Bau- und Umwelt-Zeitung Nr. 22 / Juni 2000


Was ist ein Handy?


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Erinnern Sie sich an die ersten Mobiltelefone? Als ich zum ersten Mal eines solchen Geräts ansichtig wurde, war ich ganz überwältigt von der unglaublichen Genialität unserer Technik. Man stelle sich vor, aus einem fahrenden Auto ganz ohne Steckdose und Kabel in der Weltgeschichte herumtelefonieren zu können. In jener grauen Vorzeit stufte ich die Besitzer dieser Apparate noch als Snobs ein; Angeber und Wichtigtuer waren das doch und nichts anderes! Damals nannte man die Dinger noch "Autotelephon", womit die Funktion klar definiert war. Wie ein Steppenbrand verbreitete sich das neue Telefon und hiess bald "NATEL". Klingt eigentlich gut, obwohl sich dahinter der simple Ausdruck "Neues Auto TELefon" verbirgt. Irgendwann ist jemand auf die Idee gekommen, das Natel "Handy" zu nennen (wie das Abwaschmittel aus der Migros). Ohne englische Ausdrücke kommen wir scheinbar nicht mehr aus. Es steht sogar - man höre und staune - im neusten Rechtschreibe-Duden. Jedesmal, wenn ich über ein Handy (das Telefon, nicht das Spülmittel) stolpere, frage ich mich, ob es keine sinnvollere Bezeichnung für so eine grossartige Erfindung gibt als dieses alte abgedroschene Wort. Klar, das Handy ist überaus praktisch und handlich, eben "handy". Äxgüsi, aber handlich sind viele andere Dinge, ohne dass deren Begriff in direkten Zusammenhang mit des Menschen praktischem Greif- und Packapparat gebracht wird. Andererseits tragen die meisten Leute (auch unsere Kaderleute und Aussendienstmitarbeiter) ihr Mobilfon am Körper, damit sie es sicher läuten hören, wenn sie gesucht werden. Deshalb könnte man es treffender "Body" nennen. Aber auch dieser Name ist schon belegt, nämlich für ein körperbedeckendes Utensil. Da wir das Telefon aus naheliegenden Gründen ans Ohr halten, warum also heisst es (logisch...) nicht "Ohry" oder lieblicher: "Öhry"? Niemand konnte mir sagen, wer für die bescheidene Bezeichnung des bald wichtigsten Lebensbegleiters aller Vier- bis Neunundneunzigjährigen verantwortlich ist. Nur ein ganz kleiner Verdacht bezüglich der Urheberschaft hat sich bei mir eingeschlichen, als ich vor einiger Zeit in einer relativ gescheiten Zeitung auf folgende Warnung stiess: Ein Wissenschaftler hat herausgefunden, dass es sehr gefährlich sei, gleichzeitig mit zwei Handys zu telefonieren, weil im Gehirn ähnliche Schäden entständen, wie wenn man seinen Kopf in einen laufenden Mikrowellenherd steckte! Ob besagter Forscher wohl die Probe aufs Exempel gemacht hat? Falls dem so wäre, dürfte man ihn passenderweise Professor "Hirny" nennen...

Übrigens: Einen - ernstzunehmenden - Beitrag über Mobilfunkantennen finden Sie in dieser Nummer.


Buzli


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