Ist übermässiger Alkohol- oder Drogenkonsum ansteckend?


> Jugendanwaltschaft || Drogen und Alkohol

 

Jugendliche mit Eltern, die übermässig Alkohol- oder Nikotin konsumieren, zeigen einen höheres Risiko, einen problematischen Umgang mit Alkohol, Nikotin oder anderen Drogen zu entwickeln. Dies, obwohl sie in vielen Fällen das Konsumverhalten ihrer Eltern kritisieren oder gar darunter leiden.

 

Zu diesem Schluss ist eine Untersuchung der Schweizerischen Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenprobleme SFA gekommen, welche im Rahmen der Studie Health Behaviour in School-Agend-Children (HBSC, Schirmherrschaft WHO Europe) in der Schweiz im Jahre 1998 Kinder und Jugendliche im Alter von 12 und 15 Jahren befragte.


Es stellt sich dabei die Frage, weshalb Jugendliche denn den Substanzkonsum ihrer Eltern überhaupt kopieren, obwohl sie diesen selbst als problematisch einstufen? Und - wie könnte dieses Muster allenfalls durchbrochen werden?


Die vorliegende Untersuchung hat unter anderem gezeigt, dass in vielen Familien mit auffälligem Substanzkonsum oft auch andere Probleme und Spannungen vorhanden sind. In solchen Familien würde z. B. weniger miteinander geredet oder die Familienmitglieder gehen eher auf Distanz; häufig ist auch ein Mangel an elterliche Präsenz festzustellen oder es fehlt eine angemessene erzieherische Unterstützung der Kinder.


Wenn sich Eltern zunehmend überfordert erleben und nicht mehr weiter wissen, kann es naheliegend sein, ihrem Ärger, ihren Ohnmachtsgefühlen und ihrem Frust mit gewaltsamen Mitteln zu "bändigen" oder sich vermehrt dem Alkohol oder dem Nikotin zuzuwenden. So kann sich ein Teufelskreis aus Substanzkonsum und Alltagsproblemen entfalten.


Um dieses Dynamik zu verstehen, helfen uns die Erfahrungen der Entwicklungspsychologie und der Persönlichkeitstheorien. Sie gehen davon aus, dass Menschen, die mit neuen, ihnen wenig vertrauten und deshalb schwierigen Situationen konfrontiert werden, auf alte, vertraute oder gar angeborene Verhaltensweisen zurückgreifen. So würden z.B. Jugendliche aus Familien mit übermässigem Substanzkonsum zur Bewältigung unbekannter, kritischer Situationen, mehr oder weniger spontan auf dasjenige Verhalten zurückgreifen, welches ihnen durch die Eltern vermittelt wurde.


Solche Muster zu unterbrechen erweist sich allerdings als äusserst schwierig - nicht zuletzt deswegen, weil Kinder gegenüber ihren Eltern nicht nur zutiefst loyal, sondern von diesen auch völlig abhängig sind. Kinder können sich von ihren Eltern nicht scheiden lassen! Um so bedeutungsvoller ist die Gestaltung des sozialen Umfeldes von Kindern und Jugendlichen. Im Schulbereich, im Freizeitbereich und vor allem in der Peergroup bieten sich Erfahrungswelten, in denen alternative Verhaltensmuster kennengelernt und eingeübt werden können. Hier erfahren sie auch, wie andere Menschen z.B. übermässigen Substanzkonsum einschätzen und beurteilen, hier können sie mit schwierigen Situationen konstruktiv umgehen lernen, aber auch in entsprechend riskioreiche Situationen hineingeraten. Um so wichtiger ist dabei die Präsenz von Eltern, Schule und weiteren Bezugspersonen, die übermässigen Substanzkonsum ansprechen, Grenzen setzen, allenfalls sanktionieren und schliesslich geeignete "Entwicklungshilfe" anbieten.


Quelle: Spectra, Gesundheitsförderung und Prävention / BAG, Bern


www.sfa-ispa.ch



 

Back to Top