen, war die Mühle in ihrer Existenz fortwährend gefährdet, bis der von Brunnadern gespiesene Teich um 1600 mit dein St.Alban-Teich verbunden werden konnte. Die Mühle und die Melioration der Birsebene schufen die Voraussetzungen für eine Ausweitung der Landwirtschaft und für die Entstehung eines kleinen Weilers, den Matthäus Merian um 1620 mit einigen Fachwerkbauten - allerdings sehr phantasievoll - auf einem Kupferstich festgehalten hat.


Besitzer der Mühle war damals die reiche französische Emigrantenfamilie Löffel. Trotz eines Gutachtens von Felix Platter und Caspar Bauhin verweigerte der Basler Rat die Wiederherstellung des 1593 erwähnten Bades und bewilligte der Familie Löffel nur eine Wirtschaft. Um 1711 liess die Familie Löffel oberhalb der Mühle einen Landsitz errichten und baute das zur Mühle gehörende Gut zu einem Musterbetrieb mit Scheune, Stallung, Trotte, Reben und Bündten aus. Im Jahre 1755 sah sich die Familie Löffel genötigt, Brüglingen dem Ratsherrn und ehemaligen Landvogt zu Münchenstein Hieronymus Christ-Kuder zu verkaufen. Als typischer Vertreter der physiokratischen Gesellschaft zu Bern war er ein Vorgänger von Christoph Merians Lehrer Philipp Emanuel von Fellenberg. An die Tätigkeit der Familie Löffel in Brüglingen anknüpfend, wertete ein hier seine agronomischen Kenntnisse und Erfahrungen in der Praxis aus und führte in landwirtschaftlicher Pionierarbeit einen zielbewussten Weiterausbau des Hofes zum Mustergut durch. 1789 verkaufte er es an Johann Ludwig Thurneysen-Merian, der das Gut in kurzer Zeit auf 65 Jucharten vergrösserte und bereits 1801 dem Seidenbandfibrikanten Johann Jakob Thurneysen veräusserte.


Ansicht von Brüglingen, 1746



Unter-Brüglingen mit Herrschaftshaus
und Mühle,
gezeichnet 1754 von Emanuel Büchel





Unter-Brüglingen nach dem Umbau
des Herrschaftshauses
anfangs des 19. Jahrhunderts,
gezeichnet um 1850 von A. Winterlin.

 

Dieser erweiterte den Landbesitz auf 145 Jucharten, sah sich jedoch infolge finanzieller Schwierigkeiten dazu gezwungen, Brüglingen im Jahre 1811 an Christoph Merian-Hoffmann zu verkaufen. 1824 übergab es dieser seinem Sohne Christoph Merian-Burckhardt als Hochzeitsgeschenk. Da sich dieser auf dem landwirtschaftlichen Institut des Philipp Emanuel von Fellenberg in Hofwyl hatte ausbilden lassen, war er daran interessiert, den Gutsbetrieb Brüglingen selbst zu verwalten. 1829 setzte er einen Berner Bauern als Pächter ein. Die Vergrösserung des Landbesitzes führte zum Bau eines zweiten Hofes in Vorder-Brüglingen, der von Christoph Merian ebenfalls einem Berner Bauern als Pächter anvertraut wurde. Im Interesse einer Rationalisierung des Betriebes durch technische Mittel liess der Besitzer sodann gegen den Widerstand der Lehensinteressenten des St.Alban-Teiches eine mit Wasserkraft betriebene Dreschmaschine installieren.

 

Nach umfangreichen Landkäufen auf dem Bruderholz, nach der Übernahme des Gutes St. Jakob und von "Neue Welt" bildete Brüglingen den Kern eines vom Bruderholz bis zum Gellert reichenden und schliesslich 311 Hektaren umfassenden Grundbesitzes Christoph Merians. Nach seinem Tode im Jahre 1858 diente das Herrschaftshaus von Brüglingen weiterhin als Sommersitz der 1886 verstorbenen Witwe Margaretha Merian-Burckhardt.


Anschliessend ging Brüglingen zusammen mit dem übrigen Grundbesitz und Vermögen an die CHRISTOPH MERIAN STIFTUNG, die Merian zugunsten der Stadt Basel als Unversalerbin eingesetzt hatte. Diese Stiftung, die von Christoph Merian noch vor seinem Tode Anno 1858 mit seinem Testament gegründet wurde, hat den ihr hinterlassenen Grundbesitz bis heute auf über 900 Hektaren vermehrt und ist damit zu einem der grössten Landbesitzer in der Schweiz geworden. Dem letzten Willen ihres Stifters getreu, verwendet sie den Ertrag ihres Vermögens für öffentliche und gemeinnützige städtische Aufgaben. Dazu gehören neben der Entwicklung und Förderung einer rationellen Landwirtschaft auf ihren eigenen Gutsbetrieben und Pachthöfen die Erstellung von Alterswohnungen und von Familienwohnungen zu günstigen Preisen, kulturelle Werke und auch die Erhaltung und Restaurierung historisch wertvoller Bauten. So wurden die Gebäude von Brüglingen durch die Stiftung im Laufe der Jahre instand gestellt, und vor kurzem wurde von ihr die Sanierung und der Wiederaufbau des Altstadtquartiers St.AlbanTal, das von dem über Brüglingen geführten St.Alban-Teich durchflossen wird, an die Hand genommen.


Die Stiftung überliess das Herrschaftshaus von Brüglingen dem Bürgerspital Basel als Erholungsheim und liess die beiden Gutshöfe weiterhin von Pächtern bewirtschaften. 1892 baute man die Mühle zu einer Kundenmühle um, stellte jedoch den Betrieb 1925 ein. Vor einigen Jahren wurde das Untergeschoss der Mühle zusammen mit dem Keller zu einem Mühlen-Museum eingerichtet und Zur Besichtigung freigegeben. Im Jahre 1961 gab der Pächter von Vorder-Brüglingen den Betrieb auf, worauf die Stiftung 1967 dieses Areal zusammen mit der Merian-Villa und dem dazugehörigen Park der Stadt Basel zur Schaffung eines Botanischen Gartens überliess.


Situationsplan von Brüglingen
aus dem 19. Jahrhundert

 

Nachdem sich der Kanton Basel-Stadt neben verschiedenen anderen Schweizer Städten für die Durchführung der "GRÜN 80", 2. SCHWEIZERISCHE AUSSTELLUNG FÜR GARTEN- UND LANDSCHAFTSBAU beworben hatte, entschloss sich der Verband Schweizerischer Gärtnermeister als Träger der Ausstellung, diese Veranstaltung in Basel durchzufahren. Ausschlaggebend für die Wahl des Veranstaltungsortes Basel war die Bereitschaft der Christoph Merian Stiftung, für die "Grün 80", die vom April bis Oktober 1980 stattfindet, das gesamte Areal Brüglingen zur Verfügung zu stellen.

 

Das weiträumige Gut gliedert sich in die beiden Gebäudegruppen von Vorder- und Hinter- und Unter-Brüglingen. Vorder Brüglingen wird landschaftlich durch Neuanlagen des Botanischen Gartens bestimmt, der sich von der Brüglingerstrasse bis ans Südende des englischen Gartens erstreckt. Drei monumentale Gebäude aus dem 19.Jahrhundert setzen den architektonischeu Akzent. Eine Kastanien- Lindenallee verbindet, begleitet von einem ebenen Spazierweg, Vorder- mit dein weiter südlich gelegenen Hinter-Brüglingen, dessen erste faszinierender Aussichtspunkt die in einem prachtvollen Park sich erhebende Merian-Villa bildet. Zu Füssen dieses landschaftlich reizvoll eingebetteten Landhauses aus dem 19. Jahrhundert breiten sich auf einer tiefer gelegenen Gelädestufe die zahlreichen mittelalterlichen und späteren Bauten von Hinter-Brüglingen auf dem Schwemmland der Birs aus, einerseits zur engen (iassengrlippe um die Mühle vereinigt, anderseits auf weite Sicht berechnet in der Ebene zwischen den Teichen.

 


 

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