Die Geschichte des Arxhofs

> Übersicht Arxhof

Von der Anstalt zum Massnahmenzentrum


1959/60

Regierung und Landrat des Kantons Basellanschaft beschliessen den Beitritt zum Konkordat für Straf- und Massnahmenvollzug Nordwest- und Innerschweiz.
Fast gleichzeitig wird beschlossen, die bestehende Strafanstalt in Liestal aufzuheben und eine neue Anstalt zu Bauen. Der Kanton erwirbt das Hofgut Arxhof.

 

1966

Der Landrat genehmigt 9.8 Mio. Franken zur Realisierung des Projekts. Es wird das Referendum ergriffen.

 

1967

Der Souverän genehmigt in einer Volksabstimmung die Umsetzung des Projekts.

 

1971

Die Anstalt Arxhof ist fertig gebaut und wird eröffnet.

 

1973

Die von einer Spezialkommission (Fachleute und Politiker) erstellte Verordnung über die Arbeitserziehungsanstalt (AEA) Arxhof wird vom Landrat verabschiedet und einige Monate später vom Regierungsrat in Kraft gesetzt.
Diese Verordnung nimmt Abschied von der disziplinarisch-pädagogischen Anstalt herkömmlichen Stils und beauftragt den Arxhof zu einer Lebens- und Berufsbildungsstätte für straffällig gewordenen junge Männer zu werden. Die Anstalt soll als "Therapeutische Gemeinschaft" geführt werden. Konsequenzen dieser Verordnung werden sichtbar in der Reduktion der Gruppengrösse in den vier Wohnpavillons von je 20 auf 10 Eingewiesene sowie in der Umwandlung der Produktionsbetriebe (Gärtnerei, Metallbau, Mechanik, Schreinerei und Holzverwertung) in primär Lehrbetriebe. Zudem werden in den Dienstleistungsbetrieben Küche und Verwaltung bis je drei Lehrplätze geschaffen.

 

1977

Der für die Umsetzung der Verordnung von 1974 nötige Personalbestand ist erreicht. René Lötscher wird Direktor und Dr. Roberto Lobos ärztlich-therapeutischer Leiter.

 

1982

In Sissach wird die Aussenstation errichtet und so das Platzangebot von 40 auf 45 Plätze erhöht.

 

ab 1985

Die mangelnde Belegung sowie die Führung der Anstalt durch René Lötscher und Dr. Roberto Lobos werden von Politikern und Fachleuten kritisiert. Die Medien berichten bereitwillig über die Umstände. Die Arbeitserziehungsanstalt gerät in eine schwere Krise.

 

1987

Direktor René Lötscher und der Therapeutische Leiter Dr. Roberto Lobos verlassen die Arbeitserziehungsanstalt Arxhof. In der Folge kündigen auch etliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das Krisenmanagement der Regierung führt nicht zu den erwarteten Ergebnissen

 

1989

Die AEA Arxhof wird geschlossen und alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den Bereichen Leitung, Sozialpädagogik und Therapie werden entlassen. Nur die Lehrbetriebe und ein Teil der Dienstleistungsbetriebe werden aufrecht erhalten. Die übrig gebliebenen Bewohner werden in andere Institutionen verlegt. Während eines Jahres bleibt der Arxhof geschlossen und die Gebäude des Wohnbereiches werden renoviert.

 

1990

Bastian Nussbaumer wird als neuer Direktor bestimmt.
Für die Neukonzeption des Arxhofs dient in erster Linie der Bericht von Dr. C.D. Eck (Institut für angewandte Psychologie, Zürich - heute: Hochschule für angewandte Psychologie). Der Bericht setzt sich nach wie vor für das Konzept einer therapeutischen Gemeinschaft ein. Wesentlich ist die Veränderung der Führungsstruktur. Die neue Leitung soll aus vier Personen bestehen; einem Direktor und drei Leitern der Bereiche Therapie, Sozialpädagogik, Ausbildungsbereich. Diese vier Personen sollen die Institution nach dem Konsens-Prinzip mit dem Direktor als Primus inter pares führen. Mit der neuen Struktur soll eine Dominanz der Therapie gegenüber den anderen Bereichen verhindert werden, da der Bericht davon ausgeht, dass die Dominanz der Therapie massgeblich am Scheitern der Institution verantwortlich war. Die Rolle des Direktors wird nun eindeutig die eines Gesamtleiters und nicht mehr die eines administrativen Direktors.

 

1991

Am 25.Februar wird der erste Bewohner aufgenommen. Zwei Ex-Klienten von Daytop Berlin (TG für Drogenabhängige) leben als bezahlte Bewohner und Kulturträger im Pavillon.
Die Leiter für die drei Bereiche sind gefunden: Dieter Bongers als Psychologe und Psychotherpeut (Ausrichtung: Gestalt-Therapie) wird therapeutischer Leiter, Peter Stengle wird Ausbildungsleiter, Dr. Klaus Klein (promovierter Pädagoge) wird pädagogischer Leiter. Bereits nach wenigen Monaten verlassen Peter Stengle und Dr. Klaus Klein den Arxhof. Dieter Bongers übernimmt interimistisch die Leitung der Sozialpädagogik und am 1. November übernimmt Renato Rossi die Funktion des Ausbildungsleiters.

 

1992

Am 1. Juli übernimmt Fritz Grässlin die pädagogischeLeitung.
Das von einer internen Arbeitsgruppe überarbeitete Konzept mit dem Behandlungsschwerpunkt von süchtigen Delinquenten wird vom Landrat wie auch vom Bundesamt für Justiz genehmigt und offiziell in Kraft gesetzt.
Ein wesentlicher Eck-Pfeiler des Konzepts ist die Idee der Selbsthilfe respektive der Selbstorganisation, d.h. Klienten werden an der Macht insofern beteiligt, als sie vier Mitglieder im Delegiertenrat stellen und so Antrag- und Stimmrecht erhalten. Es ist Mitaufgabe der Bewohner, sich bei Regelverstössen gegenseitig zu konfrontieren und Mitverantwortung für ein drogenfreies Milieu zu übernehmen. Ein weiterer Eckpfeiler bildet die Idee des therapeutischen Milieus, in dem alle Mitarbeitenden wie auch die Bewohner selbst Verantwortung tragen für ein heilendes, lernfreudiges Klima, das geprägt ist von Achtung. Ein dritter Eckpfeiler des neuen Konzepts ist die Implementierung einer Streitkultur, in der Konflikte und Regelverstösse umgehend besprochen und gelöst werden.

 

1994

Der Austrittsbereich mit einem Pavillon auf dem Arxhof und einer Aussenwohngruppe in Sissach wird eröffnet.
In dieser Zeit machen sich die Veränderungen in der Drogenpolitik bemerkbar. Die abstinenzorientierte Therapie auf dem Arxhof verliert für einen Teil der einweisenden Behörden und Klienten an Attraktivität, da es zunehmend ein Angebot an Methadon- und Heroinprogrammen gibt. Gleichzeitig nehmen Anfragen für Klienten mit Gewaltproblemen zu, so dass sich der Arxhof gezwungen sieht, sich vermehrt mit dem Phänomen der Gewalt auseinanderzusetzen.

 

1995

Die Institution kommt erstmals seit der Neueröffnung an den Bereich der Vollbelegung.

 

1998

Es wird eine Erfolgsstudie veröffentlicht, die in Zusammenarbeit mit der Universität Zürich (Prof. Dr. Uchtenhagen) und der Arbeitsgruppe FOS entstand.
Die Nachforschungen zeigen, dass ca. 50 % der regulär entlassenen Bewohner nach einer durchschnittlichen Time-at-Risk von ca. zwei Jahren nicht mehr im Strafregister verzeichnet sind. Bei den nicht regulär entlassenen Bewohnern liegt der entsprechende Wert bei ca. 37%.
Bastian Nussbaumer verlässt den Arxhof. An seine Stelle als neuer Direktor tritt Renato Rossi, langjähriger Ausbildungsleiter und Stellvertretender Direktor.
Die Durchmischung von Sucht- und Gewaltklienten führt zu einer Destabilisierung der Pavillon-Kultur und zu einem massiven absinken der Belegung. An Stelle der bis anhin drei gleichwertigen Pavillons treten neu ein Eintrittspavillon, ein Pavillon mit dem Schwerpunkt Sucht sowie ein Pavillon mit dem Schwerpunkt Gewalt. Als letzte Phase auf dem Arxhof bleibt der Ältestenpavillon. Diese Umstrukturierung führt die Belegung wieder in einen akzeptablen Bereich.

 

1999

Zum ersten Mal wird im Arxhof eine Tagung für die Fachöffentlichkeit zum Thema Gewalt durchgeführt. Titel: "Antworten auf die Herausforderung Gewalt"
Fritz Grässlin, Pädagogischer Leiter, verlässt den Arxhof. An seine Stelle tritt Renato Meier (vorher Psychotherapeut im Arxhof).

 

2001

Dieter Bongers verlässt nach zehnjähriger Tätigkeit den Arxhof. Peter Ostermayer, Psychologe, Psychotherapeut und Jurist wird neuer Leiter Psychotherapie. Er bringt neu zum gestalttherapeutischen Ansatz den Kognitiv Behavioralen Ansatz in den Arxhof.

 

2002

Die zweite Tagung mit dem Titel "Gute Frauen, böse Männer" wird durchgeführt, Das Thema ist "Männliche Sozialisation und Gewalt".

 

2005

Die dritte Tagung mit dem Titel "Wurzeln schlagen". Thema: Migration und Gewalt

 

2006

Der Begriff Arbeitserziehungsanstalt wird in der deutschsprachigen Schweiz durch den Begriff "Massnahmenzentrum"(Uitikon) resp. Massnahmenzentrum für junge Erwachsene" (Kalchrain und Arxhof)ersetzt (In der Romandie "centre educatif"). Der Arxhof heisst nun "Arxhof, Massnahmenzentrum für junge Erwachsene".
Um die Belegung zu verbessern, werden strukturelle Änderungen durchgeführt.
Statt dem Austrittspavillon (Ältestenpavillon) wird ein dritter Stammpavillon mit dem Schwerpunkt "Devianz/Struktur" eröffnet. In diesem Pavillon sollen insbesondere Bewohner leben, deren deviantes und delinquentes Verhalten nicht hauptsächlich als Gewalt- oder Suchtproblem zu erkennen ist, sondern das vor allem mit einer starken Strukturlosigkeit zusammenhängt. Zudem übernimmt der Leiter Verwaltung die Aufgabe, als "Belegungsüberwacher" die Belegungszahlen prospektiv im Auge zu behalten und alle betroffenen Personen auf kommende Engpässe oder Unterbelegungen aufmerksam zu machen.
Renato Meier verlässt nach mehr als 10 Jahren den Arxhof. An seiner Stelle übernimmt Halil Cigdem die Leitung Sozialpädagogik

 

2007

Die vorgenommene Strukturänderung zeigt Wirkung und die Belegung steigt auf Rekordhöhe.

In Deutschland wird die Kompetenz für den Jugendstrafvollzug auf die Bundesländer übertragen. Für die Schaffung eines Vollzugsgesetzes erhalten sie eine Frist bis Ende 2007. Aufgrund der hohen Rückfallquoten (80%) und mehreren dramatischen Gewalt-Ereignissen in Jugendstrafanstalten suchen die Länder nach alternativen Konzepten. Der Arxhof wird als Erfolgsmodell angesehen und von den Justizministern der Bundesländer Rheinland-Pfalz, und Hessen besucht. Zudem statten Delegationen des Landtags mehrer Bundesländer dem Arxhof einen Besuch ab. Der Direktor R. Rossi wird als Referent zu verschiedenen Anhörungen und Tagungen in Deutschland eingeladen.

 

2008

Im Mai findet die vierte Tagung mit dem Titel " Tat, Täter, Tat-Sachen" statt. Das auf dem Arxhof entwickelte "Integrative Täterprogramm Arxhof" (ITA) wird erstmals der Fachöffentlichkeit vorgestellt.

 

heute

Der Arxhof versteht sich als lernende Institution und gibt sich zur Aufgabe, Behandlungsmethoden für Gewalttäter, Suchtkranke und speziell sozial deviante Täter zu verbessern und weiterzuentwickeln. Der Arxhof ist nach wie vor das einzige offene Massnahmevollzugszentrum mit Psychotherapeutischer Ausrichtung und einem sozialtherapeutischen Milieu.
Wichtige Themen des Konzepts sind nach wie vor die männliche Sexualität respektive die psychosexuelle Entwicklung von Männern, die männliche Sozialisation und die Frage der moralischen Entwicklung und Selbststeuerung.

 


 

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