Die Fachstelle in Zahlen Die Fachstelle verfügt seit 2003 über 2,2 Vollzeitstellen (vorher 2). Diese Stellen teilen sich fünf Frauen mit Pensen zwischen 20 und 70%. Damit liegt Baselland sowohl beim Stellentotal als auch in Relation zur Zahl der Einwohnerinnen und Einwohner im schweizerischen Mittelfeld. Zürich, Genf, Bern, Basel-Stadt, die Waadt und das Wallis stellen mehr Fachpersonal für die Gleichstellung zur Verfügung. Die Ausgaben für die Fachstelle betragen insgesamt 500'000 Franken. Bei Gesamtausgaben des Kantons von 2,29 Mrd. Franken sind dies 0,02% des Budgets. Das Team der Fachstelle wird periodisch von Praktikantinnen und Praktikanten unterstützt, die sich wichtiges Know-How für ihre künftige berufliche Tätigkeit aneignen können. Ehemalige Praktikantinnen von uns arbeiten z. B. in der kantonalen Gesundheitsförderung, beim Schweizerischen Nationalfonds oder in strategischen Bereichen der Sozialversicherung.
Politik Es macht das Wesen einer Demokratie aus, dass Bürgerinnen und Bürger die formale und die tatsächliche Möglichkeit haben, an politischen Entscheidungen teilzunehmen. Dazu gehört auch die Repräsentation in Parlamenten und Regierungen. Das Baselbiet kommt hier langsam, aber stetig voran: Mit einem Drittel Landrätinnen liegt der Kanton nach Basel-Stadt auf Platz 2 in der Schweiz.
In den Gemeindeparlamenten nehmen durchschnittlich 38% Frauen Platz. In den Gemeinderäten sind 26% Frauen vertreten. Seit 2004 gibt es 16 Gemeindepräsidentinnen (18,6%), vorher waren es nur 10.
Gleichstellung und Wahlen 2007 Wie hoch ist der Frauen- und Männeranteil im Landrat und im Regierungsrat und wie hat er sich seit 1971 entwickelt? Wie viele Frauen kandidieren für den Landrat 2007? Dies und vieles mehr finden Sie in unserer kleinen Politik-Studie unter Kurzfassung oder ausführliche Version.
Häusliche Gewalt Jede fünfte Frau in der Schweiz erlebt im Laufe ihres Lebens systematische Gewalt durch ihren Partner oder Ex-Partner. Im Baselbiet rückte die Polizei im ersten Halbjahr 2003 fast 400 Mal wegen häuslicher Gewalt aus. "Gewalt beenden - Opfer schützen - Täter belangen" ist darum das Motto der Baselbieter Interventionsstelle.
Sexuelle Belästigung In der Schweiz haben 72% aller erwerbstätigen Frauen schon einmal sexuelle Belästigung in ihrem Berufsleben erlebt. Eine sexuelle Belästigung ist jede unerwünschte Verhaltensweise mit sexuellem Bezug, von dem die belästigende Person weiss oder wissen kann, dass sie unerwünscht ist. Dazu zählen anzügliche Bemerkungen, sexistische Witze, das Vorzeigen pornographischen Materials, aber auch körperliche Übergriffe und "zufällige" Berührungen. Sexuelle Belästigung hat für die Betroffenen schwer wiegende persönliche und berufliche Folgen, von psychosomatischen Erkrankungen bis zum Wechsel des Arbeitsplatzes. Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz führt dazu, dass Frauen ihr berufliches Potenzial nicht ausschöpfen. Sexuelle Belästigung ist im schweizerischen Gleichstellungsgesetz darum als eine Form der Diskriminierung aufgrund des Geschlechts verboten. Arbeitgebende sind zur Prävention verpflichtet. 60% der KMU im Baselbiet haben noch keine vorbeugenden Massnahmen ergriffen.
Berufsbildung Immer noch sind mehr Frauen zwischen 25 und 64 Jahren ohne nachobligatorische Ausbildung (24% gegenüber 14% Männer). Doch junge Frauen holen auf: Seit 2000 beginnen sie in gleichem Masse nachobligatorische Ausbildungen wie die jungen Männer. Doch hat sich die markante geschlechtsspezifische Berufswahl seit 1990 kaum verändert. Fast 60% der jungen Frauen wählen aus zehn von über 200 möglichen Berufen, vor allem in den Bereichen Gesundheit, Körperpflege und Verkauf. Auch entscheiden sie sich viel häufiger für kürzere und damit weniger qualifizierende Berufsausbildungen als ihre Kollegen. Dies hat negative Auswirkungen auf Lohn- und Laufbahnentwicklungen.
Teilzeitarbeit Teilzeitarbeit ist einer der offensichtlichsten Unterschiede zwischen Frauen- und Männererwerbstätigkeit. In der Schweiz arbeiten 60% der erwerbstätigen Frauen Teilzeit. Über die Hälfte von ihnen nennen Familienarbeit als Grund. Im Steigen begriffen ist Teilzeit bei Männern mit 12%. Sie nennen ihre Gründe in dieser Reihenfolge: Weiterbildung, anderweitige Interessen, Familienarbeit (8%). 30% der vollzeitbeschäftigten Frauen und 16% der Männer würden lieber Teilzeit arbeiten. Im Baselbiet arbeiten in den kleineren und mittleren Unternehmen (KMU) 17% der Beschäftigten Teilzeit, 6% davon unter 50%. Von allen erwerbstätigen Frauen arbeiten nur 58% Vollzeit. Flexible Arbeitszeitmodelle sind noch nicht sehr weit verbreitet wie gleitende Arbeitszeit (30% der Betriebe) oder flexible Jahresarbeitszeit (13%). Zur Stärkung der Familien braucht es darum nicht nur Kinderbetreuungsformen, sondern auch flankierende Massnahmen in Unternehmen, die es Männern und Frauen ermöglichen, in Beruf und Familie aktiv Verantwortung zu übernehmen.
Gleiche Löhne Frauen verdienen in der Schweizer Privatwirtschaft im Durchschnitt 21.5% weniger als Männer. Auch bei gleicher Ausbildung und gleicher beruflicher Stellung werden Frauen schlechter bezahlt. Dieser Unterschied ist bei zunehmendem Anforderungsniveau sogar höher. Je nach Ausbildung verdienen Frauen zwischen 15% (Berufsausbildung bzw. -lehre und höhere Berufsausbildung) und 24% (Universität, Hochschule) weniger als die Männer. Der Lohn von Frauen ist je nach beruflicher Stellung zwischen 13% (unterstes Kader) und 24% (oberes und mittleres Kader) tiefer als jener der Männer. Gründe hierfür sind die traditionelle Geringerbewertung als weiblich geltender Berufe bzw. Tätigkeiten, aber auch Intransparenz im Betrieb über die Mechanismen der Lohnfestsetzung und über die Lohnstufen. So legen beispielsweise nur 10% der Baselbieter KMU die Löhne offen. Hier besteht Handlungsbedarf, wie die Umfrage des Frauenrats "Frau und Arbeit", Liestal 2003 zeigt.