Bau- und Umwelt-Zeitung Nr. 6 / September 1997


Kooperativer Amphibienschutz im Bohlberg


 


 

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Der Steinbruch Bohlberg bei Liesberg ist ein Amphibienlaichgebiet von nationaler Bedeutung. Im Sommer 1996 baute das Tiefbauamt, in Zusammenarbeit mit der Abteilung Natur- und Landschaftsschutz des Amtes für Orts- und Regionalplanung, neue Weiher. Zuvor hatte das Amt für Liegenschaftsverkehr die Parzelle erworben. Zahlreiche Amphibien haben ihre neuen "Wohngebiete" bereits besiedelt.

 

1994 hat der Bund den Steinbruch Bohlberg in Liesberg in den Entwurf des Inventars der Amphibienlaichgebiete von nationaler Bedeutung aufgenommen. Damit beauftragte er den Kanton, für den Schutz und den Unterhalt dieses wertvollen Gebietes zu sorgen. Die Einstufung "von nationaler Bedeutung" ist berechtigt: Acht Amphibienarten - wovon auch einige vom Aussterben bedroht sind, wie z.B. die Gelbbauchunke und die Kreuzkröte - leben dort. Damit leben alle Amphibienarten, die es im Laufental gibt, im Bohlberg; auch aus nationaler Sicht ist diese grosse Artenzahl an einem Weiher selten.


 

Die Gemeinde Liesberg hat den hohen naturschützerischen Wert des Steinbruchs schon früher erkannt und einen Teil als Gemeindenaturschutzgebiet ausgeschieden. Im Steinbruch wird aber auch noch Stein gebrochen und verarbeitet. Dieses Nebeneinander von gewerblicher Nutzung und Naturschutz funktioniert gut.


 

Vor einem Jahr hat das Amt für Liegenschaftsverkehr eine in der Industriezone liegende Parzelle für naturschützerische Zwecke von der Gemeinde Liesberg erworben. Dadurch konnte dieser wichtige Teillebensraum für die Tiere und Pflanzen im Bohlberg gesichert werden.


 

Mit dem Kauf allein war es aber nicht getan. Der in der Naturschutzzone liegende Weiher war undicht und musste saniert werden. Ausserdem galt es, das neue Gebiet so zu gestalten, dass die Amphibien sich wohlfühlen und dort ihre "Behausungen" einrichten. Diese Bauarbeiten haben die Mitarbeiter des Strassenverwaltungskreises 4, Zwingen, in Zusammenarbeit mit der Abteilung Natur- und Landschaftsschutz des Amtes für Orts- und Regionalplanung im letzten Sommer ausgeführt. Drei kleinere Weiher sind im neuen Areal zusätzlich erstellt worden. Sie stehen seit diesem Frühling den Fröschen, Kröten, Mölchen und sonstigen Lebewesen zur Verfügung.


 

Die neuen Laichgebiete haben offensichtlich grossen Anklang gefunden: Mehrere Arten haben sich dort niedergelassen und Ihren Laich abgelegt. Die gute Zusammenarbeit zwischen den drei Dienststellen hat somit ein erfreuliches Ergebnis erbracht, denn das Resultat ist von den direkt Betroffenen gut angenommen worden.


 

Weshalb kümmert sich der Naturschutz überhaupt um die Betreuung von Steinbrüchen, Kiesgruben und anderen von Menschen geschaffenen Gebieten? Weil Steinbrüche, Kiesgruben und Ziegeleien Ersatzlebensräume sind für die verschwundenen Fluss- und Bachauen! Ein frei fliessender Fluss (wie etwa die Maggia) dominiert sein Tal, mit jedem Hochwasser verändert sich die Landschaft. Durch diese heute normalerweise unterbundene Dynamik und Kraft des Wassers entstand ein Mosaik unterschiedlichster Lebensräume wie etwa Altwasser, Auenwald, Weidengebüsch oder offene, vegetationsfreie Kiesbänke. Ähnliche Verhältnisse werden in Abbaustellen angetroffen. Dort sorgen Bagger für stete Landschaftsveränderungen. Abbaustellen sind deshalb ideale Ersatzstandorte für diejenigen Tierarten, welche durch die "Korrektion" der Flüsse und Bäche heimatlos geworden sind.


 

Benedikt Schmidt, Natur- und Landschaftsschutz, AOR


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