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Kunstführer Brüglingen || Situationsplan


 

Brüglingen: Gärten
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Erst die Eindämmung der Birs und die anschliessende Urbarmachung der Birsebene ermöglichten in Brüglingen eine intensive Nutzung des Bodens. Diese setzte im 18. Jahrhundert ein und erreichte unter Christoph Merian ihren Höhepunkt. Bereits zu Beginn des 18. Jahrhunderts entstand in Brüglingen ein Zier- und Nutzgarten im Zusammenhang mit dem Bau des Landsitzes der Familie Löffel. Er lag jedoch nicht, wie damals üblich, als Lustgarten hinter dem Landsitz, sondern in der Ebene unterhalb des Pächterhauses, wo sich heute noch der Baumgarten befindet. Der ringsum eingezäunte, streng symmetrisch angelegte französische Garten mit rechteckigen Blumen- und Gemüsebeeten hatte ein rundes Wasserbecken mit einem Springbrunnen zum Zentrum. Für die Bewässerung sorgte ein Kanal, der einerseits von einer Quelle und andererseits vom Mühleteich gespiesen wird und noch heute offen durch den Garten fliesst. Der Baumgarten lag auf der Geländeterrasse vor und hinter dem Landsitz. Den Hang überzog ein Rebberg mit einem Rebhäuslein.

 

Mit dem Umbau des Landsitzes zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde dieser in eine englische Gartenanlage verwandelt, wobei die Baumgärten und ein grosser Teil des Rebbergs verschwanden. Die Voraussetzungen für die Verwirklichung eines englischen Landschaftsgartens waren insofern hervorragend, als die Villa nun eine willkommene Hintergrundstaffage bildete. Im Vordergrund säumte die Kastanienbaumreihe oberhalb des Teiches den unteren Zufahrtsweg, während den oberen der Hang mit einer neuen Baumbepflanzung betonte, so dass die an den Rand gedrängten Wege vor der Villa einen Bogen schlossen, die weite Ebene offen liessen und eine Tiefenwirkung erzeugten. Westlich und östlich der Villa entstanden diagonal zueinander versetzte Baumgruppen mit mehrheitlich fremdländischem Bestand. Hinter der Villa spiegelt sich deren Architektur in einem unregelmässig gebildeten Weiher mit einem Springbrunnen. Vorgesetzte Baumgruppen oder Sträucher engen die Blickrichtung zuweilen ein und schaffen optische Räume, die den Park grösser erscheinen lassen, indem sie die Grenzen verwischen. Die grosse Rasenfläche, der sogenannte "Pleasure Ground", verengt sich nach Süden und endet in einem Wäldchen. Die Randwege und die zahlreichen sanft ansteigenden Spazierwege führten zu Aussichtspunkten, sind meist geschwungen und parallel gezogen und vor allem im Wäldchen sehr dicht. Oberhalb des Mühleteiches führte ein Randweg ans Südende des Parks, wo sich inmitten eines kleinen Weihers eine Insel erhob. Sowohl die Gestaltung des Parks als auch seine Topographie erinnern an den ebenfalls zu Beginn des 19. Jahrhunderts angelegten St.-Margarethen-Park in Binningen.


Christoph Merian dürfte den Park weiter ausgebaut und hinsichtlich der Bepflanzung bereichert haben. Im Wäldchen erinnert ein Gedenkstein an seine früh verstorbene Schwester Susanna. Oberhalb der Hangkante entstand damals eine heute verschwundene langgestreckte Baumallee, Nach dem Bau von Vorder-Brüglingen liess Merian die Kastanienreihe zur Villa hin mit Linden durchsetzen und mit den Linden vor dem Pächterhaus und beim Brunnen von Vorder-Brüglingen verbinden. Westlich der Villa entstand ein Gartenhäuschen, hinter dem Gärtnerhaus eine Fasanerie und hinter der Mühle eine Vogelvoliere.


Blick auf Vorder-Brüglingen von de
Merian-Villa aus,
links die Ökonomie von 1905




Baumgruppe mit der südlichen
Gartenfront der Merian-Villa
vor der Restaurierung





Blick auf den Weiher mit Seerosen und
den englischen Garten
von der Merian-Villa aus

 

Der Zier- und Nutzgarten in der Ebene unterhalb des Pächterhauses scheint bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts vergrössert und ummauert worden zu sein. Bis zu Christoph Merians Tod waren im Garten acht Mann beschäftigt. Noch zu seinen Lebzeiten liess er hier eine grosse Orangerie errichten. Die ursprünglich mit Buchs eingefassten Beete lieferten Blumen und Gemüse. Von Christoph Merian besonders bevorzugt waren Topfpflanzen, die im Sommer den Park und die Umgebung der Gebäude zierten und im Winter in der Orangerie und in den Gewächshäusern standen. Das vom Gärtner Zipfel aufgestellte Inventar der Orangerie vermittelt einen interessanten Einblick in die Gartenkultur in Brüglingen. Neun Orangenbäume, zwei Zitronenbäume, sechs Lorbeer- und sieben Myrtenbäume waren vorhanden. Dreizehn Feigenbäume, ein Dutzend Drachenbäume, zwei Granatäpfelbäume, ein Eukalypttisbatim und zwei Zwergpalmen werden erwähnt. An Sträuchern fanden sich vor allem Kamelien, Kirschlorbeer, Veronica, Jasmin, Oleander, Hortensien, Rhododendren, Steinlorbeer, Azaleen, Ziinmerlinden, Ginster und andere mehr. Unter den Kübelpflanzen gab es über hundert Geranien, sechzig Fuchsien. nahezu ebenso viele Blatt- und Knollenbegonien und zahlreiche Topfrosen, insgesamt etwa 672 Pflanzen. Im reichhaltigen Garteninventar fehlen nur die Tropenpflanzen und die Suckelten, die damals noch nicht gebräuchlich waren. Nach dem Tode der Witwe Merian reduzierte die Stiftung den Gärtnereibetrieb, unterhielt jedoch Park und Garten gemäss der Stiftungsurkunde „mit nicht zu karg bemessenen Mitteln". Später trat die Stiftung den Herrschaftsgarten an den Pächter ab, der daraus einen Baumgarten machte. Aus der Tradition der Gartenkultur Christoph Merians heraus entwickelte sich organisch der Gedanke zur Schaffung eines Botanischen Gartens und die Idee der Veranstaltung der Gartenbauausstellung "Grün 80" in Brüglingen.


Pleasure Ground des englischen
Gartens mit der Merian-Villa
im Hintergrund

 


 

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